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Full text of "Das Zeitwort do in Chaucers Prosa"

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WIENER BEITRÄGE 


ZUR 


ENGLISCHEN PHILOLOGIE 


BEGRÜNDET VON WEIL. J. SCHIPPER 
UNTER MITWIRKUN G VON 


DR. A. POGATSCHER DR. R. FISCHER 


EMERIT. ORD, PROF. DER ORD. PROF. DER ENGL. 
ENGL. PHILOLOGIE AN DER PHILOLOGIE AN DER UNI- 
UNIVERSITÄT IN GRAZ VERSITÄT IN INNSBRUCK 
DR. L. KELLNER DR. R. BROTANEK DB. A, EICHLER 
FMERIT. ORD. PROF. DER ORD,. PROF. DER ENGL, ORD. PROF. DER ENGL. 
ENGL. PHILOLOGIE AN DER PHILOLOGIE AN DER UNI- PHILOLOGIE AN DER UNI- 
UNIVERSITÄT CZERNOWITZ VERSITÄT IN ERLANGEN VERSITÄT IN GRAZ 
HERAUSGEGEBEN 
voN 


D*- KARL LUICK 


ORD PROF. DER ENGL. PHILOLOGIE AN DER UNIVERSITÄT IN WIEN 


Lil. BAND 


WIEN UND LEIPZIG 1923 
WILHELM BRAUMÜLLER 


UNIVERSITÄTS-VERLAGSBUCHHANDLUNG GES. M. B. H. 


DAS ZEITWORT DO 
IN CHAUCERS PROSA 


Dr. RUDOLF HITTMAIR 


WIEN un LEIPZIG 1923 
. WILHELM BRAUMÜLLER 


“  UNIVERSITÄTS-VERLAGSBUCHHANDLUNG GES. M. B. H. 


Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung, vorbehalten. 


DRUCK DER WAGNER'SCHEN UNIVERSITÄTS-BUCHDRUCKEREI IN INNSBRUCK. 


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INHALT: 


‘Do unter den Zeitwörtern. Bedeutung und Behandlung des Problems 
. ass en 2 Seite 
Bedeutung und Stellung von do innerhalb der Zeitwörter . . . 1 
‚Behandlung syntaktischer Fragen . . . 2. 2 2 2 2.2... 
“Chaucers Bedeutung für das Problem . 
Arbeiten über do, Spezialuntersuchungen 


=> 0 1 


Umfang und Material der Untersuchung. 


| Umfang, do als Haupt- und Hilfeverbum . . . BE 7 
‚Grundsätze der Einteilung nach dem N.E.D,. u So % 8 
9 


 Aktionsarten von do. . . . ; Eier Re 
Material, Chaucers Prosa . 2 2: 0 nn nn "9 
Ueberlieferung . . . » 2 2 2 2 2 ee 2 2 20... U 
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Entstehungszeit . > 2 2 2 2 nennen. .l4 
huellen.. ua Sa we ee ee ee. 16 

Consolatio Silosopnine I as Aare Me ie re: OS ie ieh wer ae AL 

ü Umfang des Materials . 2 00 en 20 
_ Do bei Chaucer. 

‘A. Do: 

l. Transitive Verwendung . 2... 2 2 nn 

Wesen des Akk.- und Dat. -Obj. a ; 22 


Begriffsentwicklung von.do in Verbindung PN Ökjekten. 26 
Do mit Akk.- und Dativ-Obj. ohne to, N.E.D. 1,4, L,4b . 27 
Do mit Akk.- und Dativ-Obj. mit to, N.E.D. L5. .. ..80 
Dativ-Obj. mit und ohne to in Chaucers Prosa . . ... 3 
Do mit Akk.-Obj. N.E.D. 1,6. . 2. 2 2 222m e...8D 


Passive Fügung, Partiz. N.E.D. 18 .... 2.2.0. 36 

Die einzelnen Obj.-Begriffe . . . 2. 2. 2 20 0.. 38 

N.E.D. l,6a—e, I,7, 19... 2020238, 44, 46 

Die sinnverwandten Verba make und Werke mit ihren Obj. . 46 
\ -_ < 


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BON 


der Cotton Metra . 


II. Intransitive Verwendung . 
N.E.D. 1,15 ae 
Stellung der Adverbia . 
Das sinnverwandte Verbum werke } 
III. Kausale und auxiliare Verwendung 


1. Begrüindendes do und Infin. ohne, mit io aut. for to ; 


Das sinnverwandte Verbum let 
Das sinnverwandte Verbum make 
Andere Kausativa . 
. Stellvertretendes do . 
3. Umschreibendes do ; i 
Historische Entwicklung der Konstnktiin 
bei Alfred nal lee ie ee 
bei Chaucer . 
bei seinen Nachfolgern, be Tydcate he Walton 
IV. Besondere Verwendung von do-Formen,. to do N. E.D. IV, 33 
V. Do mit Präpositionen 


1) 


VI. Do mit Adverbien . . 2 2 2 2 Er 2 nee 
. Doing . 


Verb.-Subst. und bernd, 

Entstehung 

Unterscheidung - ar, 
DOEkB. . u. ur ma Dr We 
Komposita | 

Zusammenfassung . 


. 102 


" Seite 


103 


Do in Chaucers Beece und anderen englischen Uebertragungen. 
Vergleich derChaucer’sehen Boethius-Uebersetzung bez. desGebrauches 


von do mit der we von Alfred . 


von Walton . 
Colville 
Challoner 
Elisabeth . 


Zusammenfassung und allgemeine Folgerungen . 


. 112 


105 


112 
112 
113 
114 


123 


Do unter den Zeitwörtern. eig und Behandlung 
des Problems. 
Bedeutung und Stellung von do innerhalb der 
Zeitwörter.. 


Von allen englischen Verben ist do eines der fesselndsten 
and reichsten; durch die Mannigfaltigkeit seiner Bedeutungen, 
durch die Ausdehnung und Vielseitigkeit seiner Verwendungen, 
ist es zu einem der feinsten ‚Instrumente sprachlichen Aus- 
drucks geworden. 

Schon formal nimmt es eine Sonderstellung ein, es Ban 
ja zu den themavokallosen Zeitwörtern, die in den meisten 
idg. Sprachen keine zahlreichen, dafür aber umso wichtigere, 
für den täglichen Sprachgebrauch unentbehrliche. Nerteler 
aufweisen. 

Sogar im Ost- und Nordgermanischen, wo do selbst merk- 
würdigerweise fehlt, ist wenigstens seine Spur in den Präteri- 
 talendungen der schwachen Verba häufig genug anzutreffen. 
(Vgl. W. Horn, Sprachkörper und Sprachfunktion, Palaestra 
135 [1921] S.50 $44, — H. Collitz, Das schwache Prät. und 
seine Vorgeschichte, Hesperia 1 [1912], das nach ihm eine 
eigenartige Entwicklung des idg. medialen Perfekts sein soll. 
Dagegen Sverdrup, J. F. 35, Anz. 5.) 

. Eine nähere Betrachtung des Verbums führt auch ein in 
die inneren Aufgaben und Leistungen der Syntax, denn aus 
dem Hauptverbum ist in mannigfacher Weise ein Hilfswort, 
ein unterstützendes Element für vielerlei Ausdrucksarten ge- 
worden, ein Modalverb, das nicht einen Begrifi, sondern nur 
die Modifizierung eines schon gegebenen Begriffes bietet, nicht 
«ine Tätigkeit, sondern nur eine Buweanenıe En be- 


schreibt. | 
1 


DE) En 


Behandlung syntaktischer Fragen. 


Zur Behandlung syntaktischer Probleme können verschie- 
dene Wege eingeschlagen werden. So zahlreich und äußerlich 
einander unähnlich aber auch die Methoden sein mögen (vgl. 
Deutschbein, System der ne. Syntax $ 1!), zurückzuführen sind 
sie doch ‘der Hauptsache nach auf zwei Ausgangspunkte, auf 
das Material und auf die Aufgaben der Sprache. Wie werden 
die. Wörter, die verschiedenen Formen und Verbindungen der- 
selben verwendet? Damit ist das Gebiet der grammatischen 
Kategorie, die formelle Seite der Sprache bezeichnet, die aus 
‚Wörtern und grammatischen Formen mit ihren bestimmten 
Funktionen. besteht. Die Frage nach den . Zwecken, die die 
Sprache zu erfüllen hat, betrifft ihre logische Seite: wie kann 
der Sprechende Gedanken und Gedankenverbindungen - zur 
Mitteilung bringen? Logisch besteht demgemäß die: Sprache 
aus Funktionen, die: durch verschiedene sprachlich-formelle 
Mittel gegeben werden können, Denkkategorien, die: in be- 
stimmten : Redekategorien - ihren äußeren Ausdruck finden. 
(Western; Jespersen, Sprogets logik; Mod. Engl. Grammar P. II 
vol. 1,8. 2ff. Er unterscheidet drei ‚ROICHer ‚Funktionen, the 
three ranks.) = j 

"Welche Sehsihrirkeiten diese Probleme Diäten, zeigt schon 
ne Verhältnis der grammatischen,- logischen und psychologi- 
schen Kategorien zueinander. 'Grammatische‘und logische Be- 
griffsformen decken sich sehr oft nicht, denn selbst wenn 
streng logisch gedacht wird,- ist nicht -immer der genau ent- 
sprechende Ausdruck zur Hand. Auch grammätische und: PSY- 
chologische Kategorien gehen auseinander; obwohl jede gram- 
matische Begriffsklasse ‘eigentlich auf einer psychologischen 
beruht; das heißt soviel; daß jede grammatische Kategorie ur- 
‚sprünglich eine psychologische war, bis sie durch sprachliche 
Ausdrucksmittel äußerlich erkennbar, somit zu einer gram- 
matischen wurde. Dadurch gewinnt sie feste Form; erstarrt, 
wird Gegenstand der Tradition, ‘die psychologische hingegen 
bleibt lebendig und verändert sich viel leichter: Durch solchen 
Wechsel, Bedeutungswandel, verschiebt sich das Verhältnis 


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zwischen den beiden Klassen, bis’ das Bedürfnis nach: einem 
' Ausgleich endlich ein NS CHEUCKEN. der grammatischen. Begriffs- 
form bewirkt. 

Die sichere Grundlage für die syntaktische Tnlersncinäe: 
wird durch das Material, durch die Mittel der Sprache geboten, 
die grammatlische Kategorie bildet. den Ausgangspunkt. Aller- 
dings.ist es zur Erkenntnis der sprachlichen Entwicklung, der. 
Umwandlung sprachlicher Ausdrucksformen auch notwendig, 
die logischen Verhältnisse und .psychischen .Vorgänge zu be-: 
rücksichtigen. ’Western sagt (in der Besprechung von 'Deutsch- 
beins Arbeiten, Anglia Beibl. Bd. 29 und 31): Solange wir uns 
an die sprachlichen Tatsachen halten, befinden wir. uns auf 
sicherem Grunde. Begeben wir uns in:die Irrgänge der Sprach 
philosophie hinein, ist zu befürchten, daß wir den Weg nicht 
wieder herausfinden, — Seiner Ueberzeugung nach ist' die 
Sprache. lange nicht so philosophisch, wie sie die Sprach 
meister machen wollen. Bei .unparteiischer Betrachtung wird: 
man im allgemeinen. finden, daß die sprachlichen Phänomene 
weit einfacher als die Erklärungen der Sprachphilosophen sind. 


Chaucers Bedeutung für das Problem. Er 


In der historischen Darchlsssshung: der Verwendung v von 
do ist es von Wichtigkeit, den Gebrauch des Verbums zu- 
nächst ‚bei Chaucer allseitig festzustellen. Chaucers Werk 
bedeutet ja nicht nur im allgemeinen einen mächtigen Schritt 
nach vorwärts in der weiteren Ausgestaltung und Verbreitung 
der Gemeinsprache, sondern stellt auch im einzelnen für die 
Entwicklungsgeschichte von do in mancher Hinsicht einen Ein- 
schnitt und Wendepunkt dar. Ten Brinks Ansicht, daß der 
Ausgangspunkt der englischen Schriftsprache bei Chaucer zu 
fixieren sei, kann gegenüber den Ergebnissen der Forschungen 
Morsbachs und der auf seine Anregung hin entstandenen Ar- 
beiten über die Anfänge der englischen Gemeinsprache wohl 
"kaum. mehr aufrecht. erhalten werden; vor allem ist da zu 
nennen Morsbachs grundlegende’ Schrift „Ueber den Ursprung 
der ne. Schriftsprache“ (1888, die Besprechungen stellt Flas- 

1* 


u Zi. Be 


dieck in seinem unten näher bezeichneten Buch TI. 1/8 zu- 
sammen), ferner die. verschiedenen Veröffentlichungen in den 
von Morsbach herausgegebenen Studien zur engl. Phil., unter 
anderen Lekebusch Jul, Die Londoner. Urkundensprache von 
1430—1500 (H. 23 der Sammlung), Dölle E. Zur Sprache 
Londons vor Chaucer (H. 32), Frieshammer Joh., Die sprach- 
lichen Formen der Chaucer’schen Prosa .. (H. 41; s. S. 11), 
endlich: Flasdieck Herm. M., Forschungen zur Frühzeit der ne. 
Schriftsprache (H. 65 und 66). Eine gute Orientierung bietet 
Hoops in der Engl. Sprachkunde, I, 6 und 7 (Bd. 9 der 
Wissensch. Forschungsberichte, 1923). 

Chaucers Einwirkung auf seine Zeitgenossen und die zahl- 
reichen Schüler ist aber doch sehr nachhaltig und tiefgreifend, 
sein Einfluß wird des öfteren stark unterschätzt und ist sicher 
nicht so beschränkt und oberflächlich, wie z. B. Dibelius an- 
nahm, John Capgrave und die engl. Schriftsprache, Anglia 
23/153, 323, 427 (1901); 24/211, 269 (1902). Flasdieck ver- 
zeichnet die vielen Gegenäußerungen (TI. 1/9, 10). In. dem 
ersten Teil seiner „Forschungen“ (I. Kap. Die Probleme der 
werdenden Schriftsprache) gibt Flasdieck eine genaue Ueber- 
sicht über den augenblicklichen Stand der schwierigen Frage 
mit reichlichen Literaturangaben. Unter anderem führt er die 
Ansichten A. Schröers an (Tl. 1/8 Anm. 1: „Auf dem Stand- 
punkt t. Brink’s steht im wesentlichen auch heute noch 
Schröer“, 10, 11). Letzterer nimmt dazu Stellung in der Aus- 
gabe seiner Rede: „Ueber die Sprache als Kunst und die Welt- 
macht-Stellung der Engländer* (S. 8 Anm. 5; Kölner Univ.- 
Reden Nr. 8, 1922);. er betont neuerdings die Bedeutung 
Chaucers; nicht so sehr darum handle es sich, wie die Lon- 
doner Sprache zu jener Zeit im einzelnen lautete, sondern 
vielmehr darum, wie und wodurch sie weiterwirkte. 


Arbeiten über do, Spezialuntersuchungen. 


Eine ganze Reihe von Arbeiten und Abhandlungen befaßt 
sich mit do, oft auch mit dem Bestand bei Chaucer, zum' 
wenigsten in eigenen Abschnitten, ein deutliches Zeichen für 
die Bedeutsamkeit des Problems im ganzen großen, für die 


er 


Wichtigkeit. des. Sprachgebrauches des Dichters im besonderen, 
Aber in vollem Umfange (auch als Begrifisverb) wird das Zeit- 
wort selten untersucht, zumeist und eingehend wird seine se- 
kundäre Verwendung, seine Rolle als Hilfsverb behandelt; so 
schon von F. Koch in seiner „Historischen Grammatik der engl. 
Sprache“ (II $ 21) und E. Mätzner im 2, Teil der „Engl. 
Grammatik* (II S. 57), ebenso im Ae. Wörterbuch (Bd, 2 der 
Ae. Sprachproben). Jede umfangreichere Darstellung der eng- 
lischen Syntax vom historischen Standpunkt aus hat sich mit 
do zu beschäftigen, so z. B. Einenkel in den „Streifzügen durch 
die me. Syntax mit besonderer Berücksichtigung. der Sprache 
Chaucers®* S. 232 u. ö.; L. Kellner in den Historical Outlines 
of Engl. Syntax« $ 352; oder Lounsbury- in der »History of 
the Engl. Language« $ 155, 249, 380, u. ö.; Sweet widmet in 
der New Engl. Grammar, II Syntax den Do-forms unter den 
Verb-Tenses längere Ausführungen, $ 2169—95. In dem 
„System der ne, Syntax“ an mehreren Stellen, vor allem im 
& 35, betrachtet es Deutschbein von sprachhistorisch-psycho- 
logischem Gesichtspunkte aus. Manche wichtige Beobachtung 
und wertvolle Ergänzung bringt Fr. Western in der Besprechung 
dieser und zweier anderer Arbeiten Deutschbeins, Anglia 
Beibl. 29/161, 345 (1918), 31/216 (1920), auch Fehr, Archiv 
136. (36.) Bd. S. 176—181. 

Natürlich spielt das Zeitwort in den verschiedenen Einzel- 
untersuchungen eine große Rolle; die hier in Betracht kommen- 
den werden fallweise angeführt, wie z. B. Wülfing, Syntax in 
den Werken Alfreds des Großen, — Kenyon, The Syntax of the 
Infin. in Chaucer, S. 153 ff. Ch. Soc. 2nd ser. vol. 44, — oder 
A. Courmont, Studies in Lydgate’s Syntax in the Temple of 
Glas, Bibl. de la fac. des lettres vol. 28, (Paris 1912) $ 48, 49 
(besprochen von Eugen Borst E, St. 45/77 und J. F. Royster 
s. u.), desgleichen sprachrhythmische Arbeiten, wie die von J. 
Bihl, Die Wirkung des Rhythmus in der Sprache von Chaucer 
und Gower, Angl. Forsch. H. 50, $ 257, 266, — von Fr. Stro- 
heker, Doppelformen und Rhythmus bei Marlowe und Kyd, 
Diss, Heidelberg (1913) S. 73, — von Otto Ziesenis, Einfluß des 
Rhythmus auf Silbenmessung ... und Syntax bei Lyly, Greene 


u. 6. 


und Peele, Diss: Kiel (1915) S. 95. — Gemäß dem Zwecke 
ihrer Werke. geben Krüger in seiner Syntax,. Wendt in der 
Syntax des heutigen Englisch, Poutsma in >A Grammar of 
late modern English«e (P. I. sect. 1 $ 64 p. Il sect. 1B) u.a. m. 
‚eine genaue Einteilung und eingehende Sen ms des gegen- 
ae Zustandes. | 

‘Die erste bekannte Spezialarbeit ist. die von Dietrich 
Rohde, Das Hülfszeitwort to do bei Shakespeare, Diss. Göt- 
tingen (1872).: Dann untersucht Hugo Dietze auf Anregung von 
Professor Franz „Das umschreibende. do in der neuenglischen 
Prosa“ Diss. Jena (1895) (S. 7—17 Vorgeschichte, Ae. und 
Me.), Luick und Swoboda veröffentlichten Aufsätze im 23. und 
24. Jahrgange d. Zeitschr. f. Realschulwesen (1898 und 1899). 
Einen ‚wertvollen Beitrag zur historischen Entwicklung (be- 
sonders bei Lydgate) liefert James Finch Royster in; seinem 
‚Artikel, The Do-Auxiliary 1400—1450, Mod. Philology, XI1/449 
[189] (1915), ergänzt in den Studies in Philology, XII No. 1 
(Univ. of North Carolina); im Anschluß daran macht Sam, 
Moore weitere Angaben für »Robert Mannyng’s Use of Do as 
Auxiliary«, und darüber hinaus für dessen Sprachgebiet, Mod. 
‚Lang. Notes XXXII1/385 (1918). Auf Deutschbeins Anregung 
ist die. Arbeit von: Hildeg. Harz zurückzuführen: Die Um- 
schreibung mit do in Shakespeares Prosa, Neue Anglist.. Ar- 
‚beiten H.2 (1918). Besprochen wurde sie von Ekwall, Anglia 
-Beibl. 30/228 (1919), von W. Keller im Jahrbuch d. deutschen 
‘:Shakespeare-Ges. Bd. 55/161 (1919), sehr eingehend von Franz, 
'E. St. 54/297 .(1920). | | 

Seine Aeußerungen und Urteile bilden eine reiche Ergänzung 
der betreffenden ausführlichen Abschnitte seiner Shakespeare- 
Grammatik ($ 594—602),. die wiederum Abbots Darstellung in 
‘der Shakespearian Grammar berichtigen und erweitern. Otto 
.‚Zilling, Das Hilfsverb Do im Me., Diss. Halle (1918), kommt zu 
‘Ergebnissen, die teilweise schon Deutschbein in der. ne. Syntax 
‚kurz .anführt $ 35, 3, S. 80. Endlich widmet Hoops dem 
‚Hilfszeitwort do Beachtung in der „Englischen Sprachkunde*“ 
‘VI, 3 Verb. S. 94—96 er 9 der. Wissensch, ar 
‘berichte, 1923). | 


Umfang und Material der Untersuchung. 
Umfang, do als Haupt- und Hilfsverbum. 

Do soll in vollem Umfange als Haupt- und als Hilfsverbum 
untersucht werden, denn erst eine Darstellung des gesamten 
Gebrauches gewährt einen richtigen, in sich geschlossenen 
Einblick, das Werden und die Entwicklung der einzelnen Ver- 
wendungen sind leichter zu verfolgen, im Verhältnis zum 
Ganzen .zu. wägen und abzuschätzen. _ 

"Zunächst soll Chaucers Prosa daraufhin angesehen Werden. 
_ Damit ist ein Doppeltes erreicht, vor allem ist der Bestand bei 
Chaucer im großen Umriß festgestellt, denn Prosa und Vers- 
sprache unterscheiden sich gerade bei do nicht erheblich, dann 
aber ist damit ein typisches Bild der Verwendung von do weit 
über Chaucer und seine Zeit hinaus gewonnen. Mögen auch 
me. Denkmäler zeitlich weit auseinander liegen, aus verschie- 
denen Dialektgebieten stammen, in Prosa oder Versen abgefaßt 
sein, überall und immer wieder erscheint in ihnen do in Ver- 
bindung mit bestimmten Ausdrücken, in oft gebrauchten Re- 
densarten, die für das Me. geradezu kennzeichnend werden. 
Und dafür soll Chaucer ein charakteristisches Beispiel bieten. 
In erster-Linie bezieht sich das auf die primären Begriffe, auf 
do als Hauptverb, denn in bestimmten sekundären -Bedeutungen 
(do als Hilfsverb) ist eine Weiterentwicklung besonders in der 
Periode unmittelbar nach Chaucer erfolgt. Material bieten die 
Werke seiner Schüler und Nachfolger, wie Occleve, Lydgate 
u.a. über Ashby, Bradshaw bis zu Stephen Hawes, dem letzten 
großen Vertreter der Chaucerschule, die Gedichte von Osbern 
Bokenam-Suffolk, John Audelay-Shropshire, den Hauptvertretern 
ihrer Mundart, die Prosaschriften von Capgrave, John Mirk 
(Myre), Pecock bis zu Caxton und John Fisher. 


er 


Das Problem ist bei Einstellung auf Chaucer durch folgende 
Fragen zu fassen und zu umgrenzen. Welche Stellung nimmt 
Chaucer ein in der Gesamtentwicklung von do? Sind die ver- 
schiedenen Verwendungsmöglichkeiten von do als Begriffs-, als 
Hilfszeitwort bei Chaucer vorhanden, welche derselben ge- 
braucht er, bis zu welchem Grade sind sie bei ihm ausgestaltet 
und entwickelt? Um den Geltungsbereich und die Wichtigkeit 
dieses Zeitwortes in vollem Umfange und. in seiner Stellung 
zum Ganzen genauer zu erkennen, müssen auch andere Fragen 
berührt werden, die damit in Zusammenhang stehen, das Be- 
deutungsgebiet des Verbums ergänzen oder einschränken (z. B: 
sinnverwandte Verba, Verba nach: Art von do konstruiert, 
Objektsbegriffe, nähere Bestimmungen u. s. w.). 

‚Grundsätze der Einteilung nach dem N.E.D. | 

Ueber die Gesamtentwicklung gibt Murray im N. E. D. 
(Do im Bande D und E) eine vortreffliche Orientierung; nach 
dieser Uebersicht wurde das Material ern Es ergeben 
sich folgende Abschnitte: 

1. Do regiert ein Objekt, ist transitiv zebrancht (transitive 
senses) und zwar in den hauptsächlichen Bedeutungen von 

a) setzen, stellen, legen, 

b) machen, verleihen, geben, 

e) ausführen, vollziehen, bewirken. 

II. Ohne Objekt, intransitiv (intransitive senses) heißt es: 
eine Handlung, Tat ausführen; tätig sein, handeln, wirken, 
IM. Do in causal and auziliary uses; hier ist’ zu trennen 
zwischen der Verwendung als Begrifis- und als Modalverb. 
Wenn sie auch in ursächlichem Zusammenhang stehen, hätte: 
doch die Unterscheidung schärfer betont werden sollen. Primär 
gebraucht, gibt do die Ursache einer Handlung an, soferne 
letztere durch ein Zeitwort ausgedrückt ist, es ist also a) be- 
gründend. 

Als Hilfszeitwort dient es b) zur ARTEN ESFSEN für ein 
anderes Verbum, c) als Stütze zur Umschreibung einfacher 
Zeiten. Ä 


9 


- -. W, Einige Formen :des Verbums wie Imperativ, Infinitiv, 
Partizip Präs. und Perf, werden manchmal in besonderer Be- 
deutung gebraucht und daher gesondert behandelt, obwohl sie 
ihrem Wesen ‚nach zu einer der ersten ‚drei nn ge- 
hören. | 

V. Das er ist der ‚Fall, wenn Präpositionen an do. 
herantreten. 

VI, Endlich können Adverbien sich eng an das Verbum 
schließen, mit ihm förmlich zu einem Begriff zusammenfließen.. 
Auch bei diesen letzten Abteilungen handelt es sich um tran- 
sitiven oder intransitiven Gebrauch des Verbums, auch sie fielen 
also eigentlich unter Gruppe I oder II. 

Jeder der angeführten großen Abschnitte zerfällt in klei-- 
nere Gruppen und Abteilungen, die Bumee zu nennen sein. 
werden, | | 


Aktionsarten von do. 


Ueber die Aktionsart von do läßt sich allgemein Gültiges: 
wohl kaum feststellen; es ist schon im Ae. und natürlich auch: 
bei Chaucer in seinen Bedeutungen zu allgemein und vielseitig. 
Als Hauptverbum im Sinne von „etwas Bestimmtes ausführen, 
durchführen, vollziehen u. s. w.* ist es wohl terminat, Anders 
als Hilfszeitwort, wo es als Mittel der Durativierung betrachtet 
werden kann. In der Dauer liegt selbstverständlich auch eine 
gewisse Intensität (Deutschbein: Do als Intensivum). Für 
Chaucer kommt jedoch diese Aktionsart kaum in Betracht. 
Das stellvertretende do scheint die Aktionsart des vertretenen 
Verbums zu haben. Dazu H. W. Pollak: Studien zum ger- 
manischen Verbum, I Ueber Aktionsarten, P. B. Beiträge 44/353, 
(1920), O. Funke: Die Fügung ginnen mit dem Inf. im Me., 
E. St. 56/1, (1922). 


Material, Chaucers Prosa, 


Für sprachliche Untersuchungen zerfällt das Lebenswerk 
Chaucers in zwei Teile, die Dichtungen in metrischer Form 
und die .Prosaschriften. 


=, I 


'“ Wenn auch erstere durch Metrum und’ Reim’ gebunden 
sind ‘und dadurch stets kleinere Veränderungen in der Diktion 
!bedingt. werden, so sind doch bei Chaucer nicht. zwei getremmte 
“ Arten des Ausdrucks je nach der äußern Form, ob Vers oder 
Prosa, zu unterscheiden. (Jespersen, Growth and Structure of 
the Engl. Lang. $ 226.) Ebenso erachtet auch Deutschbein 
(Syntax $ 12, 5) ganz im allgemeinen den Einfluß des Vers- 
maßes für verhältnismäßig gering, sogar auf die Wortstellung 
ist er nicht allzu groß, denn ungewöhnliche Stellungen wird 
auch die Poesie vermeiden; Eugen Borst dagegen spricht wohl 
der Untersuchung der. pvelischen Wortfügung nicht die Be- 
rechtigung ab, hält aber die Wahl eines Prosatextes zu einer 
Entscheidung in solchen Fragen für selbstverständlich. (Zur 
Stellung des Adverbs bei Chaucer, E. St, 42/339,. Fußnote 342, 
E. St. 41/92.) Wyld (Kurze Geschichte des Englischen,. $: 374) 
findet jedoch gewisse Abweichungen heraus, die gebundene 
‘Sprache Chaucers .sei altertümlicher und weise mehr rein 
‚südliche und kentische Elemente auf, während die Prosa 
größere . Aehnlichkeit mit den jüngeren Londoner Urkunden 
zeige. „Man darf ännehmen, daß Chaucer den besten Typus 
des zeitgenössischen Londoner Englisch, nämlich das am Hofe 
‚gebrauchte, sprach und schrieb, und. daß die Mundart am 
besten in seiner Prosa vertreten ist. “ Allzu bedeutend 
sind diese Verschiedenheiten keineswegs ind besonders in der 
vorliegenden Frage .sind auffallende Unterschiede durchaus 
‚nicht festzustellen. 

Vor Chaucer häben die religiösen Dichtungen (Heiligen- 
leben, Legenden, Predigten) und die Romanzen stets etwas 
stilisiertes, die Prosa tritt nur in kirchlich oder juridisch ge- 
.:bundener Form auf, höchstens in ‘den Fabliaux sind Vorläufer 
für Chaucer zu finden, aber sie sind zu wenig entwickelt, 
‚nicht in solcher Menge erhalten, als daß sich daraus viel ge- 
winnen ließe. 

Bei Chaucer zuerst erscheint natürliches Englisch, natür- 
liche Rede im größerem. :Umfange, darum ist seine Sprache 
besonders in den Mittelpunkt der Forschung zu stellen. Das 
colloquial English tritt auch in seinen.Versen hervor, sodaß 


a 31 22 


sie sich. nicht weit von lebendiger Prosa in der Syntax ent- 
fernen; es erklärt sich. aus seiner Behandlung des alten vier- 
füßigen Verses (Brechung) und aus. dem Wesen. des von ihm 
verwendeten fünffüßigen Verses, der nicht in zwei Hälften zer- 
fallen kann. Durch seine Sprachbeherrschung macht er die 
äußere Form den künstlerischen Zwecken. dienstbar und bringt 
sie zu ro Lendeler N EUDe. Ze 


E Ueberlieferung. 


Die hier zuerst behandelten Prosatexte können: 
auch die. sicheren. Grundlagen ' zur Untersuchung des viel 
reicheren. Materials der poetischen Werke bieten. Wie ‚steht 
es nun. mit: ihrer Ueberlieferung? Sind:sie in ihrer ursprüng- 
tichen Gestalt oder mehr weniger verändert und verfälscht auf 
uns gekommen ? Bei metrischen Texten bieten das Versmaß 
für den Zusammenhalt des Versinnern, die Reimworte für die 
Beibehaltung und gegen die willkürliche Umgestaltung des Vers 
schlusses doch einige Sicherheit, die Prosa kennt derlei Schutz- 
mittel aber nicht. Das Grundsätzliche dieser Frage wird scharf 
beleuchtet durch die Stellung, die dazu zwei Ghaucer-Arbeiten 
einnehmen, die von Joh. Frieshammer : Die sprachlichen Formen 
der Chaucer’schen Prosa, ihr Verhältnis zur Reimtechnik des 
Dichters sowie zur Sprache der älteren Londoner Urkunden 
(Stud. zur engl: Philologie — hg. v. Morsbach, Heft 42): und 
das große Werk Friedr. Wilds: Die sprachlichen .Eigentümlich- 
keiten der wichtigeren Chaucer-Handschr. und die’ Sprache 
Chaucers (Wiener Beiträge zur engl, Philologie, Bd, 44). Fries- 
hammer sieht den großen Vorzug der Prosa darin, daß wir 
hier die Sprache ohne Beeinflußung. von Metrum und Reim vor 
uns haben; hier ist das lebendige Sprachgut des Dichters am 
besten zu fassen. Doch vor allem bei diesen Texten erhebt 
sich die Frage nach der Treue der Ueberlieferung, sie sind 
gewissermaßen schutzlos, während die Verse durch Metrum 
und Reim .vor Verderbnis bewahrt bleiben. Aber gerade für 
die Ueberlieferung der Prosaschriften ‚Chaucers liegen: nach 
Frieshammer die Verhältnisse zweifellos’ günstig, denn‘ zwei 


—-— 2 — 


Werke, the Tale of Melibee und the Parson’s Tale, sind in den 
C.T. enthalten und in den Handschriften von denselben Schrei- 
bern. wie alle übrigen Erzählungen niedergeschrieben worden. 
Ungünstiger steht die Sache: für Boethius und Astrolabe, die 
Ueberlieferung ist gelegentlich ziemlich getrübt, im allgemeinen 
aber auch durchaus vertrauenswürdig, die Vergleichung der 
Handschriften läßt auf sichere Grundlagen hoffen, 

Wild nimmt mit Recht einen viel kritischeren Standpunkt 
ein: Die Sprache eines mittelalterlichen Dichters ist nur dann 
aus. seiner Prosa mit Sicherheit zu erschließen, wenn sie im 
Original vorliegt, also auch aus eigenhändigen Dokumenten be- 
steht. Bei Chaucer ist dies nicht der Fall, die frühesten er- 
haltenen Mss. stammen aus der Zeit um 1420, etliche Jahr- 
zehnte nach des Dichters Tod, und verdanken ihr Entstehen 
der Arbeit von nicht immer sorgfältigen Schreibern, Dieser 
Umstand macht sich sogar bei den poetischen Texten fühlbar. 
Frieshammers Ansichten lehnt Wild größtenteils ab; die Er- 
gebnisse von Wilds Untersuchung über die Stellung Chaucers 
zur Schriftsprache unterzieht Flasdieck in den früher erwähnten 
„Forschungen“, Teil I S. 12—16, einer sehr eingehenden Kritik. 

Die genaue Untersuchung des Laut- und Formenbestandes der 
Mss. und der Vergleich mit dem des Dichters (Wild S. 353, $ 108, 
Frieshammer S. 99) kommen hier kaum in Betracht, denn hier 
müßte es sich vor allem um die verschiedenen Lesarten der 
Handschriften bezüglich do handeln. Die Abweichungen sind 
äußerst gering. Als Probe kann die sehr übersichtliche Zu- 
sammenstellung der Varianten des Boethius dienen, die Leon 
Kellner in E. St. 14/1—53 (1890) gibt. Er vergleicht Mss. C 
(Cambridge Ji III 21, ed. Furnivall Ch. Soc. 1886) Add. (Ad- 
ditional 10.340 Brit. Mus. ed. Morris E.E.T.S. 1868) und 
den Druck Caxtons vor 1479 (Blades 213), dem eine sehr gute, 
bis jetzt unbekannte Handschrift vorgelegen sein muß. Für do 
ergeben sich nur 18 kleine Abweichungen, die sich. meist auf 
Umstellung von Wörtern und unbedeutende Konstruktions- 
änderungen (hym — to hym viermal) beschränken. Nur drei- 
mal fehlt de, zweimal in C und Caxton, einmal in Caxton, 
Add. hingegen setzt immer do. Es ist von vornherein nicht zu 


. 45 


erwarten, daß in der Verwendung dieses Verbums größere Ver- 
schiedenheiten vorkämen, denn für ein so oft gebrauchtes, 
sozusagen landläufiges Wort wird man kaum einen weniger 
häufigen, selteneren Ausdruck einsetzen; vermeidet doch Chaucer 
selbst schwerfällig wirkende, schleppende Wiederholungen. von 
do nicht! 

Auf die Form, in der Chaucers Prosa auf uns gekommen 
ist, näher einzugehen, erübrigt sich, da über Beschreibung und 
Einteilung der Handschriften viele Arbeiten erschöpfend Aus- 
kunft geben, so z. B. John Koch, Chronology of Ch.’s Writings, 
Ch. S. (1890), — Essay on the Chronology of Ch.’s Works, Ch.S. 
(1893), die Zusammenstellung im Handbuch Eleanor Prescott 
Hammonds, Chaucer — a Bibliographical Manual (New York, 1908, 
derzeit vergriffen) Section III, B, C, G S. 289, 318 ff; Section IV, 
S.359 ff; — Frieshammer, — Wild im ersten Teile seines Werkes, 
Allgemeine Eigentümlichkeiten der einzelnen Mss. usw. 


Inhalt. 


Nach dieser äußerlichen, formalen Frage tritt ein organisch- 
innerliches Problem heran. Was bietet Chaucers Prosa inhalt- 
lich? Alle vier Werke sind Bearbeitungen, Uebersetzungen, 
also nichts Ursprüngliches. Diese Gebundenheit wirkt natürlich 
auf die ganze Diktion ein; der inhaltliche Einfluß der Vorlage 
drückt sich auch äußerlich in der Form aus, die Sprache ist 
im großen ganzen unbeholfen, ohne Leichtigkeit. Ein ausge- 
bildeter Prosastil fehlt im Me., die Originaltexte in ungebundener 
Rede sind recht dünn gesät. Der Gesamteindruck ist des öfteren 
ermüdend, so zwar, daß z.B. Ker sich verleiten ließ — aller- 
dings steht er mit seiner Ansicht ziemlich allein und bezeichnet 
sie selbst als desperate suggestion — die Geschichte von Me- 
libeus ihrer Langweiligkeit wegen für eine Parodie auf die 
moralisierenden Erzählungen zu halten, »a mischievous com- 
panion to the rime of Sir Thopas« (Einleitung zur Auswahl 
aus Chaucer in Craik’s Engl. Prose, vol. I. Ward hingegen 
sieht in der Wahl dieses Themas einen ganz ‚besonderen Be- 
weis persönlicher Bescheidenheit und Zurückhaltung. So sehr 


die Meinungen über die Absichten: des Dichters auseinander- 
gehen, in der..Wertung der Geschichte selbst scheint kein so 
groBer Gegensatz zu bestehen, — Wenn'nun auch die vier Werke 
der::Uebersetzungsliteratur angehören, Bearbeitungen von Vor- 
lagen sind, können sie doch als Zeugnisse für die Schreibweise, 
den Sprachgebrauch Chaucers betrachtet werden, denn es ist 
nicht anzunehmen“ und mit dem Zwecke der Stücke nicht ver- 
einbar, daß gerade in ihnen ungewöhnliche Ausdrücke, Rede- 
wendungen, neuartige Konstruktionen verwendet werden. Die 
Prosa ist ja gewiß nicht leichtflüssig und über den allgemeinen 
Eindruck etwas. unbeholfener Schwerfälligkeit kommt . man 
selten hinaus. Und trotzdem zeigen gar manche Stellen (be- 
sonders im Boethius) Ansätze einer Stilentwicklung, sie haben 
rhythmischen. Fluß, entbehren nicht einer inneren Harmonie 
der .Sprachgebung. :Die Darstellung ist von warmer .Anteil- 
nahme .am. Stoff durchdrungen, :läßt eine persönliche Note 
durchschimmern und auch manche verwickelte lange Perioden, 
manche künstlich gebaute Sätze gleiten leicht und frei dahin 
in ihrem natürlichen Rhythmus. (Chambers, Encycl. of Engl. 
Lit. 1/82; Borst,.E. en ‚ten nn Ch. Studien S. 141.) 


Entstehungszeit. 


"Die age -Frage nach der genauen. Datierung der 
einzelnen Werke ist für die vorliegende Untersuchung von ge- 
ringerer Bedeutung, es genügt, eine einigermaßen sichere Reihen- 
folge festzustellen. Die Ansichten über die Chronologie gehen 
so weit auseinander, daß manche Zahlen sich sogar für ganze 
Entwicklungsabschnitte des Dichters überdecken. Von den beiden 
Prosastücken. in den C. T. setzt Koch den Melibeus in die 
Jahre 1386—87, F. J. Mather (Schulausgabe) 1373--78, Skeat 
vor Cie Boethiusübertragung (2. Per.) 1372-77, später revidiert 
er seine Meinung und gibt 1380 an, Pollard nach 1385, 
Tatlock 1388—94. 

: Parson’s Tale. ist nach Skeat um dieselbe Zeit wie Melibe 
entstanden, gegen das Ende seien später. einige Stellen einge- 
schoben worden, der Schluß sei unecht. Die Literatur über 


u 


diesen heiß umstrittenen Abschluß der Erzählung des Pfarrers,. 
der Retractatio, ist bei Hammond, Ch. Manual III S. 321 ff. ver+- 
zeichnet. Auch Hertzberg meint wie Skeat, daß die Geschichte 
als selbständige Abhandlung verfaßt und dann dem ‚Pfarrer 
als der geeignetsten Persönlichkeit in den Mund gelegt worden 
sei. Koch nimmt an, Chaucer habe sie gegen das Ende seines 
Lebens, also nach 139 geschrieben, ebenso Furnivall (Athenaeum 
1871 11/495,. Trial Forewords) und Koeppel (Archiv. 87/50). 
Pollard .hält sie.ebenfalls für »the work of CGhaucer’s old age« 
(Globe=ed.),; ten. Brink glaubt, Chaucer "habe ‘damit den un» 
vollendeten C. T. einen Abschluß geben wollen, ähnlich denkt 
A. W. Ward (Engl. Men of en) unter Ablehnung der Re-- 
tractation. 

Ebenso bunt nehmen sich 25 Daten für die Uebertragung 
der Consolatio des. Boethius aus;. ten Brink setzt sie an 
. zwischen: 1373—-84 (1381.?) (Engl. Lit, IJ81;‘der größere Teil 
sowie..die. Vollendung. der Arbeit dürfte frühestens in. den An- 
fang der achtziger Jahre ‚zu setzen sein), desgleichen Skeat 
mit der. näheren. Begrenzung:. somewhat. about. 1380,‘ Furni-- 
 vall um 1376 (?), Mather' zwischen 1373—78, Pollard 1380—83;. 

J. L. Lowes.1382—83,.R. K. Root um 1380,: Liddell. (Globe-ed.) 
hält sie für eines der frühesten . größeren Werke (rather. early). 
Koch nahm. als Abfassungszeit 1377—78 an, nun vertritt er 
in seiner letzten eingehenden Untersuchung die Auffassung,. 
daß die‘ Uebersetzung der Consolatio um 1381 kurz vor. der 
Entstehung des Troilus. (1382 nach Lowes) vollendet gewesen 
sein müsse. (Chaucers Boethiusübersetzung.. Ein Beitrag zur 
‚Bestimmung .der : azonelopie: seiner were men 46 138. 
1-51, 1922) 

- Auf sicheren Boden Belsägen wir mit dem Beissiabe das 

durch die astronomischen Angaben im.Text selbst ($ 115/121 
u. öfter) auf das Jahr 1391 weist. (Skeat, Furnivall, Athenaeum 
11/495, Ward, Liddell: alles deute’auf a late period of Chaucer’s life.) 

Wie diese durchaus nicht vollständige Liste von Zahlen: 
und Angaben durch innere, stilistische Gründe gestützt werden 
kann; zeigen gerade diese beiden Werke. Die Fehler, Unge-- 
nauigkeiten; Schwerfälligkeiten der Diktion, die manchmal im 


—, 6 


Boethius erscheinen, sind im Astrolabe kaum mehr zu finden; 
die Schreibweise ist hier viel klarer und bestimmter, die Aus- 
drücke sind gut gewählt, wenn auch Chaucer in der. Vorrede 
an seinen jugendlichen Sohn Lewis nicht immer den richtigen 
Ton trifft, »he stumbled as other writers have done in talking 
to children, on a graceful simplicity« (Chambers, Encycl, of Engl 
Lit. 1/82). Die unvollendete Abhandlung ist zur Belehrung seines 
Sohnes geschrieben, die eindringliche Weitläufigkeit, die Wieder- 
‘ holungen erklären sich aus diesem erzieherischen Zwecke; 
der Verfasser selbst weist. auf die damit verbundene »super- 
fluite of wordes« hin. 


Quellen. 


Die Quellen, woraus Chaucer schöpfte, seine Vorlagen 
sind der Hauptsache nach bekannt. Für die beiden in den 
C. T. enthaltenen Erzählungen bespricht sie und die darauf be- 
zügliche Literatur Hammond im Ch. Manual, für Melibeus Sect. 
II G, S. 289, zu Albertanus überdies Sect. II C, S. 84, für 
die Erzählung des Pfarrers Sect. II G, S. 318 (Retractation- 
Literatur S, 320—22). Von prinzipieller Bedeutung ist die Frage 
der äußeren Form der Tale of Melibe. Thomas (Vorrede zu 
_ Urry-Chaucer 1721) will Blankvers-Rhythmus beobachtet haben, 
Tyrwhitt (Ausgabe1775,80) läßt dies nur für den ersten Teil 
gelten. Die Behauptung Hammonds (S. 290): »Guest points out 
blank verse in the tale« geht zu weit, wenn sie für das ganze 
Stück gelten soll. Edwin Guest (A History of English Rhythms, 
[1838] .S. 255—58, neu herausgegeben von Skeat [1883] 
S. 542—44) hält den Melibeus nur für ein Beispiel von rhythmi- 
scher Prosa (a specimen of cadence, of measured prose) und 
hiefür sei der Blankvers Vorbild gewesen. Die rhythmische 
Struktur verschwindet aber im Laufe der Erzählung. In dem 
von ihm metrisch abgeteilten Eingang des Werkes finden sich 
zwei do-Belege ohne jede Besonderheit. (S. 257, Z 8, S. 258, 
Z. 11.) Ueber das Astrolabe macht Hammond :in Sect. IV D, 
S. 359, ihres Buches nähere Angaben. Diesen drei Prosawerken, 
die fremdsprachliche Quellen nur benützen, bloß Bearbeitungen 


; Bi 


sind, steht Boece gegenüber, eine direkte Uebersetzung; vor 
allem kommt der lateinische Originaltext in Betracht. Was an 
literarischen Hilfsmitteln Chaucer außerdem benützte, darüber 
gehen die Ansichten auseinander; Hammond gibt eine Zusam- 
menstellung in Sect. IV D, S. 361 ff, nach ihr äußerten sich 
noch dazu Friedr. Fehlauer, Die englischen Uebersetzungen 
von Boethius’ „De Consolatione Philosophiae‘, Normannia Il, 
(Berlin 1909): S. 34 Nr. 3. Die Uebersetzung von Chaucer 
(Skeat, Stewart, Edw., Bell, ten Brink, Liddell), dann Bern. L. 
Jefferson, Chaucer and the Consolation of Philosophy of Boethius, 
Diss. Princeton (1917): Part 1 Sources Supplementary to the 
Original 1. Partial dependence on a -French translation, 
2. Sources of the glosses, mit weiteren Literaturangaben, 
endlich J. Koch, Chaucers ED ERDE (S. 15). 


Consolatio iilessrhige 


Da die Uebertragung der Consolatio als das früheste Prosa- 
stück Chaucers stets zuerst und wegen des reichen Materials 
hauptsächlich in Betracht zu ziehen sein wird, sollen. einige 
Bemerkungen die Stellung und Bedeutung des Werkes im 
allgemeinen kurz kennzeiehnen. Schon für den Dichter selbst 
ist der Einfluß, den die philosophische Schrift des Boethius 
auf sein ganzes späteres Schaffen immer wieder ausübte, groß 
und nachhaltig — er steht da nicht allein, es sei nur Dante 
(G. A. L. Baur, Boetius und Dante), Boccaccio, der Roman de la 
Rose genannt — und schon mehrmals wurden eingehende Unter- 
suchungen darüber angestellt, zuletzt von Koch, der in seiner 
oben erwähnten Arbeit die früheren Veröffentlichungen von 
E. Koeppel, H. Fraser, Stewart, W. W. Skeat, Fr. Fehlauer, B. L. 
Jefferson u. a. anführt. Die Wahl des Stoffes ist ja nicht ver- 
wunderlich: Sah man doch in der Trostschrift den Inbegriff der 
Philosophie! Und der Wert dieses Schatzkästleins wurde noch 
erhöht durch das tragische Schicksal des Verfassers, der dem 
Mittelalter als christlicher Bekenner galt, da er auf Befehl 
des Arianers Theodorich, also eines Irrgläubigen (an heretyk — 
Walton), hingerichtet wurde. Die Frage, ob Boethius Christ 

2 


u Han en 


oder Heide war, wie später dann allgemein angenommen wurde, 
ist noch nicht sicher gelöst. (Nach Manitius, Gesch. d. lat. Lit. 
d. Mittelalters S. 32 Nr. 9 bekennt er sich zur christlichen 
Lehre, besonders lib. III carmen IX spräche dafür, dazu Ebert, 
Hüttinger gegen Nitzsch, endlich Deussen, Die Philosophie d. 
Mittelalters S. 364.) 

Wie hoch die Consolatio dinseschätzt runde: wie weit 
sie verbreitet war, beweisen nicht nur die vielen erhaltenen. 
Handschriften des Werkes selbst, die zahlreichen Kommentare; 
Erläuterungen, lateinischen Nachahmungen (die neueste Unter- 
suchung: Fritz Klingner, De Boethii Cons. Phil, in den Philo- 
log. Unters. H. 27, 1921), sondern vor allem die Uebersetzungen 
und Bearbeitungen in der Landessprache, die bei den ver- 
‘ schiedenen Völkern meist unter die ältesten Denkmäler ge- 
zählt werden können. In dieser Beziehung kann kein anderes 
Werk des Altertums, höchstens einige Bücher der Bibel in 
Wettstreit treten. (Manitius, S. 33, Fortleben der Consolatio;, 
Koch: S.2 u.3; Stewart: Boethius, an Essay, London 1891; 
Fehlauer;; ferner Morris in der Einleitung zu seiner Textaus- 
gabe E.E.T.S. Ex. Ser. V; auch Warton gibt manche Einzel- 
heiten in der Hist. of Engl. Poetry, 1840 II sect. xx S. 254.) 
An erster Stelle steht da die freie Uebertragung in das Ae. 
durch König Alfred im 9. Jahrh,. (Fehlauer Nr. 1,S. 9). An. 
sie schließen sich eng-die stabreimenden Cotton Metra an, 
deren Verfasserschaft und Abfassungszeit noch immer strittig 
sind (Fehlauer, Nr. 2, S. 20). Für John Walton von Oseney, 
„Capellanus Johannes‘, war die Uebersetzung Chaucers, »bat 
is floure of rethoryk — In englisshe tong and excellent poete«, 
wie er selbst sagt (Str. 5, 1/2 nach Schümmers Ausgabe), 
starke Stütze und große Hilfe, als er die Consolatio in acht- 
zeilige Strophen brachte (1410). (Diet. of Nat. Biogr. vol. 
. 20/735:10 Mss; Karl Schümmer, John Waltons metrische 
Uebersetzung der Cons. Phil. Untersuchung des Hs.-Verhält- 
nisses u. s. w. ursprüngl. Diss., erweitert als Heft 6 der Bonner 
Studien (1914): 14 Mss. und früher Druck 1525; zuvor Wülker 
mit zwei Textproben im Ae. Lesebuch 1156—59; Herm. 
Cossack; Ueber die ae. metr. Bearbeitung von Boethius’ De cons. 


phil. Diss. Leipzig (1889); Fehlauer .Nr. 4, S. 48. Eine neüe: 
Ausgabe ist geplant von M. Science nach The Times Lit. Suppl.: 
No. 1,105 vom 22. 3. 1923: 17 Mss.) Die’ früheste ne, Wieder- 
gabe fällt in die Regierungszeit der Königin Maria 1556 (1561 
von demselben Verleger Jahn Cawood nochmals gedruckt) und 
hat einen gewissen George Colville (Coldewell) zum Verfasser 
(Diet. of Nat. Biogr. vol. 4872—3; Fehlauer Nr. 5, S. 61). 
Dem’ Druck folgt die Ausgabe von Ernest Belfort Bax, Boethius’ 
Consolation of Phil. translated from the Latin by George 
Colville 1556 (The Tudor Library, vol. 5, London, Nutt 1897), 
dazu Wülker, Anglia Beibl. 8/11, (1898) S. 321 mit Proben der 
verschiedenen Uebersetzungen. Seine Ansicht, daß kein Einfluß. 
Chaucers auf Colville nachzuweisen sei, ist widerlegt worden: 
durch die vergleichende Untersuchung Fehlauers (S. 65—81); 
er stellt die. zahlreichen, manchmal wörtlichen Anklänge an 
Chaucers: Werk fest, das ja inzwischen bereits zweimal von 
Gaxton in Druck gelegt worden war (ohne Datum) und schon 
damals allgemein bekannt gewesen sein muß. Colville wahrt. 
sich aber seine Freiheit, nicht nur gegenüber seinem Vor-: 
gänger, sondern auch. gegenüber dem Original; sein Stil ist 
viel leichter .und flüssiger als der Chaucers, die Sprache un- 


° . gekünstelt ünd einfach, was für die damalige (Renaissance-) 


Zeit auffällig ist. Die Uebertragung von 9 Metren in Verse 
durch Sir Thomas Ch’alloner, die vermutlich aus dem Jahre 
1563 stammt, ist Fragment geblieben (Fehlauer Nr. 8, S. 97). 
Aber noch einmal im 16. Jahrhundert, 1593, wurde die Trost-. 
schrift des Boethius von niemand geringerem als der Königin 
Elisabeth selbst in das Englische übersetzt, worüber noch 
später zu sprechen sein wird (Fehlauer Nr. 6, S. 81). 

Ein Blick auf den lateinischen Urtext läßt die großen 
Schwierigkeiten begreifen, die sich Chaucer entgegenstellten. Er. 
ist der erste me. Schriftsteller, der diese schwere Aufgabe 
unternahm, er ist der erste englische Schriftsteller überhaupt, 
der eine: wortgetreue Uebertragung der Quelle bot, denn die 
ae, Version Alfreds ist nur eine freie Bearbeitung; ten Brink 
(Lit. Gesch. 11/80), Cossack (S. 63), Stewart, Morris (E. E. T. S.), 


Liddell, Jefferson, zuletzt Koch haben die Art der Uebersetzung: 
2% 


== I: 


selbst eingehend gewürdigt, manche Stileigentümlichkeit beob- 
achtet und die verschiedenen Mängel, Mißverständnisse und 
fehlerhaften Wiedergaben des Originals verzeichnet. 


Umfang des Materials. 


Ist nun einmal der Gebrauch von do für dieses wichtige 
und einflußreiche Denkmal festgelegt, so ist damit eine sichere 
Grundlage gewonnen, denn merkliche Abweichungen kommen 
in der übrigen Prosa Chaucers durchaus nicht vor. Es wird 
sich zeigen, daß genau umschriebene Regeln für die unge- 
bundene Sprache nur in beschränktem Maße aufgestellt werden 
können, es handelt sich mehr oder weniger um allgemeine 
Tendenzen, nicht um feste Gesetze. 

Das Problem gewinnt aber erst die richtige Bedeutung, 
wenn es von diesem sozusagen internen Standpunkt :losgelöst 
und auf eine weitere Basis gestellt wird, wenn Chaucers Grund- 
sätze oder Tendenzen in der Verwendung von do betrachtet 
werden als Marksteine für das Me;, von wo aus ein Rückblick 
auf das Ae., ein Umsehen in seiner Zeit, ein Vorwärtsschauen 
in das Ne. angemessen erscheint. Da liegen nun gerade bei der 


Consolatio die Dinge besonders günstig: Haben wir doch die 


ae. Uebertragung König Alfreds, die me. des Chaucer-Schülers 
Walton, die frühne. der Königin Elisabeth, sodaß die Entwick- 
lung dieser Frage an einem und demselben Werk, an einem 
und demselben Stoff in drei Glanzzeiten der Sprache verfolgt 
werden kann und damit wohl ein repräsentatives Bild für do 
in diesen Perioden bietet. 

Wie im Original ist auch bei Chaucer das mittlere dritte 
der fünf Bücher das umfangreichste, jedoch das vierte weist 
die weitaus größte Anzahl von do-Beispielen auf. Besondere 
Unterschiede im Stil der einzelnen Teile, die auch den Ge- 
brauch von do beeinflußen könnten, sind nicht zu beobachten, 
auch nicht in der Uebersetzung von Prosa und Vers; und da 
wäre am ehesten Anlaß gegeben, denn gerade in den Metren 
wird die Sprache des Originals mitunter recht übertrieben und 
gekünstelt durch allerlei mythologische, allegorische und histo- 


zu FH et 


rische Anspielungen, durch mancherlei rhetorischen, überlade- 
nen Schmuck. 

Zahlen an und für sich können gerade bei grammatischen 
Untersuchungen wenig besagen, hier sind sie deshalb nicht 
ohne Bedeutung und fallen einigermaßen ins Gewicht, weil sie 
die Belege für Chaucers Prosa in: ihrer Gesamtheit erfassen 
und damit ein Bild der Verwendung in vollem Umfange geben. 
Immerhin lassen sich daraus Schlüsse ziehen von relativem, 
wenn auch nicht absolutem Wert, da zuviel äußere textliche 
Umstände, Zufälligkeiten des Zusammenhanges auf Setzung oder 
Nichtsetzung des Verbums eingewirkt haben mögen. 


Do bei Chaucer. 


Im Boethius sind 171 do-Fälle zu verzeichnen, durch- 
schnittlich also zwei auf jeder Seite der Globe-edition (zu etwa 
'75—85 Zeilen), viel reichlicher findet sich do in den beiden 
Prosa-Stücken der C.T.; die Dichte der Belegstellen — im Melibe 
und in der Parson’s Tale ungefähr dieselbe — ist nämlich mehr 
als doppelt so groß als im Boece, es kommen vier bis fünf 
Beispiele auf eine Seite. Das Astrolabe bietet die geringste 
Ausbeute; auf 20 Seiten mit 391 Absätzen sind nur 7 Fälle 
zu buchen. 


A. Do: L Transitive Verwendung. 


Gleich von vornherein scheiden sich alle diese Belege in 
zwei Großgruppen, in Stellen, wo do mit einem Obj.-Akk., also 
transitiv gebraucht wird, und in Stellen, wo es ohne solchen, 
intransitiv verwendet steht. Bei weitem überwiegt natürlich 
die erste Abteilung, im Boece hat do 132mal (unter 171 im 
ganzen) ein Akk.-Obj. bei sich, für den Melibe sind die Zahlen 
107 unter 121 Fällen im ganzen, in der Erzählung des Pfarrers 
164 unter 201. Das Astrolabe scheidet der kleinen Zahl wegen 
aus. So sind im Boece und der Parson’s T. vier unter fünf 
Beispielen transitiv, im Mel. verschiebt sich das Verhältnis 
noch mehr zu Gunsten des transitiven Gebrauchs: 7:1. 


Wesen des Akk.- und Dat.-Obj. 


Was heißt nun transitiv, was bedeutet es, daß ein Ver- 
bum ein Objekt regiert? Da im Folgenden stets die Rede vom 
Objekt sein muß, möge sein Wesen kurz erläutert werden. Do 
ist (nach Brinkmann, Deutschbein u. a.) ein „objektives“ Ver- 
bum, drückt eine Tätigkeit aus, die das Subjekt auf etwas 


—_ 13 — 


ausübt. Das Obj. zeigt also die Person oder Sache an, welche 
von der Tätigkeit des Verbums betroffen wird, ihr Gegenstand 
oder Ziel ist (Wendt, Syntax II). Zu diesem (Akk.-) Obj. kann 
noch ein indirektes (Dativ) hinzutreten, auch „Personenkasus* 
genannt. Die Richtung der Sprachforscher, als deren Wort- 
führer für das Englische Deutschbein gelten kann, betrachtet 
Subj. und Obj. vor allem als ein Verhältnis von Nominal- 
begriffen, das Verbum tritt in den Hintergrund. Der durch 
eine Tätigkeit, eine Handlung veränderte Begriff (im Akk.) wird 
zu dem den Aenderungsvorgang bewirkenden Nominativ-Begriff 
in Kausalitätsbeziehung gesetzt (Deutschb. Syntax $ 117, 118, 
122, 124). Dieses Verhältnis von Ursache und Wirkung kann 
von verschiedener Intensität sein, do als verbum efficiendi tritt 
in Verbindung mit einem Akk. des Resultates, das Obj. wird 
erst durch die im Verbum ausgedrückte Handlung geschaffen 
und mag auch nach Aufhören dieser Tätigkeit weiter bestehen. 
Zu diesen beiden Begriffen kann noch ein Dativ treten; er 
bezeichnet das gegenseitige Verhältnis zweier Nominalbegriffe, 
das bei do fast ausschließlich begrifflich ist, da lebende Wesen, 
Personen in Subj. und Dativ-Obj. zueinander in Beziehung 
treten. Dadurch erhält nun der Dativ nach Ansicht dieser 
Forscher einen fühlbar gemütlichen Einschlag, ist stärker per- 
sönlich gefärbt als das Akk.-Obj.,. das nur den Gegenstand 
einer vom Subj. ausgehenden Wirkung darstellt. Auch äußer- 
lich kommt das durch die Stellung zum Ausdruck, an das 
Verbum .schließt sich unmittelbar der Dativ desjenigen, dem 
etwas zuteil werden, für den etwas geschehen soll, dann erst 
folgt, was getan wird, im. Akk. .Beide, das indirekte und das 
direkte. Obj., treten unmittelbar, ohne ein Anschlußwort zum 
‚Zeitwort hinzu. — Im Gegensatz zum „Stellungs-* oder ver- 
kürzten Dativ (weil ohne to), auch Personenkasus genannt, 
der ein engeres persönliches, vertrauteres Verhältnis zwischen 
Subj.. und Dativ-Obj. kennzeichnen soll, ist der Dativ mit Prä- 
position to unpersönlicher. Diese Abweichung von der natür- 
lichen Wortfolge Verb. + Dat. + Akk. hebt den Dativ hervor 
‚und trennt ihn, von den anderen Satzgliedern ab, besonders 
‚wenn 'mit: ihm: der Satz beendet wird... ee 


—_ 4 — 


Früher war man der Anschauung, daß ein Kasus von 
dem Verbum regiert wird; nun wird die Setzung des Kasus 
von seiner Eigenbedeutung aus zu erklären gesucht. Paul 
(Prinzipien der Sprachgesch. $ 103 ff.) ist aber doch im Recht, 
wenn er meint, daß in gewissem Sinne und in gewisser Be- 
srenzung doch an der alten Lehre festzuhalten sei: der Akk. 
bezeichnet überhaupt jede Art von Beziehung eines Subst. zu 
einem Verbum, die sich außer der des Subj. zu seinem Präd. 
denken läßt. Es ist zu unterscheiden zwischen dem freien, 
von der Natur des Verbums unabhängigen Akk. und dem ge- 
bundenen, der nur zu bestimmten Verben und da gewöhnlich 
nur in einer durch den Gebrauch begrenzten Bedeutung ge- 
setzt wird. — Sweet unternimmt das schwere Werk, von den 
Aufgaben der Sprache auszugehen; welchen Zweck haben die 
Obj. zu erfüllen? (N. E. Gr. Syntax II $ 1779, 1985—94). Er 
faßt mit dem Ausdrucke »common case« alle Fälle des Haupi- 
wortes zusammen, die im Ae. durch die Flexionsendunger 
unterschieden und daher an jeder Stelle des Satzes leicht 
kenntlich waren. Dieser Kasus\hat eine gewissermaßen neutrale 
Funktion und bezeichnet, : wenn nicht ‚gerade ‚als Subj. ver- 
wendet, irgend eine »non-subject« ‚Beziehung, erhält den 
Charakter einer. Umstandsbestimmung. Dieser »common case« 
dient vor. allem als direktes Obj. in »accusatival function«, 
dann auch nach Schwund der unterscheidenden Endungen als 
indirektes Obj. Als solches ist er nur zu erkennen, wenn noch 
ein common case, ein direktes Objekt, im Satze steht, das sich. 
:an Verb + Stellungsdativ anschließt. In zweifelhaften Fällen, 
wenn kein Akk. vorhanden ist oder der Dativ nicht an dem 
gewohnten Platze steht, tritt der: »prepositional dative<: mit to 
ein. ‘(Dazu -Deutschb. Syntax. $ 124, Der begriffl. Dat. bes. 
Nr..4,; 5; John-Ries in der Besprech. von Sommers Vergleich. 
Syntax -[36,:3] in E. St. 26/81 [1922}) ‚Sweet: faßt die Obj- 
zusammen "mit: der ‚Bezeichnung »verb-modifiers« und gibt 
damit (N: E. Gr. II $ 1823) die Aufgabe ‚derselben an. Western 
äußert :eine ganz ‚ähnliche Auffassung, .(S. 7): im Grunde ist 
eg gleiehgültig, - welcher :Art das.-Verbum: ist, ‘eine Tätigkeit, 
eine Handlung, eine sinnliche Wahrnehmung u. s. w. ausdrückt; 


stets hat das Obj. denselben Zweck, nämlich den, das Be- 
deutungsgebiet des Verbums einzuschränken. Daß das Akk.- 
Obj. notwendig von dem Verbum affıziert werden soll, daß 
es eine Ergänzung des Verbums darstellt, ist nach ihm nur 
Schulmeisterweisheit. I do — der Ausdruck ist unvollständig,. 
das weite Bedeutungsgebiet des Verbums läßt zu viele Mög- 
lichkeiten offen; nun wird der Akk. a favour, business, a 
picture ... hinzugefügt, aus all den Begriffen wird einer her- 
ausgenommen. Jetzt erst weiß man genau, was „tun“ in. 
diesem Satze heißen soll, jetzt erst hat es einen bestimmten, 
begrenzten Sinn, ist eindeutig, — Der Dativ neben dem Akk.- 
Obj. erfüllt eine ähnliche Aufgabe; auch er schränkt ein,. 
jedoch nicht das Verbum, sondern das ganze Prädikat, die- 
Begrenzung gilt für Verb + Akk.-Obj. He does honour to his. 
country : do wird durch. honour eingeschränkt, trotzdem hat 
der Ausdruck noch ein ziemlich umfangreiches Bedeutungs- 
gebiet. To his country hat also den Zweck, nur diese eine- 
bestimmte Möglichkeit herauszuheben und alle anderen aus- 
zuschließen. | 

Der Unterschied zwischen den beiden Erscheinungsformen. 
des .Dat.-Obj., dem Stellungsdativ und dem mit to, ist nach: 
Western (im Gegensatz zu Deutschb. Syntax 124/5) durchaus 
kein gefühlsmäßiger, so zwar, daß dieser ein vertrauteres Ver- 
hältnis zwischen dem Träger des Nom. und dem des Dat. dar- 
stelle, während jener unpersönlich sei, sondern ein rein logi- 
scher: I did a favour to John. Die Dinge liegen hier ganz 
klar, der Verbalbegriff wird spezialisiert durch das Nomen 
favour, die beiden treten nicht nur. räumlich zusammen, sie 
‚bilden auch inhaltlich einen einheitlichen Handlungsbegriff; der 
Dativ to John engt diesen erst weiterhin ein, bezeichnet, be- 
grenzt ihn näher, er gibt die Richtung an, in der sich die 
Tätigkeit auswirkt, I did John a favour: da stehen did und: 
John unmittelbar ‚nebeneinander, der Verbalbegriff wird im 
erster Linie durch Angabe der Person eingeengt und erst die: 
so entstandene Einheit erhält ihre noch nähere Einschränkung 
‚durch das direkte Obj. a favour. In der Vorstellung des Spre- 
chenden: schließen sich Verb und Person zusammen, es besteht. 


u. 96 


«ine Beziehung zwischen ihnen, die ihre nähere Bezeichnung, 
ihre Einschränkung in dem direkten Obj. findet. Nach dem 
ersten Satz würde man fragen: Whom did you do a favour?. 
‚Die Gunstbezeiguug wird determiniert. Nach dem zweiten: 
What did you do John? Damit wird die Beziehung zu John 
näher bestimmt. Der Unterschied zwischen den Sätzen liegt 
ganz einfach — Western möchte fast den Ausdruck „prosaisch® 
‚gebrauchen — in der Fragestellung. 


Begriffsentwicklung von do in Verbindung 
mit Objekten. 


Die Bösrilientonckling und -unterscheidung des Verbums 
«do in Verbindung mit einem Akk.- und einem Dat.-Obj. wird 
im großen ganzen folgendermaßen verlaufen sein: Grundbe- 
deutung ist die rein räumliche, lokale im Sinne von »put, place, 
degen, setzen, stellen« — auf dem Punkte steht noch das Lett., 
Lit. und viele slawische Idiome. Aus dieser Bedeutung hat sich 
allerdings schon für die älteste Sprachperiode des Englischen 
wie in fast allen westgermanischen Sprachen der Begriff des 
Bewerkstelligens, Vollbringens, Ausführens entwickelt, Im lo- 
'kalen Sinne ist do bei Chaucer nur noch sehr selten anzu- 
treffen; so z.B.: C. T. B 90, G 899; L. of G. W. 889; Troil. 
& Cr. 11 61, IV 777, 1643, 430 (?), 469 (2), V 1708; R. of the 
R. 6564, Ueberreste sind ja bis heute vorhanden und bewahrt 
in den Verbindungen mit den. Adverbien wie do in, off, on, 
out a. s.o., die unter N. E. D. do IV fallen; auch im eUECHMD: 
etwas umtun, hinauf-, hinein-, herausztun. 

To do =to put s(ome) o(ne) to, into s(ome) thing). jem. zu 
etwas (heran, hinein) bringen, zu etwas in örtliche Beziehung 
setzen, führen über zum Ausdruck geistiger Verhältnisse ‘und 
‘Geschehnisse, to do=to. put, bestow.s, th. to s..o. mit dem Dativ 
‚der Person, etwas zu jem, tun,:bringen; in Beziehung setzen, 
in: freundlichem Sinne: jem. etwas mitteilen, übergeben, schen- 
ken, gewähren. So weit ist die Begriffsentwicklung ‘schon für 
das Ae, fortgeschritten. Als Grundlage mag die räumliche 
Auffassung. dienen, die in Verbindung mit einer Richtungsbe- 


= 


zeichnung. (etwas irgendwohin legen,. stellen, tün) auch im 
übertragenen Sinn angewendet wird; es handelt sich dann um 
geistige, innere Vorgänge und Beziehungen zwischen den Trä- 
gern der Nominal-Begriffe (Dativ des nee nr dativus ( com- 
modi und Man, 


Do mit Akk.- und | Datir-Obj ohne to. 


Do mit dem Stellungsdativ und dem direkten Obj. hat 
eine Reihe von Bedeutungen, Murray (N. E.D,) gibt in I.4 und 
4b zwei Unterabteilungen. I,&: to import to, bring upon 
(a person) some affecting quality or condition, to bestow, con- 
fer, inflict: to cause by one’s action (a person) to have s. th. 
Im Laufe der Entwicklung tritt der Gedanke: für jem. etwas 
ausführen, erfüllen, vollenden, jem. zu etwas verhelfen, immer 
kräftiger hervor. Dadurch steht dieser Abschnitt in engem 
Zusammenhang mit der Gruppe, die do+. begrifflichen. Akk. um- 
faßt (1,6); to do any one a service besagt soviel als to perform . 
some action that is of service to him. I,4b gibt schärfere 
Begrenzung, genauere Beschreibung der Tätigkeit. Der Unter- 
schied zwischen 4 und 4b liegt in der Art der Objekte; in 
der letzteren Gruppe umfassen sie nur solche Begriffe, die 
'Angenehmes, Nützliches, Förderndes für die betroffenen Per- 
sonen bedeuten, do=render, administer, pay, extend, exhibit, 
show to & person: justice, worship, homage, thanks. : 

Die Textstellen sind nach: der Glöbe-edition angeführt (The- 
Works of G. Chaucer ed. by Pollard): 295/300 (365) bedeutet, 
daß der. Beleg zwischen den beiden Au nn an. u und 
300 auf Seite 365 zu suchen ist, . 

Das anschaulichsfe und genaueste Bild ‚des: na 
von do .mit allen den größeren und kleineren Abweichüngen 
‚würde sicher zu gewinnen sein, wenn die Belege im vollen 
Wortlaut angeführt werden könnten. Aber. nicht nur das, son- 
dern auch eine bloße Aufzählung. sämtlicher Stellen ist bei 
ihrer: Menge in den verschiedenen Großgruppen aus praktischen 
Gründen unmöglich... So. wird man sich darauf :beschränken 
müssen, Musterbeispiele‘.zu..geben,. die Charakteristischen ge- 


— 233 — 


meinsamen Züge herauszuheben und nur auffallende Einzelheiten 
besonders zu vermerken. Die angegebenen Zahlen der jeweiligen 
Fälle lassen wenigstens im allgemeinen die Verwendung von 
do erkennen, vor allem absolut für das einzelne Denkmal, dann 
relativ durch den Vergleich mit dem Vorkommen in den 
anderen Prosawerken. Die Vollständigkeit der Belege ist ja 
nicht so erforderlich wie die Vollständigkeit der Funktionen. 


Do + Stell.-Dativ + Akk.-Obj. L4 liegt vor z. B. im 
Boethius = (abgekürzt) B. 295/300 (365) what wrong have I don 
the?, 300/05 (365) I have done the no wrong, im Melibe=M. 
2650/55 (108) . . to do me another vileynye, .. to do thee a 
newe vileynye, auch 2470/75 4X, 2675/80 2X, in der Parson’s 
Tale = P. 520/25 (284) thou ne shalt doon hym no damage; 
für I,4b bietet Beispiele M. 2195/200 (94) .. neighebores that 
diden hym reverence, 2375/80 (100) if thou do hem bountee, 
P. 310/15 (275) . . and ther-of doon hym hommage, 525/30 (284). 


Solche Fälle finden sich für 1,4 l,4b 


B. | 6, er 
P. 1; 2; 


“ Ueber das persönliche Obj. ist nicht viel zu bemerken, 
überall ist es als Stell.-Dat, durch ein persönl. Fürwort gegeben, 
das sich unmittelbar an das Verbum anschließt, 


Das Akk.-Obj. steht regelmäßig hinter Verb. + Dat., natür- 
‘lich außer in .Frage- und Rel.-Sätzen oder bei Inversion infolge 
besonderer Betonung.. Es wird daher stets durch einen ein- 
fachen . Ausdruck dargestellt, der, wenn überhaupt, so durch 
kein gewichtigeres Attribut als durch no, what, that (Boece), 
this, another, newe (Mel.) beschwert wird. Was nun die Begriffe 
anbelangt,. so ist. z.B. im Boece neben etlichen neutralen 
Fällen mit Fürwörtern dreimal unter sechs Beispielen wrong 
vertreten. Das erklärt sich aus dem räumlichen Zusammenhang 
(295/310). Wiederholungen derselben Wörter knapp hinter- 
einander, Wendungen, die für. manche Abschnitte typisch sind, 
sind in Chaucers Prosa häufig anzutreffen. Mitunter stellen sie 
einen ganz bedeutenden Prozentsatz der Gesamtheit der Beleg 


— 9% — 


stellen dar; in ihrer lokalen Beschränktheit und inhaltlichen 
Zusammengehörigkeit sind sie wohl für den Stil charakteristisch, 
da die Wiederholung eines der elementarsten Mittel des Nach- 
druckes ist, bei ihrer rein zahlenmäßigen Wertung für die 
Syntax aber (z.B. besonders häufige Verwendung eines be- 
stimmten Wortes als Obj.) muß dieses formale Moment in ein- 
schränkendem Sinne beachtet werden. — In IL,4b ist die 
begriffliche Einheit der Akk.-Obj. für die Gruppe ein kenn- 
zeichnendes Merkmal (so in M. 3X reverence, 1X obeissance, 
1 X grace and mercy, 1 X bountee, ebenso in Pars. 1 X bountee 
und 1X hommage). Aber auch die Obj. der Gruppe 1,4 zeigen 
— obgleich die Ausdrücke selbst mannigfach sind — starke: 
inhaltliche Zusammengehörigkeit; ihrem Umfang nach gehören 
sie alle zu den moralischen Begriffen von Gut und Böse 
und den verschiedenen Auswirkungen hievon (zusammengefaßt 
in den später zu erwähnenden Abteilungen I,6b und c). So 
trifft man contrarie (M.1X), grevaunce, anoy and grevaunce 
{M.), damage (P.), harm (M.), wrong (M. 2X, B. 3x‘), vileynye 
(M. 4X). Gerade diese innere Geschlossenheit und die Einheit- 
lichkeit der Dativ-Obj. festigt die Verbindung do + Dativ des . 
Pers.-Pron. + Akk.-Obj. Diese Folge hält John Ries für die 
Normalstellung im Englischen sowohl als im Deutschen (vgl. 
Sweet N. E. Gr. Il 1823). Ein alter Stamm häufig gebrauchter 
transitiver Verba germanischer Herkunft hat sich zusammen 
mit dieser Stellung den präpositionslosen Dativ erhalten, weil 
aus.der Wortfolge allein schon hervorging, welches der beiden 
folgenden Objekte zum Verb im Dativverhältnis stand (E. St. 56/81). 

Im einzelnen sei noch kurz auf B. 1626 (423) hingewiesen: 
That manere wol I don the, der Akk. steht in adverbialer 
Funktion; in. freier Verwendung bezeichnet er Richtung, Er- 
streckung über Raum und Zeit. Die Wortgruppe that manere 
ist am Satzbeginn unter Hochton, so auch im Astrolab. 185.88 
(647) The same manere maist thou worche to knowe...., 
ähnlich Astrol. 343/50, am Satzende nimmt sie, wohl aus 
rhythmischen Gründen, die Form: in thfs manere an. Das läßt 
erkennen, wie nahe sich freier Akk. und adverbialer Gebrauch 
stehen und wie leicht sich ein Uebergang vom transitiven zum 


— 350 — 


intransitiven Gebrauch von do (I zu 1) vollziehen kann. DR 
heres s. unter II!) | 


Do mit Akk.- und Dativ-Obj. mit to. 


N.E.D. 1,5: Im Laufe der Entwicklung tritt statt des 
flexionslos gewordenen Dativs, der als solcher nicht mehr gut. 
kenntlich war, in weitem Umfang der. präpositionale Dativ mit 
to ein. Er tauscht oft Platz mit dem Verbal-Obj., so daß dann 
die Folge do+ Akk.-Obj.+to mit Dat.-Obj. erscheint. Hiebei 
ist ein formaler Gesichtspunkt von Bedeutung: die Schwere 
der Objekte rückt sie an das Satzende. So steht der Akk., ein. 
einfacher Ausdruck, zwischen Verb und Dat.-Obj., wenn letzteres 
aus mehreren Teilen besteht, z. B. B. 1325/30 (410)... or 
doon harm to gode men, 1390/95 (413) doon wrong to othere 
folk, M. 2270/75 (111) if he do harm to another wight, auch 
3000/05 (117), P. 675/80 (291) und 745/h0 (294) gleichlautend: 
it dooth wrong to Jhesu Crist, 655/60 (290), 815/20 (297) u.a.m. 
Weist aber der Akk. mehrere Glieder auf oder wird er durch 
. Attribute erweitert, so wechseln sie die Plätze und der „Per- 
sonenkasus* tritt unmittelbar hinter das Verbum, so z. B. 
M. 2455/60 (103) to doon to every wight honour and profit, 
2600/05 (107) thou ne hast nat doon to hym swich honour 
and reverence, ferner auch 2240/45 (95), 2545/50 (105) 2malu.ö. 
Naturgemäß wird in Frage- und Relativsätzen und solchen 
mit passiver Fügung eine Umstellung des Akk. vollzogen, in 
letzteren wird er ja Subjekt. Inversion ist einmal festzustellen: 
P. 640/45 (289) And moore shame do they to Crist, than dide 
they ... (zu letzterem do vgl. S. 65). ö 

| Zu den 14 Belegstellen des B., den 17 des. M. und den 
17 des P. werden auch die indirekten Fälle gezählt, d.h. Pro- 
nomina (Rel. Demonstr.) gelten für die von: ihnen vertretenen 
Nomina (hauptsächlich bei den Verb.-Obj.). Die Akk.-Obj. zeigen 
keine Besonderheiten;. befinden sie sich zwischen Verb und 
Dativ, so haben sie nie schwere Attribute bei sich. Inhaltlich 
stehen sie nicht weit von.einander ab; mag auch die Reihe: 
der Begriffe, bes. im B., etwas bunter sein, so sind sie doch 


ws 391-2 


größtenteils scharf charakterisiert und .gehören in ein und die- 
selbe Begrifisklasse, die schon in I,4 beschrieben wurde. 
Damit hängt wieder die Setzung der Personal-Obj. (Dativus- 
commodi, incommodi) zusammen (z. B. wrong B. 5X, M.3x, 
P.7x, harm B.1X,M.2x,P.3x, vileynyeB.1X, M.6 x usw.). 
Nur P. 815/20 (297) .. to doon ynogh to the... .appetit 
fällt heraus, es vermittelt den Uebergang zum intransitiven. 
Gebrauch (II, 15). 


Dativ-Obj. mit und ohne to in Chaucers Prosa. 


Das Unterscheidende zwischen den Gruppen I,4 und 15 
(Dat. ohne und mit to) muß im Dat.-Obj. liegen. Wodurch 
wird nun der präpositionale Dativ dargestellt? Nach diesem 
Gesichtspunkte sind auch die Fälle zu ordnen, so z. B. für- 
M.: to + Subst. 2920/25 (115), 3000/05 (117); Uebergang zum 
Pronomen, to + ... wight 2200/05 (94), 2455/60 (103), 
2770/75 (111); to + Pronomen 2240/45 (95), 2655/60 (108);. 
to + Pers.-Pron. 2300/05 (98), 2545/50 (105) 2X, 2600/05 
(107), 2650/55 (108) 3X, passiv gefügt 2580/85 (108), 2680/85- 
(109), 3055/60 (118). Vor allem sind da die Subst. zu be- 
merken, 9 in B, 2-+3 (wight) in M. 12 in P. die nicht 
selten eine nähere Bestimmung bei sich haben. Wird das 
Dativ-Obj. durch ein Subst. oder substantivisch gebrauchtes- 
Wort gegeben, so fehlt to davor niemals. Der verkürzte Dativ 
wird in Chaucers Prosa bei einem Hauptwort nicht verwendet;. 
das gilt auch für die anderen transitiven Zeitwörter. Nur einmal. 
findet sich der Stellungsdativ bei einem Subst. im Boece 120/25: 
(357) in einer Glosse .... as whoso boughte a busschel corne 
he most yyve the kyng the fyfte part. (Verba wie ihank M.. 
3060/65, P. 1085/90, help P. 795/800, mystrust M. 2945/50, 
withstand B. 115/20 sind im Me. transitiv.) Anders in den 
Verswerken! Vgl.Bihl $ 250, 251 telle, aus gete, male + Dativ 
eines Subst. mit und ohne to. 

Nun erscheinen aber nach do in der Prosa auch Per-- 
sonal-Pronomina mit to. Die Gründe, die für das Abweichen: 
von der gewöhnlichen Wortfolge do + Stellungsdativ des- 


93 — 


Pers.-Pron. + Akk.-Obj. maßgebend sind, sind in erster Linie 
‚äußerlich-formaler Natur, nicht so sehr scheinen innere, im 
‚Geiste der Sprache liegende Ursachen einzuwirken, so zwar, 
daß der. Stellungsdativ ein engeres, vertrauteres Verhältnis 
ausdrücke, dem präpositionalen dagegen etwas Unpersönliches 
.anhafte. 

Um ein klares Bild der Verhältnisse zu gewinnen, werden 
im Folgenden auch die anderen transitiven Verba berück- 
sichtigt, zu denen ein Dat.-Obj. in Form eines Pers.-Pron. mit 
oder ohne to tritt. Es zeigen sich hier Tendenzen, die, manch- 
mal streng durchgeführt, beinahe den Charakter von fest um- 
:schriebenen Regeln annehmen. Die Stellung der to-Obj. ist 
von Bedeutung; außer in P. 525/30 (284), wo to hem be- 
sonders betont an die Spitze des Satzes tritt (ähnlich M. 3045/50 
‚bei obeyen), sind die Dative stets hinter do, sehr oft unmittei- 
bar hinter ihm. Trotzdem nimmt das Pers.-Pron. to vor sich, 
wenn es an den Schluß eines Satzes, meist Rel.-Satzes, gesetzt 
wird (B. 4X, z. B. 195/200 (361) no wight myghte nevere 
han doon that to the. 1145/50 (403) of the wrong that hath 
ben don to me, M. 3x, z. B. 2650/55 (108) vileynye that 
men han doon to me, P. 3x, z. B. 1055/60 (309) wronges 
that ben doon to thee.); da schließt es sich nicht in Form des 
Pers.-Kasus eng an das Zeitwort an, durch to wird es hervor- 
‚gehoben, der Satz erhält so einen ausgeprägten rhythmischen 
Abschluß, wobei mitunter das verstärkte unto gebraucht wird, 
z.B. B. 560165 (377)... wronges that weren doon unto hym. Folgt 
ein schweres Akk.-Obj., das mehrere Unterglieder hat oder 
aus mehreren Gliedern besteht, so wird der Dat. des Pron. gern 
mit to gefügt, wohl um einen gewissen Ausgleich zu schaffen. 
Aber wenn es zum Inf. to do tritt, wird, offenbar um eine 
Häufung der Präpositionen zu vermeiden (to do to S.0....), 
der präpositionslose Dat. verwendet. Es ergibt sich also: to 
do + Stell.-Dat. des Pers.-Pron. + Akk.-Obj. und do (in irgend- 
einer anderen Form) + to mit Pers.-Pron. + Akk.-Obj. (vor allem 
in M. zu beobachten, 2300/05 (98) I wol do to yow so much 
that, 2545/50 (105) they . . that han doon to yow this tres- 
pas and vileynye .. and in what manere they han to yow 


— 33 — 


doon al this wrong and all this vileynye, usw. — 2595/600 
(106) .. to do yow this vileynye, 2650/55 (108) ... to do 
me another vileynye, .. to do thee a newe vileynye). Die 
Beschaffenheit der Objekte an sich, erweiternde Zusätze be- 
einflussen wesentlich ihre Stellung. Auch für das Dat.-Ob;. gilt 
das; so erscheint to vor dem Dat. eines Pers.-Pron., wovon 
noch ein Rel.-Satz abhängt (B. 1X, M.1X, P.1X, bei anderen 
transitiven Verben B. 5x, M.-8x, P.5x). Es ist leicht er- 
klärlich, da das Pron. an den Schluß des Satzes zu stehen 
kommt und öfters durch andere Redeteile vom Verbum getrennt 
wird; überdies hat es schon durch den folgenden Rel.-Satz 
eine kräftigere Eigenbedeutung. M. 2650/55 (108) gibt einen 
guten Ueberblick über die besprochenen Eigenheiten; that men 
han don to me (Ende des Satzes) ... hem that han doon to 
me that vileynye (schweres Obj.), .. to do me a newe vileynye, 
aber .. men wolden do to me so muchel vileynye. Die Trennung 
des Dativs vom Verbum durch einen Einschub macht die Setzung 
von to notwendig; nur hinter dem neutralen, meist in Senkung 
stehenden it als Akk.-Obj. kann der Dat. ohne to gesetzt werden. 
Für do sind keine Fälle vorhanden, aber z.B. B.3X schewe 
it me (the), dagegen B. 275/80 mit Nomen als Akk.-Obj.; es 
kann sogar heißen B. 765/70 . .. to tellen it the that... hast 
assayed it, wo sonst doch gewöhnlich to vor einem solchen Pro- 
nomen mit abhängigem Rel.-Satz steht B.5X,M.8x,P.5x). 
Auch im übrigen werden die Beobachtungen bei do durch die 
anderen Verba vollinhaltlich bestätigt; ist ein Pers.-Pron. 
Dat.-Obj., so tritt es ohne to unmittelbar hinter answere (B. 3), 
bere (M.1, P.1), conseile (M. 1, P. 18), foryeve (M. 3, P. 6), 
gete (B.7,M.3, P.1), graunte (B.4,M. 9, P. 2), aber B. 970/75 
part. pret. mit to, telle (B. 8, M. 9, P. 5), außerdem bei ver- 
einzelten anderen Verben (10 in B, 11.in M, 8 in P., 2 im 
Astrol.). Manche Verba zeigen so wie do beide Konstruktionen, 
gewöhnlich ist einer der angeführten stilistisch-formalen Gründe 
(anschließender Rel.-Satz u. ähnl.) für die Verwendung von to 
maßgebend, so bei yeve (B. 16 ohne to, M. 5 ohne, 2 mit, P. 16 
ohne, 6 mit to; Astrol.1 ohne to), shewe (B. 13 ohne to, nur 15/20 
part. pres. mit to, M. 11 ohne, 2 mit, P. 2 ohne to; Astrol. 3 X 
3 


=. Sie 


ohne to), saie (B. 4 ohne, M. 8 ohne, 4 mit, P. 4 mit to). Im ein- 
zelnen ist in M. 255,60, 290/95, 750/55 der Einfluß des Prosa- 
Rhythmus zu bemerken; auch am Schlusse von Rel.-Sätzen, 
wo eigentlich to zu erwarten wäre, wird der einfache Stellungs- 
dativ gebraucht nach zweisilbigen Verbalformen: yaven (yeven) 
hym (hem), aber B. 810/15 mit einsilbiger Form: that Crist 
vyaf to us. M. 2325/30 thanne rede I yow, Inversion, wobei 
trotz Zwischenstellung des Subj. zwischen Verb und Dat. nicht 
to eintritt. 

Nicht so einheitlich liegen die Verhältnisse bei den Verben, 
die für gewöhnlich den Dativ mit to bei sich haben. Haupt- 
sächlich sind es solche, die eine Bewegung, Richtung zu etwas 
hin bezeichnen, z. B. come (B. 4 mit, 1 ohne to, M. 3, P. 4 
mit to), falle, retourne, put, turne, speke, das Verbum Subst. 
ben (stets in B., M.) und dann besonders viele Verba ro- 
manischen Ursprunges. Bei Subst.. und Adj. ist es der Dat. des 
Interesses, der mit to angefügt wird (z. B. B. 12 Subst., 21 Adj.); 
aber kommt er vor das Adj. zu stehen, so fällt to (B.3x‘). 
Das Gleiche gilt für die Impersonalia: Dativ ohne to vor, 
meist mit to nach dem Zeitwort. Sonst bekräftigen sie die 
früheren Feststellungen. 

Wie mannigfaltig die Fügungen bei einem und demselben 
Verbum sein können, ist zu sehen bei reve und dem häufigeren 
Kompositum bireve. M. bietet durch seinen Inhalt reichliches 
Material hiefür. Ist die Person, der eine Sache geraubt wird, 
durch ein Pers.-Pron. ausgedrückt, so ist die Konstruktion 
dieselbe wie bei bynyme (B. 1325/30, M. 335/40, 675/80) .. 
reveth hym the quiete... (M. 560/65 und noch 4X, B. 1X). 
Anders, wenn das persönliche Objekt, das einer Sache beraubt 
werden soll, nicht durch ein Pron. pers. dargestellt wird! Da 
heißt es dann, wie im Ae. und Ne. (bereave s. o. of s. th.) to 
bireve a mayden of hir maydenhede (M. 865/70, ebenso fro 
615/20). Merkwürdigerweise findet sich auch: .. . to reve a 
wight his thyng (M. 875/80), this synne .. byreveth man and 
womman hire .. fame (M. 850/55, so noch 2 X), ganz denselben 
Fügungen begegnet man auch in den poetischen Werken (Bihl 
8 253). Eine allgemeine Uebersicht gibt Jusef Keilmann, Dativ 


= 


und Akkusativ beim Verbum. Ein Beitrag zur engl. Syntax 
(Giessener Diss, Mainz 1909), doch scheinen seine Angaben 
gerade für Chaucer nach der Besprechung E. Borsts (E. St. 
41/91) nicht immer zutreffend zu sein; gutes Material hingegen 
bietet Bihl in den „Wirkungen des Rhythmus in der Sprache 
von Chaucer und Gower* (9, $ 250, 251 etc.). 


Do mit Akk.-Obj.. 


1,6. Weitaus die umfangreichste ist die folgende Gruppe, 
do mit direktem Obj.: eine Tätigkeit irgendwelcher Art aus- 
üben. Man wendet seine Kräfte an, strengt sich an, um eine 
beabsichtigte Wirkung zu erzielen, etwas hervorzubringen, 
zu schaffen, zustande zu bringen, etwas auszuführen, zu voll- 
ziehen, vollenden. Jede Tätigkeit kann nun als eine besondere 
.Art „Tun* betrachtet werden; im Grunde genommen sind die 
verschiedenen Verwendungsmöglichkeiten von do ebenso zahl- 
reich als die Klasse von Obj, welche durch das „Tun“ 
betroffen werden, die das Ergebnis, das Endziel des Tuns 
‚bilden, das Bedeutungsgebiet des Tuns im allgemeinen jeweils 
beschränken. Die Unterscheidung und Einteilung ist natur- 
gemäß durch die verschiedenen Begriffsklassen der Akk.-Obj. 
gegeben, hier nehmen sie das Hauptinteresse in Anspruch, 
während in den vorausgehenden Gruppen das persönliche Obj. 
mehr in den Vordergrund trat. Bei der Fülle der möglichen 
Fälle können im N.E.D. nur die allgemeinsten Bedeutungen 
angeführt werden. Für manche derselben sind in Ghaucers 
Prosa keine Belege zu finden, ohne daß daraus Schlüsse auf 
ihre Nichtverwendung als Obj. zu do gezogen werden dürfen, 
Es fragt sich nun, welche Ausdrücke die Ergänzungen zu do 
in Chaucers Prosa bilden, ferner ob bestimmte Begriffsklassen 
des öfteren auftreten und dann eine gewisse Gleichmäßigkeit 
in den Fällen zu bemerken ist. Das zahlreiche Vorkommen 
des viel gebrauchten Verbums bietet genügend Material zur 
Beantwortung: dieser Fragen. Die Gruppen des N.E.D. sind 
folgende: 

1,6 do und Akk.-Obj., das eine Handlung, Tätigkeit im 


weitesten Sinne bezeichnet, perform, execute, achieve, carry out, 
| . 


effect, bring to pass: do work, deed, thing, that, it, what?, much, 
nothing a.s.o. 

I,6b umfaßt moralische Begriffe, to do 500d, evil, right, 
WTOng 4.5.0. 

I,6c gibt eine Steigerung und zugleich Beschränkung des 
Bedeutungsumfanges der vorangehenden Abteilung, stellt den 
Uebergang vom Begrifflichen zum Anschaulichen dar: to commit, 
perpetrate sin (abuse, fault, trespass) crime (robbery, murder). 

1,6d. Das Objekt drückt die Erfüllung irgend einer dienst- 
lichen Verrichtung oder übernommenen amtlichen Pflicht aus: 
to execute, administer, practise a function, office, or duty wie 
z. B. justice, service . 

I, 6e. Hierin vereinigt Murray verschiedene Erweiterungen 
des Prädikats, die eine Beziehung des „Tuns“ zu einer Person, 
einem Ding ausdrücken: etwas tun für, mit, gegen jemand. 
So kommt diese Abteilung manchmal in nahe Beziehung zu 1,5, 
do+ to mit Dat. der Pers. Auch für die folgenden Gruppen 
I, —13 (mit Ausnahme von 1,8) ist die Art der Verbal-Obj. 
kennzeichnend, sodaß sie sich grundsätzlich durchaus nicht 
von I,6 und den dazugehörigen Unterabteilungen unterscheiden 
Die umfassendste und allgemeinste darunter ist I, 11a—l (!): 
to operate upon or deal with an object in any way, »the most 
genercl word« für transitive Tätigkeit. Mehrere Gruppen sind 
bei Chaucer belegt, auf sie muß dann näher eingegangen werden. 


Passive Fügung, Partizip. 


Es liegt in der Natur der Sache, daß manche unter ihnen 
nicht durch scharf gezogene Grenzen voneinander geschieden 
sind; sie greifen oft ineinander über, es bleibt der jeweiligen 
Auffassung überlassen, welchem Geltungsbereich die einzelnen 
Fälle dieser Grenzzonen zugezählt werden. So ist es z.B. mit 
dem Part. Prät., einer Frage, die ihrer grundsätzlichen Wichtig- 
keit halber gleich näher besprochen sei. Do im Verwendungs- 
gebiet von 1,6 wird sehr häufig passiv gefügt, der Akk. als 
herrschende Vorstellung wird zum Aussage-Gegenstand, das 
Verbum erscheint in Form des Part. Prät. und eines Auxiliars, 


ER 


im 14. Jahrh. ist die passive Konstruktion vollkommen ein- 
gebürgert. Murray behandelt das Part. Prät, gesondert in 1,8. 
Don, y-do(o)n, y-do bedeutet: vollendet, vollzogen, ausgeführt, 
zu Ende gebracht (accomplished, completed, finished, brought 
to a conclusion), ähnlich I, F 14 entsprechend dem lat. fieri, 
factum esse. Es liegt nun des öfteren in der Art der Auf- 
fassung des Part., ob es zu 1,6 oder I,8 gezählt wird. 

Das Mittelwort der Vergangenheit schließt zwei Bedeutungen 
in sich, eine präsentische und eine perfektische wie das deutsche 
Part., je nachdem, ob es den Abschluß, die Vollendung eines 
Geschehens bezeichnet oder einen dauernden Zustand ausdrückt. 
Eine Tätigkeit bewirkt ein Ergebnis; wird diese Tätigkeit 
erwähnt, so wird auch das Resultat mitverstanden, ja oft denkt 
man gerade daran, nicht an die Handlung selbst, sodaß das 
Sekundäre zur Hauptsache wird. Indem nun das Ergebnis 
als eigentlich bedeutungsvoll angesehen wird, muß das Part. 
perf. als für die Gegenwart wichtig, hiemit präsentisch erscheinen 
(Paul). Manchmal ist schwer zu entscheiden, ob die Partizipia 
in Verbindung mit den unterschiedlichen Formen von ben 
das reine Passivum darstellen und daher zu 1,6 gerechnet 
werden müssen oder ob sie darüber hinaus etwas ausdrücken 
sollen und demnach zu 1,8 gehörten. Unter den 7 do-Fällen 
des Astrolabiums sind 4 transitiv, alle lauten auf das Wort 
gleich: And whan that this is done (doon) 222/28 (649) 
2x, 240/45 (650), 251/58 (651), der folgende Hauptsatz beginnt 
stets mit dem Verb. fin, einem Imperativ. Hier bedeutet 
to be done soviel als to be at an end, es wird doch 
nicht so sehr die Handlung, mehr das Resultat betont; jedes- 
mal dreht es sich um die Durchführung astronomischer Beobach-. 
tungen, daher ist schon des größeren Nachdruckes wegen 
dieselbe Formel verwendet. Die Einschiebung des Korrelativ- 
Partikels that ist nichts Außergewöhnliches, als pleonastisches 
Fügewort schließt sich that an fast alle selbständigen Konjunk- 
tionen an, oft wie wohl auch hier zu rhythmischen Zwecken 
(Eitle, Die Satzverknüpfung bei Chaucer, Anglist. Forschungen 
H. 44, 1914; Bihl). Zur äußeren Form sei bemerkt, daß Chaucer 
das Part. Prät. bald ohne, bald mit dem Präfix y- bildet; er 


bedient sich desselben sogar recht ausgiebig, - während bei 
Gower y- nur einmal zu finden ist. Schon im Ae,, besonders 
in der Prosa hatte es größtenteils seine formelle und inhalt- 
liche Bedeutung eingebüßt, die in der Perfektivierung eines 
imperfekten Verbums und in der Bezeichnung der Intensität 
bestand; es wurde farblos, verlor seinen Aktions- und Affekt- 
wert. Im 13. Jahrh. ist es völlig bedeutungslos, die Grammati- 
kalisation ist durchgeführt (Bihl, Funke E. St.56/6, 7 1922). 


Die einzelnen Obj.-Begriffe. 


Schon im Ae. sind Belege für die Gruppe 1,6 in reichster 
Zahl zu finden, sie umfaßt ja die geläufigsten Bedeutungen von 
do. So ist es nicht verwunderlich, daß sie auch bei Chaucer 
als die weitaus: stärkste in allen Prosawerken erscheint; im 
Boethius ist sie mit 112 Beispielen vertreten, in Mel. mit 36, 
in Pars. endlich verschwinden die übrigen Gruppen geradezu 
ihr gegenüber, ’; aller transitiven Beispiele gehören ihr an. 

Diese Fülle von Fällen wird durch verhältnismäßig wenige, 
dafür sehr oft vorkommende Begriffe gegeben. Unter diesen 
ist wieder to do (a) thing einer der allgemeinsten. Thing hat 
von seiner eigentlichen Bedeutung eingebüßt, sodaß es nicht 
nur mit adjektivischem any, some, every, no sich fest verbindet, 
sondern auch selbständig und allein gebraucht als unbestimmtes 
Fürwort betrachtet werden kann. Ein Relativ-Satz schließt sich 
des öftern an (soinM.7X). Die Einteilung ist nach den 
Attributen von thing getroffen: Ä 


thing ohne jede Beifügung B.5,M.3, P.5x, 

mit Demonstrat. tho B. 1X, 

mit uneigentl. Demonstrat. swich, das zugleich auf eine 
Eigenschaft hinweist B.2, M.2x, 

mit Determinativum thilke B.2, P.1X, 

mit Indefinita, alle: B.7, P.1, no: B.5, M.4,P.1x, 

any: B.3, P.1X, some: M.1x, 

(abweichende Stellung: Modalverb. + no thing + doon 

M. 2950/55, P. 1070,75), Zn 


— 39 — 


Eigenschaftswörter B. 2X (goode, yvel), P. 3x (leveful, 
faire, foule); Zahlwort P. Ix. 

Indirekte Fälle. d. h. solche, wobei das Nomen thing nicht 
in demselben Satze steht wie do, sondern durch ein Pronomen 
vertreten wird. Personal-Pron. B.12 (9 darunter passiv), P.1X 

'Relativa B.10,M.3, P.1x, 
swich as  —_ M.2x, 
any of thilke thinges B.1 X (1770/75). 

Umstandswörter und -bestimmungen (Subst. mit Präposition) 
sind nicht selten anzutreffen. In B. und M. kommt ein solcher 
Fall auf ungefähr drei ohne Erweiterung. Die Stellung der 
Adverbia bietet nichts Auffallendes, nur die Zwischenstellung 
zwischen Verb und Objekt (z.B. B. 1535/40) ist heutzutage nicht 
mehr gebräuchlich, nach Dahlstedt (Rhythm and Word-Order 
in Anglo-Saxon) ist sie ein Ueberbleibsel aus ae. Zeit. Die Stellen 
mit thing als Verbal-Obj. und weiteren präpositionalen Bestim- 
mungen gehören eigentlich schon dem Grenzgebiet zwischen 
1,6 und 6e (Erweiterungen des Prädikats) an und stehen auch 
1,5 (Dat-Obj. mit to; for) nicht ferne. So z.B. B.500/05 2X do 
(a thing) in s.o.soviel wie towards, Richtung der Tätigkeit be- 
zeichnend, anders wieder M. 2950/55; for B.2, M,1X;toP. 1x, 
Ausdrücke wie for grace of (B.1635/40) sind zu werten wie 
to the profit of, on, in behalf of (1,5 B. 1520/25, auch P. 675/80). 

Gerade als Verbal-Obj. zu do nimmt thing verhältnismäßig 
wenig Unterglieder, zumeist nur Fürwörter zu sich, der pronomi- 
nale Charakter prägt sich in diesem Zusammenhange besonders 
aus. Doch auch sonst bestreiten die Pronomina den Hauptanteil 
an Untergliedern (im B, in ungefähr 470, M. und P. in rund 
50 Belegen, Astrol. alle, any 4 X); außerdem aber tritt eine bunte 
Reihe von Adj., Partiz., Zahlwörtern, bisweilen mit einem Adverb 
als Attribut vor oder hinter thing. B. hat an 54 Ausdrücke in 
110 Fällen, P.25 Adj.in 50, Zahlwörter in 20 Beispielen, M. aber 
nur 8X Adj, 6X Zahlwort. Auch zwei oder drei Unterglieder 
in verschiedenen Zusammensetzungen und Stellungen sind zu 
bemerken; bei dreien (B.10x P. 1X) sind entweder alle drei 
oder mindestens zwei von ihnen Pronomina (alle, othere), 


=. 40: 2 


Das direkte Obj. wird nun auch durch Pronomina allein 
gegeben ; in den Passiv-Sätzen werden sie natürlich zum Subj. 
Es kommen vor: it, als unbestimmtes Obj. eine Handlung im 
allgemeinen bezeichnend; B.5%X, M.3+2 (wo it für ein vor- 
angehendes Nomen eintritt), P. 2x, 

Demonstrativa: this B. 1X (passiv 1630/35), 

that mehr bestimmend als hinweisend, stets an betonter 
Stelle am Schlusse oder Beginne des Satzes (Inversion, pas- 
sive Fügung): B. 3X, 

that als determinatives Relativ-Pron. Das Objekt zu do 
kann auch durch einen Rel.-Satz dargestellt werden, der mit 
dem Hauptsatz durch that verknüpft ist; dieses Pron. steht 
nur im Akk. oder Nomin., also als Obj. oder Subj. des von 
ihm eingeleiteten Satzes. Das formale, unmittelbar zu do 
gehörige Obj. des Hauptsatzes ist in ihm aufgegangen, deshalb 
kann that als Stellvertreter hiefür, d. h. als direktes Obj. zu 
do angesehen werden. Der Obj.-Relativsatz drückt inhaltlich 
immer dasselbe aus, einen Wunsch, ein Begehren, Verlangen 
(tun, was ihm gefällt, was einer will): B. 5X, z. B. 1260/65 


(407)... wise men doon that thei desiren, .. schrewes do 
that hem Iyst, M. 1X (2395/400), P. 1X (555/60 al that, 
ein Begriff=what so ever). — Nun kann that von zwei 


Seiten her durch do in Anspruch genommen werden, indem 
nämlich im Obj.-Relativsatz wieder do (stets mit Modal-Hilfs- 
zeitwort) das Pronomen als direkte Ergänzung fordert. B. 3X 
(730/35 [386] that he wolde doon that he may nat doon, 
1185/90 [404] to done that he wol nat doon, 1190/95 [405] 
a wyght that hath doon that he wolde doon), P.3X (darunter 
einmal al that). — Diese Fälle leiten über zu jenen, wo do 
nur im Rel.-Satz steht und sein Obj. that sich auf ein Wort 
im Hauptsatz bezieht: B. 4X 1430/35 (414) bytwixen that 
that God doth and.. ., die anderen drei Fälle passiv, 1505/10 
(418) mit Erweiterung: that is doon unhopid or unwended, 
P. al that (ever) 2X, what so that: 1X (160/65), 

what: als INIBEROBAUNSS Rel.-Pron. B1X (35/40), P. 1X 
(825/30), 

which: M. 1x (3040/45), 


— 4 — 


what als Interrogalivum: P. 1X (670/75) in indirektem 
. Fragesatz: M. 2x. 

Indefinitum moore: P. 1x (940/45). 

Am öÖftesten werden im Boethius die Pronomina mit do 
in Beziehung gebracht (22mal gegen M. 9 und P. 12), auch 
relativ sind da die zahlreichsten Gattungen vertreten. Ueber 
diese typischen Belege hinaus erweitert sich jedoch der Be- 
grifiskreis der Obj. in diesem Denkmal nicht, wohl in den 
beiden anderen Werken. Zu do tritt als Akk.-Obj. ein ihm 
stamm- oder sinnverwandtes Nomen, ein inneres Objekt, das 
deutlichste Beispiel ist deed M, 2X (beide Male mit Unter- 
gliedern, die dem allgemeinen Sinn der festen Verbindung to 
do a dede erst eine bestimmte Bedeutung geben, ihn ein- 
schränken), werk, das als inneres Objekt in P. (10X) neben 
do steht, hat auch stets ein Attribut bei sich, sehr oft (6X, 
darunter 3X neben einem zweiten Unterglied:) goode (werkes) 
auch die indirekten Fälle sind hieher zu rechnen (6X: the 
goode werkes that men doon ... 1X durch Pers.-Pron. ver- 
treten). Die Belegstellen sind alle (außer 290/95) örtlich zu- 
sammengedrängt 230/45 (271), vermehrt werden sie noch durch 
die Beispiele mit dem sinnverwandten Verbum werken (goode 
werkes, 5X außer 690/95 an demselben Platze: 230/40). 

Anschließend daran mögen auch noch die übrigen, nicht 
zu zahlreichen Nomina Erwähnung finden, die als Akk.-Obj. 
erscheinen und in keine der folgenden geschlossenen Gruppen 
eingereiht werden können, da sie zu verschiedenartig sind. 
Sie würden am ehesten zur großen Gruppe I,11 mit ihren 
12 Unterabteilungen gehören: do als das allgemeinste Wort 
für den Ausdruck irgendeiner Tätigkeit mag jedes beliebige 
Zeitwort vertreten, dessen Begriffsinhalt und -umfang aus Subj. 
oder Obj. oder beiden zusammen leicht erschlossen men 
kann (S. 36). 

B. 1400/05 al the contrarie, 1505/10 miracle, (1535/40 .. 
make .. myracle); 

M. profit 2X, 2720/25 defense (passiv); 

P. abstinence 3X, indirekt vertreten durch it 2x, 

almesse 4X, 1X mit Inversion, ind. durch it 2x, 


confessioun 2X indirekt passiv mit it, 

emprise 2X indirekt durch that 400/05, 

profit 1X 1000/08. 

Die Redensart to do no fors of=to take no account, 
attach no importance: to, give no heed to, no care for s. th. 
(N.E.D. force Nr. 21, Fansler D. Spr., Chaucer and the Roman 
de la Rose) wird von Chaucer nicht nur in der Prosa, sondern 
auch in der Poesie gebraucht (C.T. B 4131, D 1234, 1512, 
Dethe of Bl. 542): B. 405/10 (370) do no more force of. 

(in einer Glosse), 

P! 710/15 (292) do no fors, 120025 (293), 830/35 (298) 
do no fors of. 

Für do treten eine ganze Reihe anderer Verba in gleicher 
Bedeutung ein (make, give, take, have, let, set). Chaucer ver- . 
wendet nur do und make, letzteres seltener (C. T. H 68), ebenso 
Lydgate (z. B. Pilgrimage 6524, Min. Poems 160). Aus der 
Aehnlichkeit der französischen Phrase ne pas faire force d’une 
chose (nach Godefroy’s Erklärung im Dict. de l’anc. langue 
franc.=n'en ötre pas effraye, n’en pas faire difficulte) wollte 
man auf französischen Einfluß schließen, Koeppel nimmt ihn 
auch für Chaucer an (Rosenroman, Die Uebersetzung Ch. und 
das Original. Aber dem französischen faire steht eine Fülle 
von englischen Verben gegenüber, die mit force in Verbindung 
treten können: das deutet doch auf eine unabhängige Ent- 
wicklung im Englischen hin, _ 

I, 6b (S. 36). Bei dem moral-philosophischen Inhalt der 
drei Prosawerke kann es nicht Wünder nehmen, daß Begriffe 
dieser Art als Objekte nicht selten zu finden sind, auch paar- 
weise treten sie auf, dann wirken sie umso nachdrücklicher. 
Die, moralisch gewertet, positiven Ausdrücke sind beschränkt 
auf: M. goodnesse 3X (die Zahlen in Klammern bedeuten die 
Fälle von Stellvertretung durch das angeführte Fürwort, also 
1X indirekt durch that, 1X it), P. goodnesse 3X (500/05 2 X 
that), good 230/35, bountee 390/95 je 1X indirekt durch that. 
Die negative Seite überwiegt: evel, vvel (über die verschiedene 
äußere Form 'von ae. yfel [vgl. Luick, Untersuch. $ 534] in den 
Chaucer-Hss. handelt Wild S.67, Reime fehlen): Im B.steht yvel 


2, 2 


stets in Verbindung mit dem Inf. don in abstraktem Sinne ohne 
Artikel 13X (1X noon yvel, 1X durch noon vertreten), 10 x 
ist der Inf. von einer Form des Modalverbums mugan abhängig 
(im lat. Text facere malum), M.2 X to do many yveles; wrong 
(wronges) konkret, im lat. Text des B. malum und iniquum, B. 
7x (2X Rel,. that), M.3 X: (1x that), P. 750/55 (294); wikkyd- 
nesse bildet den Uebergang zu I16c, B.4x (2X the whiche, 
1X that), M.3X (1X that), P.880/85 (300). Bei diesen drei 
Nomina sind Attribute selten, häufig bei den folgenden Begriffen: 
B. 485/90 (374) harmes, M. 2205/10 (94) damage, 2715/20 (110) 
excesse, 2890/95 (114) folye, P. 870175 (300) damage (that), harm 
3X (2X that, 1X Inversion), 80/85 (266) gilt (that), 965/70 (304) 
vileyne. Doppelausdrücke: B. 485/90 (374) . . damages and 
destruction, 515/20 (375) . . harmes and destrucciouns (passiv), 
1400/05 (413) the grevances and the wronges, M. 2660/65 (108) 
the wronges and the vileynyes. Im ganzen B. 28, M. 14, P.13 Fälle. 

I,6c (S. 36). Die Grenze zwischen dieser und der soeben 
besprochenen Gruppe ist oft schwer zu ziehen, es handelt sich 
um eine Steigerung in ethisch schlechtem Sinne. So in B. stets 
mit Inf. don 1255/60 (407) yvel and felononye (sic!) und noch 
3X, 1720/24 (427) vices, in M. outrage 4X. P, ist reichhältiger 
910/15 (302) cursednesse mit Inversion, 765/70 (295) extercions, 
4X lecherie, indirekt: 570/75 (286) homycide that . . passiv, 
855/60 (299) likerousnesse that, 600/05 (288) sweryng of ad- 
juracioun as... Es sind noch zwei Obj. zu erwähnen, die mit 
dem Inhalt der betreffenden Werke in innigem Zusammenhang 
stehen; das eine ist synne, das ja auch inM. 3X vorkommt, 
in Parson’s T. aber nicht weniger als 30mal direkt, 11mal 
indirekt (7 that, 4 it) als Obj. zu do belegt ist. So reichhaltig 
und mannigfaltig die Attribute dieses Subst. sonst sind (z. B. 
venial, deedly, privee, original, stynkyng ....), in diesem Falle 
werden sie auffallend spärlich verwendet. Die 30 Stellen zeigen 
18x keinerlei Beifügung (1X Adverb),. 6x EOnOmInA;: von 
Adj. 5X deediy, 1X greet. 

Das andere charakteristische Akk ‚„Obj. ist vengeance: 
es tritt außer P. 540/45 (107) in M.8X zu do (darunter 2X 
"mit Attributen, indir. 2X that, 1% it), to do vengeance upon, 


u AR ie 


of s. o., wenn die Person genannt ist. An Stelle von do ist 
öfters take zu finden (ungef. 12 Fälle) besonders dann, wenn das 
Subst, durch ein Attribut beschwert ist, to take (sodeyn, thilke, 
no...) vengeance of, auch upon, on (2X). Nie wird do, stets 
take bei Bildung des Gerundiums gebraucht (8X), in vengeance 
takynge (2X in takynge vengeance). Die Verbindung dieser 
beiden Verba mit dem Subst. kommt dem betreffenden Zeitwort 
vengen gleich (1,11 S.36), es erscheint nicht selten, in rund zwei 
Dutzend Fällen, und weist dieselbe Konstruktion auf, zumeist 
ist es reflexiv, to vengen one (yow, hem) upon, on, of; wreken 
ist nicht so häufig (4 Belege). 

1,6d (S. 36) ist im B. durch office (lat. Text officium) 2X, 
durch equite einmal 1560/65 (420) vertreten. Eine Erweiterung, 
die zu I,6e hinüberleitet, ist M. 3020/25 (117): the sentence 
and juggement that Melibee wolde comande to be doon on hem 
by the causes... 

1,7 (S. 36). Der Obj.-Begriff drückt Befehl, Gebot, Pflicht aus, 
to do=to perform duly, carry out, execute; in 7b wird er enger 
umgrenzt, to perform, celebrate a ceremony. In M. kommt 3X in 
nahem räumlichen Zusammenhang das Obj. wilvor (todo youre,al, 
his wyl). P. bietet hier wiederum viel mehr Material, 14 Beispiele, 
so 440/45 (280) amendement, 400/05 (279) honour, 745/50 (294) 
observance (in kepyng of..), 85/90 (266) satisfaccioun, 680/85 
(291) the service of God, indirekt durch it 600/05 (287) sweryng. 
Was für synne gilt, ist auch für die Belege mit penitence oder 
' penaunce zu sagen: sie sind bedingt durch den Inhalt. Bezüglich 
der beiden Formen des Wortes stellt Bihl (S.93 III, $ 45 i) fest, 
daß das gelehrte, der kirchlichen Terminologie angehörige 
penitence seit dem 13. Jahrh. neben der volkstümlichen Form 
penaunce belegt ist. Chaucer bevorzugt die letztere; das 
Verhältnis der beiden Gestalten des Wortes ist im allgemeinen 
1 (penitence): 5 (penaunce). Auch die entsprechenden Personal- 
begriffe penitent und penaunt sind bei Chaucer nicht selten 
(Mo. P. 46, ABC 59). (Hans Remus, Die kirchl. und speziell- 
wissensch. roman. Lehnworte Chaucers. Studien zur engl. 
Philologie, Heft 14 [1906], darüber Ekwall, E. St. 41/97.) Im 
ganzen 8X kommt to do penaunce (3X), penitence (5 X) vor, 


22» An. 5 


darunter einmal indirekt (durch that vertreten), zweimal mit 
Erweiterungen, P.100/05 (266) for to do open penaunce und 
P. 115/20 (267) Dooth digne fruyt of penitence. In B. findet sich 
kein Beispiel. 

1,9 (S. 36). Desgleichen ist diese bei Chaucer sonst reichlich 
starke Gruppe des N.E.D. im Boethius nicht zu belegen, auch 
nicht im Astrol.,; hingegen weist M. 12, P.4 Fälle auf: to do 
‚steht hier in der Bedeutung von to put forth, exert, use; die 
Verbal-Handlung bezweckt eine Wirkung, Folge nach dem Willen 
und Wunsche des Subj.; die Intensität des Tuns wird durch 
die Obj.-Begriffe ausgedrückt: to do one’s best, most, cure, 
devoir, diligence, endeavour, might, pain, power. Hievon kommen 
hauptsächlich zwei Nomina in Betracht, das erste ist diligence 
M.7x, darunter 4X mit dem als Attribut hier sehr beliebten 
Possessiv-Pron., 2X mit dem Adj. greet als Unterglied; P.3X, 
davon einmal mit Possessivum; das zweite ist bisyness M.3x, 
und zwar einmal mit Possessivum, zweimal mit Adv. und Ad). 
2205/10, 2460/65. Auch beide Ausdrücke zusammen erscheinen, 
diligence and bisynesse, M. 2830/35 (113), 3030/35 (117). End- 
lich ist noch anzufügen P. 760/65 (295) do his devoir. 

Die beabsichtigte Wirkung wird gegeben durch to + In- 
finitiv eines Verbums (M.6 X, P. 2X), durch in + Verbal-Subst. 
(M. 3X) oder Subst. (M. 2X), ferner auch durch unto + Subst. 
(M. 1x), z. B. M. 2185/90 (93) do diligence to gete another 
freend, 2820/25 (112) doon youre bisynesse to gete yow 
richesses, P. 710/15 (292) doon diligence to plese god; 
M. 2215/20 (94) thou do thy diligence in kepynge of thy .... 
persone, in swich a wise that ..., 2825/30 (113) Do greet . 
diligence ... in kepyng of thy freend; M. 2460/65 (103) they 
sholde do the moore ententif bisynesse in the curacioun of ...; 
M. 2460/65 (103) to doon greet diligence unto the cure of. .; 
schließlich M. 2205/10 (94) we shullen do so ententif bisynesse .. 
that .. (Folgesatz). 


ir AB: 


Die sinnverwandten Verba make und werke 
mit ihren Obj. 


Um die Art und Weise der Verwendung von do in ihrem 
vollen Umfange deutlich zu erkennen, sind auch die wichtigsten 
der anderen sinnverwandten Verba in Betracht zu ziehen, die 
in gleicher und ähnlicher Bedeutung wie do stehen können; 
etliche wurden schon erwähnt (S. 41,44). Hauptsächlich kommt 
der transitive Gebrauch von make und werke in Frage. Make 
hat erst spät im Ae. das ursprüngliche (ge)wyrcan (Wild be- 
spricht die verwickelten Lautverhältnisse des Verbums bei 
Chaucer $ 445, S. 150/151) verdrängt, das im Sinne’ von lat. 
facere (trans.), des Öfteren in Chaucers Prosa zu treffen ist, 
so in B.2X mit dem Obj. batailes und hem(=clothes), 
B. 1940/47 s. Il intrans. Gebrauch, in M. 3X transitiv (thinges, 
wikkednesse, hem= wommen), häufiger aber intransitiv, in P. 
außer den schon S.41 erwähnten Fällen mit dem inneren 
Obj. werk(es) noch 2X mit dem Verbal-Obj. miracle und 
wikkidnesse; im Astrol. the verrey practik (15/20); bemerkens- 
‚wert sind endlich im Astrol. 185/83: The same manere maist 
thou worche to knowe ... Der Zweck wird durch to + Inf. 
gegeben; 343/50: The same wise wirche thou fro .... Die 
beiden letzten Obj. sind eigentlich Umstandsbestimmungen;; der- 
selbe Fall bei do, B. 1625/30 wurde S. 29 erwähnt. Diese 
Fügung wird noch beim intransitiven Gebrauch zur Sprache 
kommen müssen. Zum großen Teil sind also die Akk.-Obj. 
dieselben wie bei don. 

Anders bei make. Wohl sind auch hier manche Achnlich- 
keiten und Parallelen mit do zu beobachten, so z.B. wenn 
— allerdings nicht sehr häufig — die Person ausgedrückt ist, 
. für welche etwas gemacht, geschaffen wird. Der Gruppe 1,4 
bei do (Pers.-Pron. ohne to) würde M. 2375/80 (100) .. and 
maketh thee chiere of .., entsprechen, 1,5 (Dat.-Obj. mit to) 
B. 605/10 (380) .. I... hadde maked to the the same habite, 
auch in M. und P. je 2 Belege. — Nun aber tritt zu make 
als Akk.-Obj. eine Fülle der mannigfachsten Begriffe, die weit 
über das hinausgeht, was bei do unter 1,6 und die anschließen- 


den Gruppen fiele. Die folgende Liste wird eine Auswahl aus 
den Fällen im Boethius bieten, woraus das Bezeichnende in 
der Anwendung des Verbums, das äußerlich Gleiche oder 
_ Aehnliche mit do bei innerer Verschiedenheit zu erseken sein soll. 

Zu make gibt N.E.D unter I,1 trans.: to produce (a ma- 
terial thing) by combination of parts. Thing B.5X (2X that); 
it 1910/15, that 785/90 sind schon von do her als Verbal-Obj. 
bekannt. — Die folgenden Unterabteilungen umfassen die ver- 
schiedensten Begriffe, so I,2: make==herstellen von Speisen, 
Getränken, die aus mehreren Bestandteilen zusammengesetzt 
werden, 475/80 no pyment or claree, 1310/15 drynkes (ind.). 
— ],3: make in der Bedeutung von erschaffen, said of God 
as Creator, 865/70 world, 1545/50 thinges (indir.) mit Ergän- 
zungen, um Zweck und Ziel des Schöpfungsaktes zu erklären 
(into his semblaunce, verwandt mit 111,50: to convert into s. 
th.); dazu gesellen sich weitere zwei Belege. — 1,4: ver- 
fertigen von Sachen, aus einem bestimmten Material (of), z. B. 
B. 15/20 clothes. — 4b: to be »compact« of (certain qualities), 
365/70 of sapience and of vertu (diese Stelle im N.E.D. als 
Musterbeispiel.. — 1,5: ein Gedicht, einen Brief verfassen, 
1j5 ditees, 145/50 lettres. — 1,9: make gibt den Grund des 
Vorhandenseins von physischen Gegenständen und Erscheinun- 
gen sowohl, als auch von sinnlich nicht wahrnehmbaren Dingen, 
a condition of things, a state of feeling, z. B. body of blis- 
fulnesse, gentilesse, hap, mutacioun (indir.), nede, proprete, 
resoun, skiles. — 1,9d: wey to s. th. — 1,13: make=ver- 
anlassen, daß jem. zu dem wird, was das Obj. angibt, so 510/15 
‚mucisyens, phisicyeens, rethoriens, 445/50 a blisful man, 830/35 
out-caste. — 1,14: ein Fest veranstalten, 690/95 feestes. — 
l,15a: ein Heer zusammenbringen, 85/90 oost (ayens). — 
1,19: etwas in Gedanken, in der Vorstellung bilden, 1445/50 
questiouns. — Diese Bedeutung leitet über zu V: make=to 
do, perform, accomplish. V,59a, b: das Obj. drückt die Tätig- 
keit irgendeines meist stammverwandten Zeitwortes oder das 
Ergebnis desselben aus, sodaß make und das folgende Nomen 
dem Sinne nach dem betreffenden Verbum gleichkommen (wie 
do 1,11) z. B. to make comparysoun of...B.5X, 680/85 sufüi- 


ii, 8 


saunce, 110/15 assawtes (ayens), 1600/05 alliaunce, 795/800 
preyere. — Dasselbe bunte Bild zeigen die anderen Prosa- 
denkmäler. In M: sind fast 40 Fälle, darunter an die 20 Be- 
griffe, meist Abstrakta, werre 4X, make semblant (of) 5X; 
das Astrolab, weist fünf Beispiele auf, darunter mehr Abstrakta, 
ebenso P., wo über die Hälfte der 26 Begriffe Abstrakta sind 
(32 Fälle), auch synne kommt (indir.) vor 360/65, semblant(as) 
640/45. | 
In der Prosa niemals, sonst sehr selten, z. B. C.T.E. 
1098 (201) wird do von Chaucer mit dem doppelten Akk. 
verbunden; dieser ist das unbestrittene Gebiet von make. N.E.D. 
gibt den seit Aelfric (ca. 1000) bestehenden Gebrauch III make 
=to cause to be or become (s. th. specified) 48: mit Adj.. 
oder 48b: mit Part. Prät. als »complement«, to cause to be, 
render; B. weist 31, M. 4, Astrol. 1, P. 11 Beispiele auf, ver- 
teilt auf 6X Subst.-Adj, 5X Pron.-Adj. — 48f: passiv, lat. 
fieri entsprechend mit doppeltem Nom. B. 12 X, M.1x, P.2x. 
— 49: mit einem Hauptwort als prädikativem Akk. a) to 
cause s. 0, 3. th. to be or become what is denoted by the 
complement, spezifiziert: to raise to the dignity of, to create 
z.B. B. 1165/75 2X passiv, 1285/90 u. viele mehr; den zahl- 
reichen Belegen in B, (10 Fälle bis 1540) stehen nur zwei Fälle 
in P., einer in M. gegenüber. (Ae. dön mit dopp. Akk. s.:S. 108.) 
Make betont vor allem das Hervor-, Zustandebringen, Er- 
zeugen, die Gewinnung eines Resultatis in physischem oder 
psychischem Sinne, selbst bei Obj. wie thing, während do die 
Handlung, das Tun, das Beschäftigtsein an und für sich her- 
vorhebt. Gerade die verwickelte Verschiedenartigkeit, die über- 
aus große Buntheit der Obj. bei make läßt die relativ einfachen 
Verhältnisse bei do umso schärfer hervortreten. Die ganzen 
zahlreichen Beispiele für den transitiven Gebrauch von do. 
zeigen, daß von den vielen Obj.-Möglichkeiten eigentlich recht 
wenig Begriffe als solche bei do verwendet werden, diese 
allerdings dafür sehr ausgiebig. Aus dem Fehlen von Belegen 
für gewisse Verwendungsarten kann man ja keine weiter- 
gehenden Folgerungen ziehen, wohl aber lassen umgekehrt die 
vielen Beispiele für bestimmte Ausdrücke eine gewisse Ein- 


= d0 


heitlichkeit erkennen, die’ im Obj.-Inhalt, meist auch .in der 
Fügung :als ‚solcher zum Ausdruck kommt. Diese : innere 
Gleichmäßigkeit, diese äußere Aehnlichikeit in der Gestaltung 
der Obj.-Akk. im Verein mit der Häufigkeit des Vorkömmens 
. gibt den do-Fällen im allgemeinen ein eigenartig nachdrück- 
liches, beinahe formelliaftes Gepräge,: sie alle haben, mehr 
weniger, etwas. Typisches an sich. Diese Erscheinung greift 
aber weit über Chaucer hinaus, sie ist für die Baum me. Zeit 
kennzeichnend. Ä 


I. Intransitive Verwendung. 


Wirkliche Intransitiva oder subjektive Verba i im: een 
Sinne gibt es im Englischen verhältnismäßig wenige. Sie weisen 
nur eine Beziehung, die zum Ausgangspunkt der Handlung, 
zum Subj. auf, ein’ Akk.-Obj. ist bei ihnen ebenso unmöglich 
wie das Passivum. Auch die transitiven oder objektiven Zeit- 
wörter brauchen nicht stets einen Akk. bei sich zu haben, es 
kann nur der Verbalbegriff selbst ohne Rücksicht auf eine 
Ergänzung ins Auge gefaßt werden. Der Sprechende denkt 
überhaupt ‘nicht an ein Obj., zumindestens hat er kein be- 
stimmtes im Sinne. Bisweilen ist es so leicht zu. ergänzen, 
ergibt sich so. selbstverständlich aus dem ganzen Zusammen- 
hange, daß es nicht nötig erscheint, es eigens zu erwähnen. 
Auf diesem Wege wird ein transitives Verbum zum „poten- 
zierten Transitivum* (Wendt), „absolut“ verwendet (Deutsch- 
bein $ 40/4) und gleitet hinüber in die intransitive Gruppe. Auch 
do hat außer den transitiven mehrere intransitive Bedeutungen, 
die N.E.D. anführt, vor allem die allgemeinste, die allein in 
Chaucers Prosa zu belegen ist, N.E.D. IE 15: To put forth 
action, exert activity of any kind whatever, to act (in some 
speciied way). ‘Der Grundbegriff des Verbums, das Tun, 
Handeln an und für sich. wird nachdrücklich betont, Das. Be- 
deutungsgebiet von do ist aber viel zu weit und zu allgemein, 
als daß es in diesem Sinne oft verwendet würde und für sich 
allein stünde. Dieser seltene Fall ist in. der Retractatio der 
Parson’s T. zu finden, 1090/95. (310) grace of... to doon in 

4 


=, SA. 


this... Iyfso that... Für gewöhnlich müssen Einschränkungen, 
Bestimmungen adverbieller.:Ärt in :verschiedener Form. zum 
absolut verwendeten do treten, um den Sinn. jeweils zu ver- 
deutlichen. In vielem übernehmen sie. die Rolle der Akk.-Obj., 


vermitteln. den Uebergang zum intrans. Gebrauch, so wenn. 


z. B. an Stelle 'der unbestimmten Obj. it, that ein demon- 
stratives oder determinatives Adverb. wie so, thüs oder ein 
Nebensatz (Modalsatz) steht. .Schon im Ae. ist das zu’ be- 
obachten, die weiteren Entwicklungsstufen und genaueren Un- 
terscheidungen scheinen sich aber erst im Me. und Frühne. 
herausgebildet zu haben, (S. die Belege im N.E.D., ferner 
Sunden K.F., Essay I: The predicational categories in Engl.II: A 
category of predic, change in Engl. — Univ. Ärsskrift Uppsala 
1916, besprochen .von Brandl, Archiv 137 (37)j123, 1918.) Im 
folgenden werden die Belege etwas ausführlicher gegeben; 
dafür spricht ihre geringe Zahl, dann. auch ihre äußere Ver- 
 schiedenartigkeit trotz der gleichen inneren Grundlage. Die 
Einzelheiten geben manche Anhaltspunkte für den. Uebergang 
aus der transit. in die intransit. Gruppe. Im ganzen sind in 
B. 6; in M. 6, in P. 20!, (Astr. 1) Stellen zu verzeichnen, 
‘Der weite Begriff des Tuns. wird beschränkt durch einen 
. Modalsatz, eingeleitet mit as B. 1095/1100 (401) Do, quod I, 
as the list (Tuo, inquam, m M. 2390/95, ig [10 das: 
P. a 
Stellung der Aaverbia 


Ba die , Adverbia: Bene hier eine große Rolle: eo 


möge einiges über ihren Platz im Satz ‚bemerkt werden: Im 


allgemeinen "herrscht bei Chaucer .noch große Freiheit in: der 
Stellung: der Umstandswörter.' Sicherlich haben rhythmische 
‚Gründe bedeutenden Einfluß,‘ aber für! diese Zeit kann noch 
nicht ‚mit ‚Bestimimtheit‘ behauptet werden, daß. Nachstellung, 
Stellung :am: Schlusse. des Satzes’ mit-'starkem Tone, hingegen 
Stellung in: der: Mitte. des :Satzes ‘vor. dem. Verbum : etc. mit 
Schwachtonigkeit ‘verknüpft’: wäre,::'Bei -Chaucer ist 'es 'nicht 
gleichgültig, .ob’ das: -Adverb :ineinem Haupt« oder in':einem 


\ 


a HB 


Nebensatz steht; in letzterem ist die Setzung des Adv.: vor 
das Verbum häufiger. Grad- und Pronominaladv. werden in 
der Regel nachgestellt, z.B. ynoghe B. 1170/75 (404) ähnlich wie 
P. 815/20, auf S. 31 1,5 erwähnt; how .muß natürlich an den 
Beginn des Satzes treten; M.2835/40 (113). how ye shul do in 
getynge richesses, 2860/65 (113) how I shal do in this nede. 
Aber auch abgeleitete Adv, treten zum Verbum und bezeichnen 
so die Art des Handelns genauer, z. B. P. 600/05 (288) don cursedly 
and damnablely agayn Crist. . . die Person ist hier ebenfalls 
ausgedrückt, gegen welche sich das eingehend charakterisierte 
Tun richtet; ferner die Adv. yvele M. 2715/20 (110) (vorangesetzt 
im Nebensatz), wörse .P. 765/70 (295), endlich well (M.2480/85 
_ ist später zu erwähnen) M. 685/90 (291) al do.he never so weel, 
ein Konzessivsatz mit merkwürdiger Voranstellung des Prädikats 
(dazu Eitle, Satzverknüpfung bei Chaucer); 685/90 (291). : . 
they ne may neither wel do ne wel thynke, das Adverbium steht 
vor derı Zeitwörtern. Diese auffallende Wortfolge zeigen weitere 
6 Fälle von ziemlich einheitlichem Gepräge: 710/15 (292). - 
abaundone hymself, with al his myght, wel for to doon; gleich- 
lautend 280/85, 285/90 (273) 2X, 805/10 (297) grace wel on 
to do; 685/90 (292) corage wel to doon. - 

Unter den Umstandswörtern bilden so und thus eıne 
Gruppe für sich; gerade das hinweisende so kommt sehr häufig 
bei- Verben vor und tritt auch mit do etliche Male in Verbindung, 
B. 55/60 (354) überleitend zur siellvertretenden Funktion von 
do, 95/100 (356), 1450/55 (415); M.—; P. 765/70 (295), 86570 
(300), 870/75 (300); Astrol. 209/11 (649) (ähnlich wie B. 55/60 
zu III, 24 d gehörend). Da man gerade auf dieses Umstandswort 
so oft stößt, mögen einige 'allgemeine ergänzende Bemerkungen 
folgen, die zugleich einen Beitrag zur Charakteristik des me: 
Stiles bilden. In Nebensätzen, besonders in solchen, die mit 
who so, what so (ever), where — how so.(ever) eingeleitet sind; 
ist so stets: vor dem Verbum. Borst verzeichnet in seiner 
Untersuchung eine einzige Ausnahme in der. Prosa: M. 2270/75 
(97), it is nat so, for if it were so- that :'...: ‘diese für einen 
Nebensatz ungewöhnliche Wortstellung mag durch die Form 
des unmittelbar vorausgehenden Hauptsatzes beeinflußt worden 

r 


— 9 — 


‚sein. Sonst steht in den Bedingungssätzen in der Prosa immer 
yif it so be (were) that... B.8 +2 (were) Fälle, P.2x, Astrol. 
2X; auch wenn das unbestimmte Subj. it fehlt, if so be (were) 
that B3+1xX, M.4, P.5, Astr. 7X, desgleichen in den mit though 
eingeleiteten Einräumungssätzen ohne it, though so be (were) 
M.1X,P.2+ 1X, M. 2675/80 if it so bifalle or happe, B. 105|10 
yif it so befille. Regelmäßig aber lautet es al be (were) it so 
that... (Einenkel, Hist. Syntax: tout soit-il que) B34+3x, 
M.9+1,P.5x, Astr.1X,(P. 295/300 al be it never so lite, Astr. 
352/58 ‚be it never so lite). Die Erklärung liegt wohl darin, daß 
al be it eine eng zusammengehörige Wortgruppe bildet; .das 
läßt manchmal die Schreibung einzelner Hss. erkennen, B. 1800/05, 
1820/25: albeit. Alle diese seit Ende des 13. Jh. auftretenden 
‘Umschreibungen unterscheiden sich in ihrer Bedeutung kaum 
von den entsprechenden einfachen Konjunktionen. Für die 
Schwerfälligkeit des me. Prosastils sind sie geradezu bezeichnend. 
In der Poesie erscheinen übrigens auch Typen mit so am Schlusse 
des Satzes. Bei den Konzessivsätzen überwiegen die Erweiterungen 
von al bedeutend die von though, sie sind in der Prosa ganz 
besonders häufig. (Näheres s. Eitle, Satzverknüpfung $ 62 u. ö.) 
Auch im Hauptsatz wird so im Gegensatz zu thus fast durch- 
wegs vorangestellt. Die Negation bewirkt aber eine Aenderung, 
M.765/70 (295). . ne do nat so, ebenso im Nebensatz 350/55 
(276) that he do nat so, (vgl. B.1345/50: ifit ne be nat so. .). 

Die verschiedenen Verwendungsgebiete von do sind nicht 
durch starre Grenzlinien geschieden und greifen manchmal 
ineinander über. Ein gutes Beispiel hiefür bietet M. 2480/85 (103) 
but do wel to hym that doth thee harm. Do im Hauptsatz ist 
gewiß intransitiv gebraucht, gehört aber nicht zu N.E.D.11,18 
to do well =to fare, get on, to be prosperous, succeed, es 
handelt sich nicht um einen Zustand, um ein Werden, sondern 
das den intrans. Charakter besonders kennzeichnende Adverb 
gibt die moralische Qualität des im Verbum ausgedrückten Tuns 
selbst an wie die Fälle in P. (S.51). Man wird an L,6b (Akk.- 
Obj. moral. Inhalts) erinnert, das gut (= Gutes) tun wird überdies in 
Beziehung gesetzt zu einer Person, ihr gilt dieses Handeln, to 
hym, das klingt an 1,5 (Dat.-Obj. mit to) an, to do well (= good) 


u Bi 


to s.o. Adv. und Akk.-Obj., beide bestimmen den Geltungsbereich 
des. Verbums genauer, nur die Art der Einschränkung ist 
verschieden. Der von to hym abhängige Rel.-Satz, ein Beleg 
für 1,4 (Dat.-Obj. ohne to) macht die Sachlage noch deutlicher. 
In P. finden sich 4 Fälle, wobei sich an do wohl kein Sachobj., 
aber ein persönliches (Dat.-) Obj. anschließt 515/20 (284) 2X: 
that thou shalt doon to hym. .'as thou woldest that it were 
doon to thyn owene person .. . , 525/30 (284) thus comaundeth 
oure Lord... to do to oure enemys, 975/80 (305) how that she 
had suffred that folk han doon to hire. Dem Sinne nach ist 
überall das Akk.-Obj. ohne weiteres zu ergänzen, das im Passiv 
515/20 wirklich durch das unbestimmte it gegeben werden muß. 
(525/30 wird thus auch noch für do gelten können.) Endlich 
zeigt noch B.1940/42 (437), wie leicht der Uebergang von den 
transit. zur intransit. Gruppe sich vollziehen kann: syn that ye 
worken and don (that is to seyn, your dedes or your werkes) 
byforthe eyen. . Don ist eigentlich absolut, ohne Obj. gebraucht, 
aber die in Parenthese angeschlossenen fakultativen Ergänzungen 
machen es sozusagen im nachhinein transitiv. Hier kann es 
um so eher geschehen, als sie durch ein stamm- und sinn- 
verwandtes Hauptwort gebildet werden, mithin innere Übjekte 
sind. 


Das sinnverwandte Verbum werke. 


Was für do gesagt wurde, gilt auch für werke im letzten 
Beispiel. Schon B. 1765/70 (429) ist werke intrans. zu belegen: 
as men seen the cartere worken (lat. Orig. facere) in the 
tornynge .. In M. ist werke(n) nicht selten intransitiv verwendet 
(8X), und dann oft in Verbindung mit dem Stamm conseil, 
so by . .. conseil (4 X), conseillyng (2250/55), after his conseil 
(8060/65); das Adv. so steht wie gewöhnlich vor dem Verbum 
(2950/55). Eine ausführliche Umstandsbestimmung ful avysely 
and with greet deliberacioun liegt in M. 2485/90 (103/4) vor. 
Auch in P. ist das Verbum ohne Akk.-Obj. gebraucht 680/85. 
Präpositionale Bestimmungen treten noch hinzu, 725/30 to the 
deeth of . ., 760/65 in swiche wise with thy cherles... Die 


— 4 — 


interessantesten: Fälle weist aber. das Astrol. auf.-. Schon S, 46 
wurde ‚185/88 und 343/60. angeführt, wo, die Akk.-Obj. the same 
manere und the same wise am -Beginne. der- Sätze dasselbe 
besagen wie die Umstandsbestimmungen 272/77 . . and worche 
in the manere forseid, 139/45 ... and wroughte in this wise, 
168/70 thou must worken in this wise. Die adverbielle Er- 
gänzung erscheint also auch in Form eines Akk.-Obj., und 
zwar am Satzanfang, worauf bei Inversion umso stärkerer 
Nachdruck ruht. Aber die Satzschlüsse sind hier ebenfalls 
schwer betonte Stellen. Chaucer verwendet das Zeitwort 
in ‚derselben Bedeutung wohl aus rhythmischen Gründen (vgl. 
S. 29) transitiv und intransitivv. Die &adverbiellen Ausdrücke 
erscheinen, auch in Verbindung mit Präpositionen, 376/82 .. 
that in this manere maist thou wirke with any latitude, 
382/91 and in this manere ... wie das vorige Beispiel; mit 
einfachem Adverb 286/89 and thus maist thou werke with 
every porcioun; auch mit Präp. allein 168/70... worke with 
thin... instrument, 368/71 by these nn .. maist thou 
wirche in every signe. 
Belege für intransitives make finden sich nicht. 


Ist beim transitiven Gebrauch von do gleich von vornherein 
auf einen großen Spielraum zu schließen durch die zahlreichen 
Akk.-Obj., durch das Hinzutreten der Dat.-Obj. in mehreren 
Formen (Stellungsdat., Dat. mit to) und durch andere Er- 
weiterungen, so scheint die intransitive Verwendung fürs erste 
auf ein verhältnismäßig enges Gebiet beschränkt zu sein, 
denn gerade der theoretisch weiteste, der absolute. Gebrauch 
yon do ist praktisch nicht oft anzuwenden. Aber die Beispiele 
für do, und ebenso für werke zeigen, daß auch hier große 


Mannigfaltigkeit herrscht und alle möglichen Begriffs-Schat- . 


tierungen durch verschiedene Zusätze ausgedrückt werden 
können. So dehnt sich der Bereich. des intransitiven do bis 
an und in die Grenzgebiete der transitiven Gruppe aus und 
manche Einzelheiten geben die Zwischenstufen eines organischen 
Ueberganges von der :einen zur anderen Verwendungsart. - 


— 55 — 


Ta ne Kausale und:auxiliar6. Verwendung. : ; 
. (NE: D. IN: eausal and züxiliary ee 


gibt do die Ursache für | eine Handlung, eine: Tätigkeit 
| an, so ist es selbstverständlich Haupt(Begriffs)verb. Anders aber 
als Hilfszeitwort oder Modalverb;.da bat es soviel von seiner 
Eigenbedeutung .eingebüßt, daß es nur mehr die Modifizierung 
eines schon erwähnten Begriffes darstellt. So. umfaßt diese 
Gruppe: Elemente, die für den ersten Blick auf ganz. ver- 
schiedener. Grundlage zu beruhen scheinen. Trotzdem 'gehören 
sie ihrer historischen. und sprachpsychologischen Entwicklung 
nach zusammen. Das Abhängigkeitsverhältnis dieser: Verwen- 
dungsärten voneinander bietet. manche Probleme, an die sich 
gerade hier wieder andere Fragen schließen. Die nicht sehr 
zahlreichen Beispiele, welche für diese Gruppe in Chaucers 
Prosa zu finden sind, geben an Anlaß zu EL 
ER: : 


1. _Begründendes do und Infin ‘ohne, mit'to, 

mit for to. : | 

-Do 'als kausatives EEE chnasl N. E. D) oder 
causative use (die zweite Bezeichnung 'nach Kenyon) —. drückt 
die . Begründung, Veranlassung, Ursache für ein . Geschehen, 
eine Handlung aus, die in einem folgenden Verbum näher be- 
zeichnet wird, es ist faktitiv: tun, u bewirken. N.E.D, 
führt folgende Gruppen an: 

121 (F=obsolete); von do hängt ein durch that einge- 
leiteter Obj.-Satz ab. (Deutschbein $ 37/2, Verweis auf Mätzner 
II 12 do + pat-Satz als Ausdruck. für. das kausative Ver- 
hältnis.) In der Prosa ist diese Fügung nicht zu belegen, ’wohl 
aber kommen an ' Dutzend Beispiele in. den Verswerken vor. 

22::do hat ein Akk.:Obj. und. einen Infinitiv bei sich, das 
logische Subj. des Inf. ist das Obj. des. regierenden : Verbums. 
Tg.make a.person (to) do 3. th..Chauceer verwendet: die Kon- 
struktion..mit und die ohne to. Der. Gang! der Entwicklung bis 
zu seinem Standpunkte ist ungefähr folgender gewesen: Van 


einem Accusativus. c, infinitivo. kann man, streng genommen, 
erst dann sprechen, wenn die syntaktische Gliederung den Akk. 
nicht als Obj. des Hauptverbums, sondern als Subj. des Infin. 
empfinden läßt. Diese Funktion drängt jene soweit zurück, daß 
der Akk.. auch dort erscheint, wo er nicht Obj. des überge- . 
ordneten Verbums sein kann. Deutschbein sucht den Ausgangs- 
punkt für die ganze Fügung in den Zeitwörtern der Bewegung 
(der sinnlich wahrnehmbaren wie der Gemütsbewegung), wozu 
er auch die der sinnlichen Wahrnehmung rechnet („Infinitiv 
und Gerundium“ in den Neueren Sprachen, Bd. 30/12 1922). 
Der Inf. (ein alter Dativ eines Nomen actionis mit lokativer 
Bedeutung) geht über in einen Akk. des Inhaltes, gleichzeitig 
tritt der Träger des beobachteten Vorganges (= Akk. des In- 
haltes) als ein Accusativus resultativus in das Bewußtsein. 
Mit der Schwächung der Verba — sie werden „modal® — 
gewinnt der Inf. an verbaler Kraft, lehnt sich an den: Aus- 
gangspunkt der Tätigkeit, das vorausgehende Nomen, an, die 
Verbindung wird enger, endlich bilden die beiden eine ge- 
schlossene Einheit, sodaß sie zusammen als Obj.-Gruppe des 
Hauptverbums betrachtet werden können. Im frühen Ae., ist 
die Fügung nur bei Verben sinnlicher Wahrnehmung und Ver- 
anlassung (Ziel, Zweck) verwendet (die Belege für den Akk, 
und Inf. im N.E.D. aus dem 9. Jahrh.), dann gewinnt sie rasch 
an Boden. Vor dem Inf: steht häufig to; dadurch ist der feste 
Zusammenhalt zwischen regierendem Verb und Inf. ohne to 
gelockert, die . Eigenbedeutung des Inf. prägt sich deutlicher 
aus. Im N.E.D. sind unter Ill, 224—d: etliche Unterabteilungen 
nach dem Einteilungsprinzip do+ Akk. mit einem Inf. zusam- 
mengefaßt, wovon zumindest 22b und c besser eine eigene 
Gruppe hätten bilden sollen. 

22 T a (obsol. or archaic) mit einfachem Inf. ohne to; 
so schon im Ae. To do him die=to cause or make him die, 
to put him to death. B. 260/65 (364) .I schal not greetly 
travailen to don the remembren on thise thynges (Orig. haud 
multum tibi haec in memoriam revocare laboraverim), P. 120/25 
(267) .. and doth him haten his synne, (in den Verswerken 
über 70 Fälle): | u | | 


= ie 


22 7 b mit »dative infinitive«, so wird im N.E.D. to+ 
Nennform bezeichnet; damit ist angedeutet, daß die ursprüng- 
liche, dativisch-lokative Bedeutung von to noch nicht völlig 
verblaßt ist und irgendwie zur Geltung kommen soll. Bei 
Chaucer finden sich hiefür jedoch keine Anhaltspunkte mehr. 
(In den Verswerken an 30 Beispiele.) 

.22c (archaic) ein sehr. häufiger Spezialfall der voran- 
gehenden Abteilung, .der schon in der Uebergangszeit vom Ae. 
zum Me. belegt ist: To do (one) to wit, know, or understand, 
to cause (one) to know, to give (one) to understand, to make 
known. to, to inform: jemandem kund und zu wissen tun. 
B. 1440/45 (415) I preie the... that thou do me to un- 
dirstonden it (Orig. nur, quaeso uti quae hinc decernas), 
Mätzner, Gramm. lI, 2 S. 12, erklärt das pronominale Obj. me 
als Dativ, in genauer Entsprechung zum deutschen „jemandem 
etwas zu verstehen geben, begreiflich machen®.. Ein äußeres ° 
Kriterium zur Entscheidung dieser Frage ist in der Zeit 
Chaucers nicht vorhanden, da sich Akk. und Dat. des Pers.- 
Pron. der ersten Person nicht mehr unterscheiden. Aus syntakti- 
schen Gründen wird man aber doch in me den Akk. zu sehen 
haben. 

22 7 d; auch der passive Inf. mit und oline to wird 
gesetzt, to do him (to) be slain, eine Fügung, die aus dem 
14. Jahrh. belegt erscheint. B, 535/40 (376) ... thynkynge to 
manyfesten or publisschen your renoun and doon your name 
for to be. born forth? | 

T 23 (obsol.) Das logische Subj. des Inf. nach do ist aus- 
gelassen, es wäre das direkte Obj. von do; der Inf. hat aber, 
da er gewöhnlich einen transit. Verbalbegriff darstellt, eine 
Ergänzung bei sich, do bind him= make somebody bind him, 
cause him to be bound, have him bound (franz. faire lier) 
binden lassen, So schon im 13. Jahrh. Diese Konstruktion ist 
auch möglich mit to (23 } b) und im Passivum (23 7 c). 

B. 687/90 (384)... and thoughe he do ere his feeldes plente- 
vous with an hundred oxen (Lat. Metrum: Ruraque centeno 
scindat opima bove). (In den Versdenkmälern an die 40 Be- 
lege.) Hier ist eine zweite Auffassung der Funktion von do 


HB — 


. möglich,. daß .es 'nämlich nicht kausatives Hauptverbum sei, 
sondern: als Hilfsverbum in periphrastischer Funktion stehe. 
Davon wird später die Rede sein. In keinem der. Fälle ist 
irgend. ein Einschub zwischen Verb. finitum, Akk. und Inf. zu 
bemerken, nur die Art der Verbindung des Inf. mit dem Haupt- 
verb ist verschieden, 2 X folgt die. Nennform ohne, 1X mit to, 
endlich 1X verstärkt for to, Do, obwohl nicht ein Zeitwort 
der sinnlichen. Wahrnehmung, hat den Inf. ohne to. nach sich; 
denn es gehört in die Klasse der themavokallosen Verba (3.S. 1); 
für sie ist diese Fügung ursprünglich charakteristisch. Im weiteren 
Verlauf der Entwicklung wirkt die Analogie nach zwei’ Rich- 
tungen hin: einerseits werden andere sinnverwandte Verba 
(wie ae. macian, lsetan) in diese Konstruktion hineingezogen, an- 
dererseits nimmt do nach dem Beispiel so vieler anderer Zeit- 
wörter auch den Inf. mit to zu sich. Manchmal mögen äußer- 
* liche Gründe für das Setzen oder Nichtsetzen von to maßgebend 
gewesen sein, z. B. 260/65 mit bloßer Nennform, abhängig vorn 
to don, um eine Häufung von to zu vermeiden (ähnlich wie 
S. 32). Im allgemeinen herrscht bei Chaucer und Gower, seinem 
Zeitgenossen, große Unsicherheit und Unbestimmtheit .in der 
Verwendung von to vor dem Inf. Von beiden Dichtern wird 
das faktitive don öfters mit dem reinen als mit dem präpo- 
sitionalen Inf. verbunden, 80:27 bei. Chaucer (nach Kenyon), 
für seine Prosa ist das Verhältnis 3:2. Mit dieser Frage be- 
faßt sich Brandl in seiner Besprechung des Werkes von Kenyon 
(Archiv 126[26])494); Herm. Sanders, Der syntakt. Gebrauch 
des Inf. im Frühme. (Kieler Stud. N. F. Heft 7, 1915); B. Fehr 
in seiner Besprechung von Einenkels Syntax in Pauls: Grund- 
riß (Archiv 136[36]/313) u.a.m. Schon in der ae. Prosa ist der 
reine Inf: in seiner Anwendung sehr eingeschränkt. Die eigent- 
liche lokative Bedeutung der Präposition to vor dem Inf. ver- 
blaßt, sodaß schon im.Frühme. der präpositionale Inf. ganz 
allgemein geworden ist, besonders durch Analogie nach den 
Verben des Wünschens, Begehrens u. ähnl., die ihn auch im 
Ae. nach sich haben konnten. Lazamon verwendet ihn durch- 
wegs (P. Lichtsinn,' Der syntakt. Gebrauch des Inf. in Laz. Brut. 
Kiel 1913), :Orm "hingegen zieht die einfache Nennform ohne 


ae 59: Fee, 


to ‘vor (Fr. Weyel, Der syntakt. Gebrauch des Inf, im Ormulum, 
Progr. Meiderich, 1896).: In den von Sanders untersuchten 
frühme. Texten 'ist: der reine Inf.. in der Ueberzahl, 67 Fälle 
ohne gegenüber 36 mit to. Franz und Bihl nehmen mit Recht 
an, daß für die -Ausbreitung. von to der Prosa-Rhythmus von 
großer Bedeutung war..P. Fijn van Draat. (Rhythm in Engl. 
Prose, Anglist. Forschgn. H. 29, 1910) hält den Satzrhythmus 
für. die Setzung des reinen oder präpositionalen Inf. im Ne. 
für ausschlaggebend (ch. 4, S. 73). — Die Anknüpfung mit for to 
ist im Ae, noch nicht gebräuchlich (Shearin, The Expression 
of Purpose. in O. E. Prose, führt zwei Fälle an),. im Frühme., 
dagegen (Fehr, Archiv 136[36]/313: Sachsenchronik 1127). und 
besonders in der Folgezeit ist sie sehr häufig. Ueber die Ent- 
stehung dieser Konstruktion sind die Ansichten sehr geteilt; 
Kenyon und: Einenkel (Streifzüge durch die me, Syntax, Hist. 
Syntax in Pauls Grundriß 6 $ 42) sehen im afrz. por (pour) 
vor dem a-+-Inf. das Vorbild für for.to, Shearin und Mätzner 
nehmen nordischen Einfluß an (dän. schwed. för, for at), aber 
Brandi weist darauf hin, daß solches for to beim Inf, schon 
bei Orm zu finden ist, der verschwindend geringe Anklänge 
an das Französische aufweist, ebenso bei Lazamon und anderen 
Autoren um 1200, bei denen ein so tiefgreifender Einfluß der 
französischen Syntax. nicht gut denkbar ist. Auch sonst ist 
for to besonders in nördlichen Dialekten häufig zu belegen. 
„Solch volkstümlicher Charakter der Fügung hätte... warnen 
können, den Schein des Eindringens von außen zu erwecken.“ 
Auch Fehr findet schon im Ae. alle Keimansätze für die 
spätere Entwicklung. Sanders gibt eine ausführliche Darstellung 
des organischen Werdens. In der ursprünglichen Stellung 
for-Obj.+to-Inf. wurde das Obj. von seiner Präposition los- 
gelöst, .die so unmittelbar vor to mit dem Inf. zu stehen kam, 
(Belege für beide Stellungen z. B. in den Vices und Virtues 
ed. Holthausen.) Im weiteren Verlaufe wurde sie als Bestand- 
teil der Inf.-Fügung angesehen.. For ‚to wird .gern zur Betonung 
der finalen Bedeutung verwendet, so bei den Verben der Be- 
wegung; for bezeichnet ja auch den Zweck und war: daher 
zur Verstärkung des verblaßten to besonders geeignet (deutsch: 


— 0% — 


' um zu, niederländ.: om te). Sehr früh schon (Ancren Riwle, 
Mitte des 13. Jahrh.) wurde die Konstruktion auch ohne be- 
sonderen finalen Sinn angewendet, sodaß to und for to bald 
ohne syntaktischen Unterschied gebraucht wurden. Seit dem 
Ausgang des Mittelalters ist letzteres wieder selten geworden. 
Gleichwertige Formen können sich auf die Dauer nicht nebenein- 
ander behaupten; das schwerfällige, der Sprachökonomie wider- 
sprechende for to mußte dem einfachen to den Platz räumen, außer 
in den Mundarten, wo es bis heute bewahrt ist. Im Frühme. tritt so- 
gar eine Vereinfachung nach der anderen Seite hin ein, indem nach 
don for + Inf. ohne to gesetzt wird. Shakespeare hat an einigen 
Stellen noch for to, bei seinen Zeitgenossen galt es als archaisch 
(L. Kellner, Hist. Outlines; Franz, Shakesp. Gramm. $ 651, 
Anm, 1). Satzrhythmisch ergibt sich das Bild: dön your näme 
för to b& born förth? Aus rhythmischen Gründen scheint die 
Verstärkung des einfachen to dann einzutreten, wenn das 
Wort vor to auf der vorletzten Silbe betont ist, also xx for 

to X (=verb), ebenso, wenn das Verbum mehrsilbig ist und 
_ der Ton auf seiner letzten Silbe ruht, XX for t6 XX (=verb); 
für den ersten Fall z. B. B. 145/50 (358) thei han 'höped för to 
döon, 880/85 (392) we schulde .. enquere för to witen, 825/30 
(390), 1865/70 (434) usw., 700/05 (384) that is för to seyn, 
(sonst aber werden die Glossen stets durch that oder this is to 
seyn, 154, bez. 18X, eingeleitet), für die zweite Betonungsart, 
z. B. B. 145/50 (358) liberte for t6 han üsed, 200/05 (361) the 
wfl for t6 enhäbyten there (wenn nicht Apokope eintritt), 
705/10 (385) as möchel äs for t6 be hölden u,a.m. 


Das sinnverwandte Verbum let. 


Als Faktitivum nimmt do bei Chaucer und im Me. über- 
haupt eine. Uebergangsstellung ein. Etwas ähnliches war schon 
beim transitiven Gebrauch zu bemerken; das ae. wyrcan wurde 
vielfach durch don ersetzt, aber diesem gegenüber tritt make 
bald in den Vordergrund, sein Verwendungsgebiet wurde immer 
vielseitiger. So auch hier: das kausative do steht für lsetan, das 
früher gewöhnlich nicht nur im Sinne von „zulassen“, sondern 


== 56 


auch in der Bedeutung von „veranlassen, bewirken“ gesetzt 
wurde, so z. B. noch bei Rob. of. Gloucester (nach Moore), Der 
Grund für die Bevorzugung von 'don mag: im Streben nach 
genauer Unterscheidung und Eindeutigkeit des sprachlichen Aus- 
drucks gelegen sein. Doch das kräftige make verdrängt auch 
hier wiederum do, das also eine ähnliche Mittelstellung zwischen 
den beiden Verba einnimmt wie in der transitiven Verwendung. 


N.E.D.let IL: Gebrauchsarten, die einen’ folgenden Infin. 
(meist ohne to) bedingen. 12: not to prevent, suffer, permit, 
allow, vom Ae. bis in das Ne. 


13: to cause. Auch in diesem Sinne ist es im Ae. zu finden, 
doch schon im Frühme. überwiegt das „zulassen“. In den von 
Sanders untersuchten mehr als 60 frühme. längeren und kürzeren 
Texten stellt er 114 Fälle für Il,12, nur 56 für IL,13 fest. Vom 
15. Jh. ab wird let(en) = veranlassen nur mehr: verwendet in 
der jetzt noch gebräuchlichen Verbindung: to let s.o. know, 
(= inform of s. th.) jem. elwas wissen lassen. 


14: auf: die Befehlsform let folgt ein Subst. oder Pron. als 
Obj., darauf ein Infin. eines Begriffsverbums; let dient gleichsam 
als Hilfszeitwort in abgeschwächtem kausativen Sinne, die ganze 
Wortgruppe entspricht der Aufforderungs- oder Befehlsform der 
1. oder 3. Person des im Infin. stehenden Hauptverbums (Conjunct. 
hortativus). 


Belege für let II, 12: B. 660/65 (382) but yif the hand of hym 
that it (=the crop) bente, leet it goon ageyn, anoon the crop 
loketh upryght... (Lat. Text: Hanc[= virgam] si curvans dextro 
remisit-Recto spectat vertice cacumen.), P. 720/25 (293)... 
sheepherdes that leten hir sheepe .. go renne to the wolf. 


Grenzfälle zwischen IL,12: und Il.13: B.610/15, P. 570/75, 
990/95, zwischen 1,12 und 1,14: M. ey: 2x, 2910/15, 
P. 1010/15 2X, — 


Für 1,13 let = veranlassen entsprechend do Ill} 23:B. 
515/20(375) He leet brennen the cite of Rome, and made . 
sleen the senatours; (.. Urbe flammata patribusque caesis), 
B.515;20(375)... that is to seyn, he leet sleen and sliten the 
body of his modir (Glosse), B, 1595/60 (422)... that is to seyn 


= I 


that Agamenon le et kutten thethırote of his doghter...... (Glosse), 
M. 2190/95 (94). .this Melibeus leet callen a greet comgregacioun. 

Für II, 14: Im B. 23 Fälle, ausnahmslos zur Wiedergabe des 
lat. Conjunctivus verwendet, in M. 9X, in P. 5X, weitaus die stärkste 
Gruppe. — In 515/20 wurden let und make unmittelbar hinter- 
einander gesetzt; eine kleine Differenzierung in der Bedeutung 
prägt sich darin aus, daß in let mehr das passive Zulassen, 
nicht Einhalt tun liegt, make das aktive en BEIeIen 
deutlicher ausdrückt. F | ! 


Das sinnverwandte Verbum make. j 


Nach dem N. E, D. make IV causative uses: 


52: to cause (s.th.to happen) to bring it about (that s. th. 
happens) mit einem abhängigen that-Satz, schon im Ae. ie 
Diese Gruppe entspricht do II, + 21, 


53: aber auch mit einem Obj. und Infin. bedeutet make to 
cause a person or thing to do s. th, to have s. th. done to a 
person or thing; a) der Infin. ist ohne Präposition beigefügt 
(jetzt nur, wenn make.und das abhängige Verb aktiv en) 
= do, 22 7a. 

b) der Infin. hat to, for to vor sieh Meute wenn make 
Be konstruiert ist) = do, 22 7b, 


-d) ein unbestimmtes Obj. an enteprechnd do 7 23, 
unerwäb nt bleiben. 


Diese Konstruktion wäre nach Sanders im Ae. noch nicht 
gebräuchlich, aber die ersten Belege des N. E.D. stammen doch 
schon aus der Uebergangszeit, und zwar liegt der erste an- 
geführte to-Inf. abhängig von make zeitlich ‚nicht viel später 
als das Beispiel für den Infin. nach make überhaupt. Für 53a 
gibt N.E.D. eine Stelle aus 1175 (Lamb. Hom. ) für 3b aus 
dem Jahre 1200. (Trin, Coll. Hom.) — 
| Beispiele für 52: B.6 x, in Klammer steht. de eiiisrechänle 

lateinische Ausdruck 45/50 (Quis: dedit ut), 280/85 (facit); 440/45 
(faciet), 675,80- n un Ss Ze = zn aa D 2 *% 
685/90, 74550; .. .\ N 


u 


für 53a: B.6x, 180/85 wynter that maketh the leves falle 
(Skeat 137 b... The levesto falle) (frondisfluae frigore brumae), 
290/95 (fecit), 495/500 ( —.), 575/80 (effieit), 680/85 (faeiunt), 
875/80. (facis) ; ‚M. 2X, N a P.3 x,.335/40, en 
705/10; 

.für 53b: B.10x, 425,30 (fecerit), 72085 (eflcere), 790/95 
(perfieiunt), 1115/20,. 1120725 2X und noch das unter 52’ ge- 
gebene Beispiel (coegerat iunxitque . .), 1535/40, 1605/10. B. 930/35 
(395) stellt einen Parallelfall zu do, 22c dar: that thou madest 
me clerly to undirstonde what . .(id. . patefaceres), 420/25 (371) 
zu do, 22 +d avaryce maketh alwey mokeres to be hated and 
largesse maketh folk cler of renoun (si avaritia semper 0diosos 
claros largitas facit); das: einfache facit ist zweimal durch make 
und jedesmal mit anderer Konstruktion gegeben. M. make 4X 
mit to 2335/40, 2930/35, mit for to 2170/75, 2680/85, P.11x, 
140/45 zweimal, 230/35 zweimal, 310/15, nn 615/20, pe 
he 690/95, 730/36. 

‘Bei Chaucer stehen sich nach Kenyon 76 Infin. ohne. to 
und 121 mitto nach make. gegenüber, Bihl findet übereinstimmend 
etwa 70 mal reinen, 90 mal präpositionalen Infin. und ungefähr 
30 mal for to. (Prosa B.6:10, M.2:[2+ 2], P.3::.11). Lazamon 
kennt nach make nur den Infin. öhne to, Orm gebraucht ihn 
nach make überhaupt nicht. In der Ancren. Riwle: ist das 
Verhältnis 18 Infin. ohne, 16 mit to, bei Langland 10:15, bei 
Pecöck 17 : 33, auch Lydgate verbindet oft make mit dem Infin. 
ohne to. In der Bibel-Uebersetzung halten sie sich. das Gleich- 
gewicht. Shakespeare setzt häufiger den präpositionalen Infin. — 
Fijn van Draat (Rhythm in Engl. Prose, ch. 4 $ 36) zieht auch 
Chaucers Prosa und besonders den Boethius heran und kommt 
zum Schlusse, daß das Setzen oder Weglassen von to vor. dem 
von ‚make: abhängigen: Infin. hauptsächlich durch den Satz» 
rhythmus bestimmt wird, um das Aufeinanderprallen von Hoch- 
tönen zu vermeiden; to führt zu Typen wie xX to X, zB. 
B.1605/10 (422) and made his hors to freten hym, M. 2335/40, 
P. 615/20 (288) they make ‘a man to wene of, 650j55. oder 
xX.to x> X, bez. xX mit ev. Akzentverschiebung, z. B. P. 230/53 
(271) maketh a man to waymenten, 665/70 (290), maken hir 


BA 


servantz to travaillen, 610/15 & 730/35, wenn nicht Apokope 
eintritt; so werden zwei Hauptakzente auseinander gehalten. 
(Die von Fijn van Draat hiefür gebrachten Zitate nach Einenkel 
[S. 79... Boeth. III 187, 701 a..] sind unrichtig. Einenkel gibt 
in seinen „Streifzügen® nur Consol. 1942, 2059. II 187: be- 
zieht sich auf Chaucer, Aldine- ed. von Morris, ebenso S. 81: 
IIE bedeutet ‘die Band-, 187 die Seitenzahl, F, van Draat hat die 
diesbezügliche, ausdrückliche Bemerkung Einenkels übersehen.) 


Andere Kausativa. 


Die drei genannten Verba stellen aber durchaus nicht die 
einzigen Faktitiva oder Kausativa dar; wohl verwendet Chaucer 
hauptsächlich sie, um ein Veranlassen, Bewirken auszudrücken, 
doch sonst kommen im Me. noch mehrere Verba. in Betracht, 
unter ihnen cause und im Norden kesonders gare, gere (ae. 
gearwian, gyrwan, an. görva, ger(v)a, ahd. gar(w)en). Für das 
Me. liegen die Dinge nicht nur der Zeit nach, sondern auch 
je nach der Gegend sehr verschieden; im Frühme, tritt z. B. 
make in diesem Sinne noch bedeutend zurück gegenüber do, 
im 15. Jahrh. hingegen ist es als Kausativum vor allem im 
Norden häufig anzutreffen, do. erscheint in dieser Verwendung 
im 14. und 15. Jahrh. dort so gut wie nie. Doch auch make 
wird in den Hintergrund gedrängt durch gar(e), das hie und 
da sogar zu einem Hilfsverbum geschwächt wird — eine höchst 
bedeutungsvolle Parallele. für die Entwicklung von do. in der- 
selben Richtung, die noch zu besprechen sein wird. Im Norden 
geht also make vor do, gar vor make. Klar ersichtlich wird 
das aus der Zusammenstellung von J. F. Royster, Mod. Phil. 
12/195 Anm. 1 (1915), in Barbour’s Bruce Buch 1—11 z. B. 
do 0, make 2, gar 71, York plays 3:13:21, Townley plays 
3:16:27; im Bruce wird gar. auch auxiliar gebraucht. Zilling, 
Das Hilfsverbum Do im Me... stellt fest, daß für das kausative 
did einiger Handschriften des Cursor M. (G ”) andere R T) 
neben let und make auch gar setzen. 


iu sh 
2. Stellvertretendes do, 


Zu allen Zeiten gibt es zahlreiche Belege für den Ge- 
brauch von do als Platzhalter und Stellvertreter für Haupt- 
verba. Um das Vollverbum in einer einfachen Zeit nicht noch- 
mals setzen zu müssen, nimmt man mit Vorliebe die ent- 
sprechende Form von do zum Ersatz; so ist die Wiederholung 
vermieden. Als Verbum vicarium ist do begrifflich und formal 
»a substitute for other verbs«, seine Funktion die eines Hilfs- 
zeitwortes. 

N.E.D. 24a: do als Proverb ohne besondere Konstruktion 
(schon im Ae.), es ist sozusagen intransitiv (II,15), es bleibt 
sich gleich, ob das vertretene Zeitwort nun mit oder ohne 
Akk.-Obj. gebraucht ist. Stets handelt es sich hier um Modal- 
und zwar Vergleichsätze, die in Bezug auf Grad oder Maß 
positiv oder negativ sein, d. h. Gleichheit oder Ungleichheit 
ausdrücken können. 1. Gleichheit: B.485/90 (374) thei doon 
as greet damages as doothe the flaumbe of ... Etna .. 
(quae flammis Aetnae eructuantibus dederint ..), B. 1705/10 
(427) .. as men doon (..si uti homines..); P.135/40 (268), 
185/90 (269), 580/85 (286), 720/25 (293), 885/90 (300); 2. Un- 
s:eichheit: P. 595/600 (287), 640/45 (289) And more shame do 
they..., than dide they that... Astrol. 358/62 (657). Die 
Modalsätze der Gleichheit werden immer mit as (verstärkt 
right as P.185/90) eingeleitet und stehen immer hinter dem 
Hauptsatze, sie bringen einen nicht verkürzten, vollständigen 
Vergleich mit dem Inhalt desselben. Ein Korrelat in letzterem 
weist nur B. 485/90 auf, sonst steht die Konjunktion as ohne 
solches, das Moment der Proportionalität wird bei den kürzeren 
Sätzen nicht so stark betont. Die Modalsätze der Ungleichheit 
beginnen mit dem Erkennungswort than, das den voran- 
gehenden Komparativ ergänzt und ihm unmittelbar (595/600) 
oder durch andere Bestimmungen getrennt folgt. — Normale 
Wortstellung zeigt nur B. 1705/10, in den übrigen Fällen ist 
durchwegs Inversion zu beobachten; sie erklärt sich aus der 
Schwere der Subj., die entweder Nomina mit näheren Be- 
stimmungen, Beifügungen etc. sind — sie müssen schon aus 

5 


= 6 


rhythmischen Gründen an das Satzende treten — oder durch 
Pronomina mit anschließendem Relativsatz gegeben werden 
(P. 720/25 (293) .. as doon they that han... 640/45 s. 0.). 
(Die Bemerkung F. Heuslers „Die Stellung von Subj. und Präd. 
in der Erzählung des Mel. und des Pfarrers in Ch.s C.T.“ 
über die Inversion in Vergleichsätzen ist nicht ganz klar.) 
In B. 485/90. und P. 640145 (beide Beispiele oben angeführt) 
kommen die beiden Verwendungsarten von do als Haupt- 
und als Hilfsverb unmittelbar nebeneinander zu stehen, denn 
do ist als Vollverb das Verb. finitum des Hauptsatzes, das. 
dann im Nebensatze durch das Proverb do vertreten wird. 

N.E.D. 24c: Die Stellvertretung beschränkt sich nicht nur 
auf den Begriff des Hauptverbs, sondern do übernimmt auch 
die.Konstruktion des Vollverbs; daher ist es häufig transitiv 
und nähert sich dann der Gruppe I,6 (do mit Akk.-Obj.). 
1. Gleichheit: M. 2875/80 (114) Ilove... youre profit as I do 
myn owene and ever have done. ., das zweite do leitet über 
zu I,6 oder zu II,15 (intrans.): ever have done it, oder done 
so; M. 2235/40 (95) as muche availeth to speken bifore folk... 
as doth to synge biforn hym .„.. ein sehr seltener Fall, wo 
to-+-Infin. von do in vikarierender Funktion übernommen wird; 
P. 650/55 (290) maken folk to laughe at hire japerie as folk 
doon at the gawdes of an ape. Hier ist do intransitiv ge- 
braucht. — 2. Ungleichheit: B. 1800/05 (431) that alle the 
thingis.... usen more of hir faculte or of hir power than 
thei don of the faculte or power (.. ut .. cuncta sua potius 
facultate quam eorum ... utantur?); M. 3015/20 (117) grace 
and mercy strecchen hem ferther into goodnesse than doon 
oure ... giltes and trespas into wikkednesse; P. 640/45 (289) 
God loveth bettre that freendshipe.. than he dide his owene 
body. Die Erweiterungen des Nebensatzes bewirken regel- 
mäßige Wortfolge, nur M. 3015/20 erfolgt Inversion wegen der 
Schwere des. Subj. . 

N.E.D. 24d: Diese Unterabteilung gibt den Zusammenhang 
zwischen do als selbständigem Zeitwort mit Eigenbedeutung, 
mag es nun transitiv oder intransitiv sein (I,6; II,15), und do 
als stellvertretendem Hilfsverbum. To do so=to act thus, to 


= 67, Zi 

do it=to perform this act. Do hat seine Selbständigkeit nur 
in gewissem Sinne verloren, der Eigeninhalt muß zum größten 
Teile aufgegeben werden, um den des vorangehenden Verbums 
zu übernehmen, aber in äußeren Merkmalen kommt doch eine 
gewisse Unabhängigkeit zum Ausdruck, do wird anders kon- 
struiert als das Hauptverb, steht in einem anderen Satze — 
kurz, es hat viel mehr Eigenleben und Eigenbedeutung als in 
den vergleichenden Nebensätzen. Wie bei allen diesen Grenz- 
gruppen gibt es Uebergangsfälle zwischen dem Verwendungs- 
gebiet des Vollverbums do und der auxiliaren Funktion. Da 
es sich nur um wenige Beispiele handelt und fast jedes der- 
selben andere charakteristische Merkmale aufweist, mögen sie 
einzeln angeführt werden. B. 1235/40 (406) ... overthroweth 
hem. And certes so doth distempraunce to feble men that... 
(.. eos libido praeeipitat: sie quoque intemperantia fragiles 
qui ..). Hier liegt kein Vergleich mehr vor; do ist eigentlich 
intransitiv und steht für overthrow, es hat aber kein Akk.-Obj. 
wie dieses, sondern duldet nur ein Dat.-Obj. bei sich; to do 
so to feble men=to do it to f. men (Uebergang zu 1,6) =to 
overthrow. f. men. M. 2380/85 (100) .. of hem that... beren 
thee greet reverence, ... they doon it moore for drede than 
for love; to do it steht für to perform the act of reverence. 
Astrol. 209/11 (649) than begynneth it (the sterre) to descende: 
and so doth the sone, (ähnl. B. 55/60 .s. S. 51); to do so=to 
act thus spart die Wiederholung der langwierigen Konstruktion 
des vorangehenden Satzes, ebenso Astrol. 319/22 (655) Rekene 
...a5 thou art wont to do in knowyng.., do heißt soviel als 
do it, die Handlung ausführen, die in rekene des Hauptsatzes 
ausgedrückt erscheint. Die Wendung wont to do, to done ist 
formelhaft geworden und auch bei Chaucer des öfteren anzu- 
treffen. | | 

Außer bei diesen Grenzfällen zwischen primärem und 
auxiliarem do fällt auch noch bei etlichen anderen Beispielen 
die Entscheidung schwer, wohin sie einzureihen sind; allerdings: 
handelt es sich nicht um so große prinzipielle Unterschiede, 
sondern nur darum, ob sie nicht zur Schwestergruppe 24a 
gehören. P. 400/05 (279) whan men do nat honour as hem 

5% 


oughte to doon, 745/60 (294)... dooth moore observaunce in 
kepynge..than he dooth to service of Jhesu Crist. In beiden 
Vergleichsätzen würde es wieder sich selbst vertreten (ähnl. 
wie B. 485/90, M. 640/45). Den ersten Fall stellt die formel- 
hafte Wendung (wie wont to do im Astrol.) in diese Gruppe, 
den zweiten die vollkommen unabhängige, ja vom Hauptsatz 
abweichende Fügung des Nebensatzes. P. 855/60 (299) .. yet 
wol they kisse though they may nat do, 965/70 (304) . 
sholde namoore synge masse; and if he dide... nimmt do 
wohl den Begriffsinhalt anderer Verba auf, aber doch in viel 
selbständigerer Funktion als in den früher angeführten Ver- 
gleichsätzen. 


3. Umschreibendes do. 


Folgerichtig schließt sich an diese zwei Gruppen die dritte, 
die des umschreibenden do an, >as a periphrastic auxiliary« 
beim Indik. Präs. und Imperf. und beim Imperativ, denn sie 
steht mit einer der beiden in ursächlichem Zusammenhang. 
Der Ursprung für diese Funktion von do ist nur von den zwei 
Ausgangspunkten möglich, allerdings von welchem, das ist eine 
noch jetzt oft und oft erörterte und viel umstrittene Frage. 
Die Entstehung und Verbreitung des do als umschreibendes 
‚Hilfszeitwort ist gewiß. eines der wichtigsten Probleme in der 
Entwicklung des Verbums. Wie weit ist nun diese Funktion 
bei Chaucer gediehen? In der Prosa findet sich kein einziger 
‚sicherer Fall. Es käme höchstens die eine Stelle im B. 687/90 
(384) in Betracht: .. and thoughe he hadde his nekke charged 
with precyous stones of the rede see, and thoughe he do erehis 
feeldes plentevous with an hundred oxen .. (Anmerk. in der 
Globe-ed.: do ere ='have his fields ploughed). Lat. Text lib. II 
metr. 3: Quamvis ... Oneretque bacis colla rubri litoris — 
Ruraque centeno scindat opima bove. 

Royster (s. S. 6) meint, man könne nicht von vornherein 
sagen, ob die Handlung indirekt, do daher »causative« (= he 
‚had the ploughing done), oder direkt und do infolgedessen »auxi- 
liary« sei. Wenn auch die Entscheidung zu Gunsten des kausa- 


tiven do auf den ersten Blick leicht. erscheine, müsse man 
doch berücksichtigen, daß Alfred den Satz mit dem Ausdruck 
der unmittelbaren Tätigkeit wiedergibt: Hwelc fremu byd pa 
welgan gitsere p(zet) he gegaderige ungerim pissa welena & zelces 
gimcynnes genog begite? & peah he erige his land mid pusend 
sula, & peah ... (ed. Sedgefield, S. 60/29, XXVI $ II). Doch 
dieser Einwand gilt nicht mehr für die Cotton Metra:... 

beah he micel age 

goldes & gimma (& gooda ge)hwzes, 


 xhta unrim, (& him mon erigen sc)yle 
. xgwhelce deg (zcera pusend, 
deah) ... (III Metr..3 XIV/4 S. 173). 


(Elisabeth II/3: Thogh riche man .. With 100 oxe the fildz 
doth til ...) Im lateinischen Text ist unter scindat das 
lateinische activum causativum verstanden (wie z. B. pontem 
facere, eine Brücke schlagen = schlagen lassen), so wird auch 
erige bei Alfred gemeint sein, denn schon der Vorgang selbst 
wäre nach wörtlicher Auslegung wohl praktisch unmöglich 
(eigenhändiges Pflügen mit 100, bei Alfred gar 1000 Ochsen!). 
Der vorangehende koordinierte Nebensatz unterstützt durch 
seine Konstruktion die Auffassung, daß do hier nur die Ver- 
anlassung, den Impuls zur Tätigkeit bezeichnet, nicht aber in 
umschreibender Funktion gesetzt ist. — Solche doppeldeutige 
Fälle kommen sonst in der Prosa weder der äußeren Form 
noch dem Sinne nach vor, daher mögen ausnahmsweise schon 
jetzt die betreffenden Belege der Versdichtung in Kürze heran- 
gezogen werden, um dieses Problem in einem behandeln zu 
können. = | 


Historische Entwicklung der Konstruktion. 


Zuerst einige Bemerkungen zur Entwicklung der Um- 
schreibung: Schon Mätzner (Engl. Gramm. II 3/62, 1867) führt 
das mit dem Inf. verbundene umschreibende don zurück ent- 
weder auf eine Bedeutungsabschwächung des ebenfalls mit Inf. 
gefügten faktitiven don oder aber, und dieser Ansicht gibt er 
entschieden den Vorzug, auf seine stellvertretende Verwendung, 


> 70 


seine „vikarierende Funktion*. „Doch scheint es natürlicher, 
die Umschreibung aus der Gewohnheit zu erklären, ein voran- 
gehendes Verb im weiteren Verlauf der Rede durch do ver- 
treten zu lassen, eine Gewohnheit, welche von der hetütigen 
Sprache bis ins Ags. hinaufreicht (S. 62) ... Im Ae. und Ags. 
ist die Vertretung eines vorangehenden Zeitwortes durch do 
sehr gewöhnlich (S. 152)... Daß man zu do den Inf. des 
vorangehenden Zeitwortes als den substantivierten Begriff der 
Tätigkeit zu ergänzen hat, scheint selbstverständlich . .* (S. 210). 
Dietze stimmt bei (S. 10), ja er geht noch weiter (S. 13). „Doch 
hat man vielleicht überhaupt nicht nötig, eine Entstehung des 
umschreibenden do auf englischem Gebiete anzunehmen. Die 
Tatsache, daß sich entsprechende Periphrasen auch in anderen 
altgermanischen Dialekten vorfinden .. , spricht schließlich dafür, 
daß wir es hier mit einer sehr alten germanischen Erscheinung 
zu tun haben, die möglicherweise (!), bei ihrer damaligen Selten- 
heit, in den ältesten englischen Texten nur zufällig (!) nicht zu 
belegen ist“; vgl. dazu auch Sam. Moore, S. 393 u. Anm, 20. 
Royster lehnt Dietzes Ausführungen völlig ab, — »Of necessity 
his evidence is wholly insufficient, and his conclusions are 
worthless« (S. 454) — besonders wegen des Mangels an Be- 
legen aus der Zeit nach 1400, die gerade für diese Fügung 
äußerst wichtig und bedeutungsvoll war, Er erspart auch nicht dem 
N.E.D. den (berechtigten) Vorwurf, Dietzes Darlegungen »quüite 
carelessly« gefolgt zu sein. Tatsächlich ist im N.E.D. auf Dietze 
verwiesen »for a detailed treatment of this (=do as a periphr. 
auxil.)e und die wichtigsten Daten der Entwicklung sind sehr 
allgemein angegeben; es kommt häufiger im Me. (als im Ae.) 
vor, besonders zahlreich aber ist es nach 1500 anzutreffen: 

Auch Sweet (N. Engl. Grammar $ 2172, 2174) will in der 
Stellvertretung des do für andere Verba, in diesem half-auxiliary 
use, die Uebergangsform zum reinen Hilfsverbum sehen. Schon 
im Ae. steht do nicht nur an Stelle vorausgegängener Zeit- 
wörter, sondern es nimmt auch nächfolgende vorweg, z. B. 
se mona deb &gher, ge wiext ge wanap (der Mond tut beides, 
er nimmt’ zu und nimmt ab). So wird do endlich als direktes 
Hilfszeitwort mit dem zweiten, dem Hauptzeitwort im Inf. ver- 


a 


wendet (full auxiliary use), im Ae. nach Sweet sehr selten. Die Ana- 
logie nach den anderen Auxiliarien, die mit dem Inf. verbunden 
werden, mag mitgewirkt haben. Lounsbury geht ebenfalls von 
do als Proverb aus; das Hauptverb wäre trotz der Stellver- 
tretung durch do doch noch in vielen Fällen hinzugefügt worden: 
he went and so did I — go. Diese pleonastische Ausdrucks- 
weise, do mit dem vertretenen und gleichwohl wiederholten 
Zeitwort im Inf. führe dann zu den allgemeinen umschreibenden 
Formen. Man würde daraufhin erwarten, im Me. auf manche 
solche do gefolgt von einem Inf. zu stoßen, aber so häufig do 
in dieser Funktion erscheint, so selten ist es mit einem Inf. 
zu finden. | | | 


Alfred. 


Als den ersten Belegen für das umschreibende do wird 
zwei Stellen aus Werken Alfreds besondere Wichtigkeit 
beigemessen, im N.E.D. erscheinen sie als die frühesten Bei- 
spiele, Dietze (S. 9), Sweet u. a. heben sie hervor. N.E.D. 
25a) einfache Umschreibung in bejahenden Sätzen, Orosius 
{X 85, Dietze-Sweet E.E.T. S.48/9) Aeftre dem hie dydon 
xgber ge cyninga ricu settan ge niwu ceastra timbredon, 25b) in 
Sätzen mit Inversion, Boethius 14/17—18 (N.E.D.VI,10): Swa 
dod nu da peostro pinre gedrefednesse widstandan minu (m) 
leohtu(m) laru(m). Im lateinischen Text findet sich lib. 1 metr. 
VI gerade für diesen Satz keine Entsprechung. Auffallend ist - 
und zur Vorsicht muß mahnen, daß die beiden Fälle im Ae. so 
vereinzelt sind und von den nächsten sicheren Belegen (erst im 
Me. 13. Jahrh. 2. Hälfte) zeitlich so weit abstehen. Die Bedenken 
gegen eine so frühe Abschwächung zur periphrastischen Ver- 
wendung erscheinen völlig berechtigt. Deutschbein (S.81 835 
Anm.) hält die Stellen für sehr zweifelhaft, „das eine Beispiel 
aus dem Orosius bedarf sicher anderer Auffassung“ (vgl. Wülfing). 
Jedenfalls ist die Konstruktion in diesem Satze nicht bis zum 
Ende durchgeführt, man würde zwei Infin. oder zwei Personal- 
formen erwarten. Am nächsten liegt wohl, hier settan mit 
timbredon übereinzustimmen und es in die entsprechende Form 


setton, Prät. plur., zu setzen. Diese Lösung schlägt auch Wülfing 
vor (Die Syntax in den Werken Alfreds des Großen 1.1884, 11 1904), 
er will setton setzen und ein Komma. hinter »gber einfügen, 
sodaß von dydon nur dieses abhängig wäre, Do weist auf die 
beiden Hauptverba hin, die dann selbständig als Verba finita 
erscheinen, der Begriff des Handelns wird durch die beiden 
folgenden Zeitwörter näher spezifiziert. Im Ae.kommt das häufig 
vor, so auch Boethius 137/9 : pset hio oder twega do odde 
breatige odde.. leanige. Das stimmt genau mit der .Fügung 
überein, die Sweet im Auge hat ($ 2172, half auxiliary use) und 
gerade früher erwähnt wurde (S. 70, Do ist hier nicht 
periphrastisch gebraucht, man könnte es höchstens als Proverb 
(24d) ansehen. Bis jetzt ist noch nicht festgestellt worden, ob 
ein Zusammenhang zwischen diesen und anderen auffallenden 
Stellen im Me, besteht; in letzteren erscheint das Hauptverbum 
nach do nicht im Infin., sondern ebenfalls als Verbum finitum, 
sodaß das formative Element doppelt ausgedrückt ist, einmal 
in der Flexionsendung des primären Verbums, das zweite Mal 
in Gestalt des umschreibenden do. (Dietze, S.13, schon bei 
Lazamon, Mätzner, Ae. Sprachpr. don Nr. 9, N. E. D: III, 25 + d). — 
Eine zweite Möglichkeit zur Erklärung dieses Satzes. liegt in 
der Setzung von zwei Infinitiven; schon die erste Nennform 
settan läßt ohnehin auf ein timbrian schließen. Doch auch hier 
handelt es sich sicher nicht um die umschreibende, sondern 
vielmehr wieder um die stellvertretende Funktion von do, die 
ja im Ae. besonders vielseitig sein konnte, Do steht vor den 
Zeitwörtern, weist auf sie hin, nimmt den Begriff des Tuns gleich- 
sam vorweg; der Beginn einer Handlung, das Vorhandensein 
einer Tätigkeit wird dadurch hervorgehoben ; worin dieses Tun 
besteht, wird durch die folgenden Infin. veranschaulicht und 
erläutert. Boethius 34/20—29 bietet ein schönes Beispiel hiefür: .. 
hu ne wile he donn don swa hi dydon and get dod, ealle da ricu 
be him under biod odde awer on neaweste, forslean and 
forheregian, sw» swa fyres leg deä..haäfeld... Auch 
der in Rede stehende Beleg Boethius 14/17 ist so aufzufassen: . .. 
eac se broc, don paer micel stan... and hine todald and hi his 
rihtrynes widstent. Swa dod nu da beostru.. widstandan 


u a 


minu(m).. laru(m). Swa dod ist nach dem inneren Gedanken- 
gang und auch nach der äußeren Fügung als Stellvertretung. 
für das vorangehende widstent anzusehen (gehört also zu24c 
— stellvertret. do mit der Konstrukt. des vertret. Verbums —, 
da ein Dativ davon abhängt), der Begriffsinhalt von do wird 
nun durch das pleonastische Hinzusetzen des. vertretenen Zeit- 
wortes nochmals aufgenommen. und erläutert, wohl aus dem 
Grunde, damit die Konstruktion des Satzes, die Abhängigkeit des 
Dativs larum vom Verbum ja recht deutlich werde. Eine Ver- 
wendung von do als direkt umschreibendes Hilfszeitwort ist 
also noch nicht anzunehmen. Die Beispiele scheinen wenigstens 
teilweise die Ansichten über die Entstehung des periphrastischen 
do (Sweet, Lounsbury. u.a.) zu bestätigen, aber diese ohnehin 
nicht häufige Ausdrucksweise, das stellvertretende do nochmals 
durch einen Infin. zu erklären, verschwindet, das Bindeglied. 
zwischen den frühen vereinzelten Beispielen im Ae, und dem 
Auftauchen des wirklich umschreibenden do im Me. fehlt. Schon 
die ersten Fälle hiefür können keineswegs von dem erwähnten 
Gebrauch: abgeleitet werden. 

Das faktitive oder kausative do bietet eine viel. bessere 
und vorteilhaftere Grundlage für ihre Erklärung. Do mit dem 
Infin. bedeutet ursprünglich veranlassen, bewirken, daß etwas 
geschieht. Nun wird es bei den meisten me. Autoren, auch 
bei Chaucer an Stellen verwendet, wo die Tätigkeit nicht durch 
Stellvertretung, sondern auch vom Subj. persönlich ausgeübt 
werden kann, die Hauptsache ist die Handlung (oder das Er- 
gebnis derselben) selbst, darauf wird der Nachdruck gelegt, 
nicht auf die Art der Durchführung, ob nun die handelnde 
Person das Tun direkt persönlich vollzieht oder indirekt durch 
jemand anderen vollziehen läßt. So wird do geschwächt, ver- 
liert mehr und mehr von seinem eigenen Inhalt und der Infin.. 
übernimmt die Hauptrolle. Mit der Zeit wird das so gewöhn- 
lich und formelhaft, daß do, did+Infin. dem Präs. oder dem: 
Past Tense des betreffenden Verbums gleichkommt. Die ein- 
fachen Zeiten werden auch wirklich neben dieser Verbindung; 
gebraucht, ein Zeichen, daß dem Sinne nach nicht mehr zwi- 
schen ihnen unterschieden wird. Dadurch, daß die kausative 


u ZA 


äußere Form ihren geistigen Inhalt verliert, daß die ursprüng- 
liche Bedeutung verwischt wird, entsteht in vielen Fällen Un- 
klarheit, was mit do und Infin. gemeint ist, ob ein indirektes 
Eingreifen des Subj. und dann do als Kausativum steht oder 
endlich do in umschreibender Funktion eine unmittelbare Tätig- 
keit desselben bezeichnet. — Das ältere französische faire, das 
ebenfalls zu einem Hilfsverbum reduziert worden war, wird 
kaum von sehr großem Einfluß gewesen sein (spätere Parallel- 
stellen z. B. Caxton, Blanch. and Englant. je le ferai sieuir — 
I shall do follow him); daraus, daß das Anglonormannische die 
Umschreibung in weit größerer Ausdehnung als das kontinentale 
Französisch aufweist, zog Ernst Burghardt den Schluß, daß 
Einwirkung vom Englischen her vorliege. (Ueber den Einfluß 
des Englischen auf das Anglonormannische, Studien z. engl. 
Philol. Heft 24, 1906.) Doch sprechen chronologische Gründe 
durchaus dagegen (Besprechung von E. Ekwall, E. St, 41/87, 88 
1910, Deutschbein $ 35 S. 80 Anm. 3, S. 81 Fußnote 1). — 
Kenyon (don auxiliary S. 153) nimmt den kausativen Ursprung 
für das umschreibende do an, allerdings hält er die Frage 
nach der Herkunft für nicht völlig gelöst, die Verbreitung nach 
Zeit und Ort sei noch zu wenig durchforscht. Diese Lücke 
füllt größtenteils Roysters öfters genannte Untersuchung aus, 
er tritt mit Bestimmtheit für die Entstehung des periphrastischen 
aus dem faktitiven do ein, ebenso Deutschbein, der die Ab- 
leitung der umschreibenden Verwendung von do als Verbum 
vicarium für unmöglich erklärt ($ 35, Anm. 5). 


Im N.E.D. ist do zu finden als Umschreibung für die 
einfachen Zeiten (Präs. und Imperf. Indik. und Imperativ) 


III, 25: in bejahenden Aussagesätzen a) mit normaler Wort- 
stellung, b) mit Inversion, sodaß das Hauptverbum seinen ge- 
'wöhnlichen Platz beibehalten kann, c) in emphatischem Ge- 
brauch. In positiven Sätzen wurde es viel früher und häufiger 
gebraucht als 


III,26: in Fragesätzen, III, 27: in aan Aussage- und 


1II,28: in negativen Fragesätzen; endlich II, 50: beim 
Imperativ in emphatischer Funktion, 


u. ME: 


Der Abschnitt über do as a periphrastice auxiliary des 
N.E.D. ist in der Einteilung, in der Beschreibung des histo- 
rischen Werdens und in der Wahl der Beispiele nicht immer 
ganz EN 


Chaucer. 


Welche Stellung nimmt Chaucer innerhalb dieser Gesamt- 
entwicklung ein? Unzweideutige Belege sind bei ihm äußerst 
selten, durchwegs fast hat don als Kausativum zu gelten; 
+ 23: das logische Subj. des Infin. ist ausgelassen, zum tran- 
sitiven Infin. tritt gewöhnlich noch ein Akk.-Obj., sodaß sich 
also äußerlich 23 und 25 (umschreibend) völlig gleichen, z.B. 
C.T. B 1823: he did draw hem= caused to draw them, caused 
them to be drawn oder he drew them. (B 1824: he heng hem.) 
Bekannt sind vor allem die beiden, stets angeführten Stellen 
in der Erzählung des Mönchs, C.T. B 3624: Is there no morsel 
breed that ye do keepe? (25a, Aussagesatz) und B 3622: ... 
fader why do ye wepe? (26, Fragesatz). Bei B 3624 steckt 
vielleicht doch eine abgeschwächte, faktitive Bedeutung in 
do (Kenyon, Courmont), 3622 bezeichnet Courmont als »a 
puzzling curiosity«,, »>a mysterious Chaucerian instance« 
(S. 80). Viel hat die Bemerkung Deutschbeins für sich, daß 
die Umschreibung hier in den Mund eines dreijährigen Kindes 
gelegt wird ($ 35 Anm, 6 S. 81/82. Vgl. auch den deutschen 
Gebrauch! Ueber Kindersprache s. Jespersen, Language B. II: 
The Child). Schon Tyrwhitt machte auf die beiden Fälle auf-' 
merksam in seiner Ausgabe der >C.T. of Chaucer. To which 
are added an Essay on his Language and Versification a. s.o.« 
(vol. YXCV Anm. 35, 1775). Manche Stellen scheinen auf den 
ersten Blick sichere Belege für das umschreibende do zu bieten, 
aber bei näherem Zusehen und genauer Prüfung des inhalt- 
lichen Zusammenhanges ergibt sich, wenn schon nicht die Not- 
wendigkeit, so doch immerhin die Möglichkeit, daß do kausativ 
aufzufassen ist, allerdings manchmal nicht in vollem, sondern 
aur in abgeschwächtem Sinne. So z.B. C.T. A 3410: (Deutsch- 
bein’ S. 82 Fußnote: die Umschreibung ist nicht ganz sicher) 


=. 0 


This Nicholas no lenger woulde tarie 
But doth ful softe unto his chambre carie 
Bothe mete and dryuke ... 


Royster (S. 451) läßt do zwar als faktitiv gelten (a case of 
certain causative use), meint jedoch, Nicholas müsse die Ver- 
proviantierung unbedingt selbst besorgen, denn die Mithilfe 
irgend jem. anderen würde zur Entdeckung seiner List führen. 
Dem ist entgegen zu halten, daß ja auch Alisoun im Einver- 
ständnis war, so kann doth ganz gut kausativ aufgefaßt werden, 
der Student veranlaßt die Frau, die Vorräte heimlich in 
sein Zimmer zu schaffen. Das war gewiß der unauffälligste 
Weg der Ausführung. 


C 59: For wyn and youthe doth Venus encresse 
G 545: ... that I myghte do werche 
Heere of myn hous perpetuelly a cherche. 


(Aehnliche Fügungen z. B. A 1905, 1913, mit einfachem Verbum 
A 1907). 


D 2042: And thus he dide doon sleen hem alle thre, 
GC 173: Lat do hym calle, and I wol gladiy heere, 
F 45: He leet the feeste of his nativitee 
Doon cryen thurghout Sarray his citee. 


Der letzte Fall wird im N.E,D. als Musterbeispiel für r 23 
(causative use) angeführt, die Wendung dide do .. ist eingereiht 
unter 25a, ß: do also. employed as an auxiliary to itself (letz- 
teres natürlich in primärer Funktion), den ersten Beleg bringt 
:N.E.D. erst aus 1400. Späterhin. verwendet Caxton dieses 
doppelte do besonders häufig. Dide und let sind in diesen 
Sätzen faktitiv, die Umschreibung do tritt zur Verstärkung 
der Infin. hinzu, so meint Deutschbein ($ 35, Anm. 6 S. 81). — 
Der ursprünglich faktitive Sinn des Infin. don mag in diesem 
Zusammenhange sehr verblaßt und geschwächt sein, jedenfalls 
aber lag er dieser Bildung zu Grunde und hat so viel von 
seiner Kraft bewahrt, daß da noch nicht von einer direkten 
Umschreibung gesprochen werden kann. In diesen nicht seltenen 
Wendungen werden die feineren Unterschiede eben nicht mehr 
sorgfältig beachtet. Die Infin. don bezeichnen eine Zwischen- 


stufe zwischen dem die Handlung veranlassenden Subj. und 
den sie unmittelbar ausführenden Leuten; er gab jemandem 
den Auftrag, Befehl, durch einen dritten (dritte) ihn holen, sie 
hinrichten, das Fest ... ausrufen zu lassen. 


Troilus & Cressida, 
1833: To peces do me drawe and sithen honge! 
- 154: Whan Phebus doth his brighte bemes sprede, 
Ill 1237: And after siker doth her vois uEDEe 
IV 424: The newe love . 
Don olde afoccibuns alle over-go, 
510: Thou outher do m’anon in teres drenche 


als Repräsentant der vielen ähnlichen Wendungen do me deye, 
sterve, honge u. ähnl. 


11 1231/32: I nevere did a thing with more peyne 
Than writen this ... 


did ist hier Hauptverbum und transitiv gebraucht, der Infin. 
writen=to write ist auf gleiche Stufe zu stellen mit dem 
direkten Obj. thing. Es liegt keine Umschreibung vor. 


IV 880: But how this cas doth Troilus moleste, 


Nach Deutschbein ($ 35, Anm. 6, S. 81) ein sicherer Fall, 
so wie Skeat hält er moleste für ein Verbum, aber Kenyon 
macht darauf aufmerksam, daß es sich auch um eine öfters 
belegte Nebenform des Substantivs molestie handeln kann, dann 
steht do hier mit einem Akk.- und Dat.-Obj., gehört also zu 
1,4 (Dat.-Obj. ohne to). Manche Substantiva und Verba unter- 
scheiden sich äußerlich in nichts oder höchstens durch das 
(bald verstummte) End-e voneinander. Werden sie nun mit 
do verbunden, so ist eine doppelte Auffassung möglich: be- 
trachtet man die Ausdrücke als Nomina, so sind solche Fälle 
wie der eben erwähnte zu 1,4 (do trans. mit Akk.- und Dat.-Obj. 
ohne to) zu rechnen, sieht man aber in ihnen Verba, so ge- 
hören sie zu III, 23 (do kausativ), durch allmähliche Schwächung 
der Bedeutung führen sie zu III, 25 (do periphrast.). Mit Recht 
erblickt hierin Kenyon auch einen Weg zum auxiliaren Ge- 
brauch und einen Grund für seine Ausbreitung, z. B.: 


u IS 


Troilus & Cressida, 
V958:... of al that doth it care, 
V 350:... a time doth hem cure,.. 


R. of the Rose, 
4391: If Jelousie doth thee payne, 


Cant. Tales, 
B 3794: For many a mannes guttes did he peyne, 


ist nach dem Zusammenhang wohl kausativ. 


Troilus & Cressida, 
1121: ... a thing to do you pleye, 


R. of the Rose, 
4850: He doth trespasse. I you ensure. 


Als Nomen (s. Wild S.247) und damit als direktes Akk.-Obj. weist 
trespasse das Beispiel der Gruppe I,6b oder c zu (Akk.-Obj.: 
Begriffe moral. Inhalts). Ist es jedoch Verbum, so liegt hier 
eine Umschreibung vor. 
H. of Fame, 
I 474: But not woot I who dide hem wirche, 
II 528: Whan tempest doth the shippes swalowe 


(Kenyon, causes the sh. to be swalowed) 


Leg. of G.W., 
672ff: But made hir... werkmen make a shryne, 
675: ... and putte ful the shryne ... 
676: And let the corps embawme; and forth she fette 
This ... corps, and in the shryne it shette., 

678: And next the shryne a pitte than doth she grave, 

680: She put hem. 
Diese Stelle vereinigt sehr übersichtlich die verschiedenen Aus- 
drucksmöglichkeiten; in den einfachen Formen der Activa cau- 
sativa ist die Bedeutung des Veranlassens, Anordnens schon 
enthalten, durch don, let, maken wird sie besonders hervor- 
gehoben; das Nebeneinander der verschiedenen Konstruktionen 
beweist, daß die Unterschiede sich verwischen und Vebergänge 
leicht vor sich gehen können. 


er MO 
Leg. 0f G.W., 
1288: And prively he doth his shippes dighte. 


Um das Zeitwort und nicht um das Subst. wird es sich handeln; 
in den Fällen: | 
Troilus & Cressida, 
11 1097: ... though love do it smerte, 
II 1288: Lat nicete not do you bothe smerte, 
IV 1618: ... how sore it dothe me smerte, 


R. of the Rose, 
5445: ... how sore that it do hem smerte, 


Compl. to his Lady, 
II 20: The more she doth me smerte. 


Das Nomen erscheint als smert z.B. C.T. A 3813, B 3796,. 
G 712 und öfter .(s. Kenyon, Anm, Skeat, Wild S. 78, $ ı8b,. 
S. 308, $ 95); ähnlich lautende Belegstellen für sicheren ver- 
balen Gebrauch sind (außer A 534, B 3903 u.a.m. Prät.) R. of 
the Rose 1907: ... which made me smerte, Tr. IV 1448: 
... that ye me causen so to smerte, C.T. E 353 u.a.m. Vor 
allem würden, wenn smerte wirklich Subst. wäre, in den drei 
letzten Fällen nicht Adverbia, sondern Adjektiva — natürlich 
in geänderter Wortfolge -—— als nähere Bestimmung zu ihm . 
treten; die Adverbia sind deutliche Zeichen für den verbalen. 
Charakter. 
Compl. to his Lady, 
I 14: The sore spark of peyne now doth me spille. 


Letzteres kann nun transitiv und intransitiv sein, zu Grunde: 
gehen und vernichten bedeuten. Bei intransitiver Bedeutung 
ist doth kausal aufzufassen; ist der Inf. transitiv und me sein 
direktes Obj., so heißt doth spille soviel als spilleth. Diese Tat-- 
sache bildet nach Kenyon eine weitere Uebergangsmöglichkeit 
von der kausalen zur auxiliaren Verwendung, 

Ferner sind die Fälle im R. of the Rose anzuführen; 
sie sind, abgesehen von vereinzelten Beispielen, absichtlich noch 
nicht erwähnt worden. Eine ausführliche Darstellung und Klar-- 
legung der verwickelten Frage gehört in die Besprechung der: 


a. SAN: 


poetischen Werke; nur die wichtigsten, prinzipiellen Ergebnisse 
der Untersuchung betreffs do können hier angeführt werden. 
Die Teile A und C weisen keine besonderen Abweichungen - 
gegenüber den anderen Werken Chaucers im Gebrauche von 
do auf. In A sind doppeldeutige Fälle, die aber wohl kausativ 
aufzufassen sind: 


389: And all doth waxe and fostred be, 
607: ... this wall... Dide Myrthe enclosen al abeute, _ 
609: He did hem bothe entaile and peynte, 


in C kommen in Betracht: 


6323: Myn highe paleys do I founde, 
17592: But er men diden this castel founde, 
6538: That he his creatour foryett. 


‚Dieser Vers wäre nur in der Lesart der alten Drucke zu er- 
wähnen: he... dothe foryette (Lounsbury). 


7185: That doth the synfull folk converte 
And hem to Jesus Crist reverte, 


hängt ab, wie converte gemeint ist, wenn intransitiv, so ist 
doth kausal, wenn transitiv, so ist es umschreibend; aber der 
folgende Inf. reverte spricht wohl für die erste Auffassung 
(ähnl. Compl. to his Lady 14, S. 121). 

Schon Lounsbury, Studies in Chaucer 11/72 ff., 1892, machte 
aufmerksam, daß sich im Rosenroman rund ein Dutzend sicherer 
Fälle von umschreibendem do findet. Kaluza, (ihaucer und der 
Rosenroman, eine literargesch. Studie (1893), überprüfte die 
Angabe und stellte fest, daß diese für Chaucer auffallende 
Fügung auf den Teil B beschränkt sei (S.40). Einen Ueber- 
blick über die zahlreichen Besprechungen gerade dieser beiden 
Veröffentlichungen und die durch sie hervorgerufenen Lösungs- 
versuche, über die sonstige sehr reichliche Literatur gibt 
Hammond, Sect. V S. 450—54, dazu noch Dean Spruill Fansler, 
Ch. and the Roman de la Rose, Columbia Univ. Studies (1914), 
Kenyon, endlich Royster S. 195 (455) und O. Zilling, Das Hilfs- 
verbum Do im Me., Diss. Halle (1918), IV,4 S. 68. Lounsbury 
and Kaluza geben für B 11 Fälle an, Kenyon fügt noch einige 


=: RI. == 


hinzu.. Zilling will auch in Teil A und C sichere Beispiele 
gefunden haben, doch in A 765 ist peyne Subst. und dide ge- 
hört daher zur trans. Gruppe 1,9 (5: 45), die für C gegebenen 
Fälle sind mindestens doppeldeutig (S. 80), damit sind die 
Schlüsse für A und C hinfällig. Im folgenden ist eine Liste 
für B zusammengestellt, in die auch die zweifelhaften Beiege 
einbezogen sind, d. h. solche, bei denen eine kausative Aus- 
legung von do nicht unmöglich ist. 


B 1803: Into myn herte it (= the arowe) did ae 
1912: And yit sich sorwe dide I fele, 

2287: For love doth haten as I fynde, | 
2446: And homewarde pensyf thou dost retorne, 
2697: Unto the mayde that hir doith serve, 
2797: Whanne ony lover doth a (piaint et 

‚ sospire), 
3030: On many a just man doth he drehe, | 
3107: In me fyve woundes dide he make, 
(J| m’a ou. cuer cing plaies faites) 
3162: And thurgh the haye he dide me chacs, 
4097: Or ony gappe he dide it close, 


nach dem Zusammenhang kann nur Daunger allein Beneın sein, 
do ist also umschreibend. 


4361: She canne arise that doth morne, | 
4372: .... but yon walle which hym doth close, 


EN ebenfalls umschreibend, 


4530: The which now doth me soore greve, 
4599: And sith so sore he doth me greve, 


(qui si fort me grieve), beide Male dürfte greve transitiv, do 
also umschreibend sein, aber möglich ist selbstverständlich 
auch causes me sorely to grieve (Kenyon). 


:4917: But al his Iyf he doth so morne, 
4032: Delite so doth his bridil leede, 
5025: So litel while it doth endure, 


5152: That in that other (=ere) she dide lere, 
| | 6 


=. 


5156: For anger as I dide abraide, 

5315: Away fro trouthe it doth so varie, 
5329: For love that profit doth abide, 

5468: Whanne high estates she doth reverse. 


- Nur im Teil B ist dieser auffallende Gebrauch anzutreffen. 
Wie überall bisher, so wird besonders hier dem veranlassenden 
do weitester Spielraum gelassen und werden dem umschreibenden 
do möglichst enge Grenzen gesteckt. Trotzdem sind da 16 ganz 
sichere Fälle mit periphrastischem do zu zählen, sowohl für 
Indik. als-auch für Konjunktiv. Gerade diese Eigentümlichkeit 
weicht so weit von Chaucers sonstiger Schreibweise ab, daß 
der Teil B des Rosenromans wenigstens in der vorliegenden 
Gestalt nicht Chaucer zum Verfasser haben kann. Diese für 
Chaucer ungewöhnliche Ausdrucksform ist für .die neueren 
Lösungsversuche von größter Bedeutung, so z.B. sieht Royster 
gerade in der Verwendung von do eine Bekräftigung der An- 
sicht J.H.Langes, daß möglicherweise Lydgate der Autor von 
Section B ist (E.St. 29/397, 31/159, Lange, Anglia 35, 36, 37). 
Wollte man versuchen, do durch textliche Umgestaltung weg- 
zuschaffen, so käme in erster Linie als Ersatz für dide gan in 
Betracht, es könnte stehen z.B. in 1803, 1912, 3107, 3162, 
4097, 5156. Die Verwendung dieses Verbums im Me. bietet 
einen weiteren Beweis für die Entstehung des periphrast. aus 
dem faktitiven do durch allmähliche Abschwächung. 


Gan, gonne + Infin. erwähnt schon Einenkel in den Streif- 
zügen durch die me. Syntax (mit besonderer Berücksichtigung 
d. Sprache Ch.’s 5.233), von mehr formalen Gesichtspunkten 
aus behandelt es Fr. Beschorner, Verbale Reime bei Chaucer, 
Stud. z. engl. Philol. Heft 60 (1920) S. 9 ff. III (der Dichter gebraucht 
die Wendung gern, um durch die Stellung des Infin. an das 
Versende einen bequemen Reim zu finden), mit dem Wesen 
der Konstruktion befaßt sich eingehend O. Funke, Die Fügung 
ginnen mit dem Infin. im Me., E.St.56/1 ff. (1922), dazu J. Koch 
mit Verweis auf Beschorner ebend. S. 462. — Deutschbein 
bemerkt, daß jüngere me. Handschriften an Stelle des faktitiven 
dide der älteren Mss. das periphrastische gan (con) oder das 


einfache Verbum gebrauchen (835, 3 S.80). O. Zilling stellt auf 
Grund seiner ausführlichen Untersuchung fest, daß im Cursor 
Mundi einerseits das do der älteren Handschr. C,G im Sinne 
von „lassen* in den jüngeren Manuskripten F,T durch made, 
gert, let oder bei weiterer Abschwächung durch die einfache 
Verbalform ersetzt wird, andererseits das umschreibende gan 
oder ein einfaches Zeitwort der älteren Mss. in den späteren 
durch did + Infin. wiedergegeben wird. 

Auch für die Befehlsform sind mehrere zweifelhafte Fälle 
festzustellen. N.E.D. III, 30a) do asan auxiliary of the imperative 
— in positiven Aufforderungssätzen, nur diese kommen in 
Betracht; einer Bitte, Mahnung, einem Befehl wird durch das 
Intensivum do Nachdruck verliehen (Deutschbein. $ 34, 2a; Franz, 
Shakesp. Gramm, 598 S.479; Harz, V $ 14: sprachpsycholog. 
Erklärung des Imp. bei Shakesp. durch objektive Einfühlung 
in den Standpunkt des Angeredeten; aber gerade hier liegt - 
doch ein starkes Zeichen subjektiven Denkens vor!). Im Ae, 
und in der Uebergangszeit, wo die Formen noch zu unter- 
scheiden sind, steht das folgende Hauptverbum im Infin, oder 
gleichfalls im Imper. Später sind die beiden Formen nicht mehr 
auseinander zu kennen, gewöhnlich wird die zweite (das 
Hauptverb) als Infin. angesehen. N,E.D.: In den früheren Zeiten 
bis herunter gegen 1600 war do manchmal nur umschreibend 
(merely periphrastic) ohne jede besondere Betonung. Sweet 
($ 2173) bringt diese Imper. von do in Verbindung mit dem 
periohrastischen Gebrauch (a similar anticipative use of do), 
doch bezweifelt er mit Recht einen Zusammenhang mit der 
späteren emphatischen Funktion. 30b) do wird einem Imperativ 
zu diesem Zwecke nachgestellt (Shakespeare). 

Im N.E.D, ist die Gruppe IV, 32 abgetrennt: do, der Imper. 
für sich allein stehend, als Wort der Ermutigung, des Ansporns, 
= go on, go it! — Bei Chaucer läßt sich nicht mehr mit voller 
Sicherheit bestimmen, ob das zweite Zeitwort nach do im Imper. 
oder im Infin. steht. (Kenyon ist unentschieden, Bihl für den Imper., 
Deutschbein spricht von Umschreibung mit don $& 35, Anm. 4.) 
Werden auch die Hauptverba als im Imper. stehend betrachtet, 
so stellt do einen eingliedrigen Aufforderungssatz dar, es ist 

6* 


dann selbst ein stark betontes primäres Verbum und kommt 
einem Ausruf gleich. Gelten die Formen als Infin., so ist dieses 
do umschreibend oder kausal; deswegen sind die Fälle hier zu 
erwähnen, Bei Chaucer ist es wohl in letzterer, freilich manch- 
mal abgeschwächter Bedeutung aufzufassen. In der Prosa 
begegnet Boece 610/15 (389): Do, quod I, and schewe me what 
is thilke .. welefulnesse I preie thee... Das and zwischen den 
beiden Zeitwörtern beweist, daß beide Befehlsformen sind. Chaucer 
hat sich hier an das Original gehalten (Lat. Fac.... et demonstra, 
franz. Uebersetzung: fai... et demonstre, Elisabeth: dooI biseech 
the, and..shew ...). Do, hier intransitives Begriffsverb, fordert 
ganz allgemein zu einer Tätigkeit auf, die dann durch den 
folgenden Imper. ausgedrückt wird. Ein für das umschreibende 
do oft zitierter Beleg ist C.T.D 853 : Do, dame, telle forth your 
tale. Eine Stütze für die gegenteilige Annahme, daß nämlich auch 
telle Befehlsform ist, bietet die Lesart des Ms. C doth und tellyth, 
do würde dann wie im gerade angeführten Beispiel ein selbständiger 
Aufforderungssatz sein. C.T.B 2035 : Do come, he seyde, 
G 32: do me endite — Thy maydens deeth, Tr. & Cr. II 44:.. and 
do me shewe of thy swetnesse! Ferner die bekannte Stelle 
Deth of Bl.753: Do than holde ther-to! Auch hier können 
zwei Imper. vorliegen. Auf eine andere Möglichkeit weist Kenyon 
hin; holde kann (nach Mätzner) auch Hauptwort sein und 
„Lreue, Ergebenheit“ heißen. „Schwöre Treue! — Gern." — 
Nach Skeats Erklärung: »keep to it then,« halte, was du schwörst! 
Nach Kenyon wäre noch möglich: „Leiste noch einen Eid, ein 
Versprechen hiefür!* — Kausal wird sein C,T.B 662: Now 
hastily do fecche a book, quod he; dem Zusammenhang nach 
sicher kausal ist C.,T.B 4210, H. of Fame III 728 u.a.m. In 
E2200/01: do strepe me... do me drenche, spricht für die 
faktitive Auffassung des Imper. do die Stellung des zweiten 
Falles; wäre drenche Befehlsform, so würde das Objekt me 
nicht vor dieselbe gesetzt werden, ebenso G 1029: Do hange me 
by the hals, aber Parl. of Foules 458: Do me hangen by the hals. 

Auch diese Verwendung zeigt mit aller Deutlichkeit, daß 
das umschreibende do aus dem kausalen, nicht aus dem vikarieren- 
den Gebrauch hervorgegangen ist. Eine parallele Erscheinung 


ist beim verwandten faktitiven let zu beobachten; lat + Hauptverb 
ist gleich dem Imperativ des letzteren. An mehreren Stellen 
stehen beide Formen nebeneinander, z.B. C.T. A 2976 Theseus . . 
Leet senden after. . Palamon, 2980 Tho sente Theseus for Emelye. 
D 2255/58, G 1254, H 163, 175—77. 

Wegen der Wichtigkeit des Problems erstreckte sich hier 
die Untersuchung auch auf die Versdenkmäler; so wird ein 
vollständiges Bild der Verhältnisse bei Chaucer gewonnen. Seine 
gebundene Sprache entfernt sich ja nicht weit von der lebendigen 
Prosa ; meidet er schon beim vierfüßigen Metrum durch Brechung 
dessen Auseinanderfallen, die Dipodien, die bei vielen me, Autoren 
erscheinen, so macht er das völlig unmöglich durch die Wahl 
des fünffüßigen Verses. 


Chaucers Nachfolger, bes. Lydgate und Walton. 


Um zu erkennen, welche Stellung Chaucer innerhalb der 
Gesamtentwicklung des umschreibenden do einnimmt, muß 
ein Blick auf den Sprachgebrauch seiner Vorgänger und Zeit- 
genossen, besonders aber auf die hiefür wichtige Periode nach 
ihm geworfen werden (s. S.7). Dabei zeigt sich, daß do in 
dieser Verwendung bis gegen Ende des 14. Jahrh. wenigstens 
‘ im südlichen Sprachgebiet so gut wie ungebräuchlich war, so 
z.B. bei Wycliff (Dietze,.Royster, Zilling) und Langland (ein 
sicherer Fall ist nach Moore im A-Text X 123, aber nicht in 
allen Mss., im B-Text XII 169, zweifelhaft XIII 169, nur im 
Ms. R, Passus A VIII 164 von Royster als zweifelhaft angeführt, 
ist wohl kausativ, ebenso Pass. I 97, II 170, 187. mit to, II 131, 
193 usw.); Gower gebraucht das periphrastische do wie 
Chaucer äußerst selten. Zilling findet in den über 27.500 Versen 
der Conf. Am, nur 9 Belege, 1 für Imper. 8 für let +do-+- zweiten 
Infin, der 5X durch make gegeben wird, eine Fügung, die 
von Chaucer her nicht unbekannt (S. 76), bei Gower aber 
viel öfter zu finden ist. Zu Zillings Aufzählung noch II 958, 3448, 
3468 usw. Diese Fälle sind jedoch alle unsicher, er führt 
Prol.6 (that we.. do wryte) und 761 nicht an! — Doppel- 
deutige Stellen ind überall anzutreffen, sie tauchen schon viel 


früher auf, im Havelok (neben häufigem kausativen und mehr- 
deutigen do kämen nach Moore höchstens 4 Fälle in Betracht), 
in Flor. and Blaunchefl.., in Dan Michels und Richard Rolles 
Schriften (z.B. Prose Treat. I und öfters), im Early South Engl. 
Legendary u.a.m. Der erste Autor von Bedeutung, in dessen 
Werken neben do causative auch do auxiliary in großem Aus- 
maße auftaucht, ist Chaucers Schüler Lydgate. Zuerst stellte 
das Courmont fest für ein Jugendwerk, The Temple of Glas, für 
die übrigen Royster; die. Umschreibung findet er schon im 
Aesop, der, wenn das Entstehungsdatum 1387 nach Schick 
richtig ist, zu Lebzeiten, ja zur Blütezeit Chaucers verfaßt 
worden wäre. Man muß Royster zustimmen, wenn er Courmonts 
weitere Folgerungen durchaus ablehnt, daß nämlich Lydgate die 
Umschreibung deshalb anwende, um die Nüchternheit der ein- 
fachen Zeiten zu vermeiden; gegen letztere hätte die Sprache 
in gewissen Perioden eine Abneigung gehabt (»baldness of the 
simple tenses, they seem to displease him«). 

Dieses pleonastische do mag vielfach ein bequemes Füll- 
wort für den Vers gebildet haben, daher ist diese Konstruktion 
anscheinend vor allem in der Poesie üblich geworden. Denn 
so zahlreich die Belege in Lydgates Versen sind, in seiner 
Prosa fehlen sie. Auch in Pecocks Repressor und in den Prosa- 
werken John Capgraves aus Norfolk (15. Jahrh., erste Hälfte) 
sucht man das periphrastische do vergeblich (Royster fand im Life 
of St. Augustine und of St. Gilbert E.E.T.S.Or. Ser. 140, nur vier 
sichere Fälle), während es in den Versen des Life of St. Katherine 
(E.E.T.S. Or. Ser. 100) oft zu beobachten ist. Die früheren Doku- 
mente der Norfolk Gilds, Ende des 14. Jahrh., zeigen do eben- 
falls nur in kausativer Verwendung (Moore, S. 392, Anm. 19b). 
— Schon Einenkel (Anglia, 13/79 [1891]: Der Inf. im Me.) 
bemerkt, daß der umfangreiche Gebrauch der Umschreibung 
erst viel später (d.h. nach Chaucer), und zwar vom Mittellande 
und Norden (?) her eingedrungen sein dürfte. Die eigentliche 
Heimat des periphrastischen do ist wohl, wie Royster und 
Moore zeigen, im (östl.) Mittelland zu suchen, woher ja auch 
Lydgate und Capgrave stammen. Ursprünglich würde es sich 
also um eine mundartlich begrenzte Sonderentwicklung des 


=. 87 0 
kausativen do handeln, die sich zuerst in der literarischen 
Sprache des betreffenden Gebietes durchgesetzt zu haben scheint. 
Da nun das begründende do außer im Norden überall ver- 
. breitet war, konnte diese im Grunde dialektische Eigentüm- 
lichkeit leicht Eingang finden. 

Im nördlichen Teil, Lincolnshire, v war das unschreibende 
do nach Moore um die Wende des 13. Jahrh. noch unge- 
bräuchlich, das kausative, und damit doppeldeutige Fälle nicht 
selten (Havelok, 1291—1303, S. 86). In Robert Mannyngs 
Handlyng Synne fand Moore 10 sichere und 14 zweifelhafte 
Belege (die Befehlsformen nicht mitgerechnet); in seiner später 
geschriebenen Chronik sind sie noch zahlreicher. Gegen Ende 
des 14. Jahrh. kommt die Umschreibung schon sehr häufig 
vor, ebenso zu Beginn und in der ersten Hälfte des 15. Jahrh. 
in vielen mittelländischen Denkmälern, so z.B. im Torrent of 
Portugal (2660 Verse, 12 zweifelhafte, 18 sichere Fälle), in 
Audelays Gedichten und in den Predigten und Abhandlungen 
John Myrcs, beide aus Shropshire, auch in Osbern Bokenams 
Heiligen-Legenden. — In den gleichzeitigen Denkmälern des 
Nordens sucht man das umschreibende do ebenso. vergeblich 
wie das kausative, was wohl auf einen ursächlichen Zusammen- 
hang zwischen beiden schließen läßt. Auch jetzt ist die Um- 
schreibung in den nördlichen Mundarten nicht üblich, Murray, 
Wright, L. L. Bonaparte: Transact. of the Phil. Soc. 1875/76, 
S. 570; letzterem zufolge wäre sie auch nieht in den mittel- 
ländischen Dialekten nachzuweisen; das wäre umso merk- 
würdiger, als ja gerade das Mittelland der Ausgangspunkt hiefür 
gewesen ist. 

Anders liegen die Dinge im Süden. Bei Hoccleve hält man 
allerdings umsonst Ausschau nach dem periphrastischen do; 
er mag, wie Royster richtig meint, sich enger an seinen Meister 
Chaucer gehalten haben als die anderen Nachfolger (zweifel- 
haft ist in den paar tausend durchgesehenen Versen vielleicht 
Min. Poems. 14/275—6: gost whom malice doth enflame). 
Aber es taucht schon viel früher auf, z. B. im Early South 
Engl. I,egendary (E.E.T.S.Or. Ser. 87) 7/202: ase pe boc us 
dez telle, 20/31, 45/380: His membres ... he dude misse, 


BB — 


108/76, 118/399, 147/1437 und viele andere, in der Reim- 
chronik des Robert of Gloucester (und zwar im ersten nur über- 
arbeiteten Teil) fand Moore 4 sichere und einen zweifelhaften 
Beleg, in Tale of Beryn des 15. Jahrh. nach dem Muster der C.T. - 
kommt es ebenfalls nicht selten vor (Royster, Anm, 1, S. 193), 
Noch heutzutage ist die Umschreibung der einfachen Zeiten 
mit do in den südlichen und südwestlichen Dialekten ungemein 
häufig, so zwar, daß sie geradezu die Stelle der. einfachen 
Verbalformen eingenommen hat; der Inf. wird dadurch die 
meist verwendete Verbalform, N.E.D. Idü zay = I say, he dü 
zim = he seems; I dü wawkee (Wright E.D.Gr. S. 297, EI- 
worthy, Gramm. of the Dial. of West-Somerset). 

Einen Beweis für das Vordringen und die Verbreitung 
- dieser Sprachgepflogenheit gerade vom Mittellande her um die 
Wende des 14., den Beginn des 15. Jahrh. bietet die Ueber- 
tragung der Consol. philos. des Boethius, bezw. des Boece von 
Chaucer durch John Walton. Er dürfte um 1390 geboren sein, 
studierte in Oxford und war später »Canonicus de Oseneye«; 
sein Werk ist in das Jahr 1410 zu verlegen, demnach eine 
Jugendarbeit, und mag in Oseney selbst entstanden sein. Als 
westlicher Vorort gehörte dieses in den Bereich von Oxford. 
Die Gebiete nördlich der Themse, die westsächsisch waren 
und der me. südlichen Sprachgruppe angehören (Brandl, Zur 
Geographie der ae. Dialekte, Berlin 1915), bilden die Grenze 
gegen das Mittelland und zeigen von dort kommende Einflüsse 
naturgemäß zuerst. Cossack (s. S..18) meint (S. 11 seiner Unter- 
suchung): Der Dialekt, in welchem Walton schrieb, ist schwer fest- 
zustellen, die Sprache der uns bekannten Handschriften aber... 
weist auf den mittelländischen hin. Er zeigt eingehend, daß Walton 
wohl nebenher das lateinische Original, hauptsächlich jedoch. 
Chaucers Uebersetzung benutzte in dem Maße, daß sich seine 
Arbeit an vielen Stellen darauf beschränkt, das bei Chaucer 
vorhandene Wortmaterial in Verse und Reime umzugießen. 
Auch gedanklich hält er sich zumeist an das, was er bei Chaucer. 
vorfindet, sogar in den Glossen und Anmerkungen. — Bei 
diesem engen, ja wörtlichen. Festhalten an der Vorlage ist es 
umso auffälliger, daß der unselbständige, jugendliche Dichter 


89 — 


das umschreibende do nicht etwa vereinzelt als metrischen 
Notbehelf gebraucht, sondern daß es einen wesentlichen Be- 
standteil seiner Ausdrucksweise bildet. In dem Texte Schümmers- 
machen an die 30 unten angeführten Belege doch einen be- 
deutenden Teil von den rund 70 Fällen im ganzen aus; und: 


gerade außer 


der Umschreibung mit do ist nicht der geringste 


Unterschied in der tatsächlichen Verwendung von do zwischen, 
Chaucer und Walton festzustellen. In negativer Hinsicht wäre 
zu bemerken, daß das kausative do nicht vorkommt, hiefür- 
“ steht make (mit reinem Inf. 5X, mit to 10X, mit for to 7X). 


5/5: (= Strophe 5, Zeile 5 nach Schümmer) 


29/1: 
29/5: 
93/8: 
15413: 
243/7: 


248/1: 
251/2: 
276/6: 
281/6: 
294/1: 
296/6: 
3012: 
31212: 


324/2 Ä 
3296: 
330/6: 


356/2: 


Nur der 


And Gower, bat so craftily doth trete 

As in his bookes of moralite, w 

And as seynt Gregor doth hym-selue write, 
Mss: .. hesaw.. Druck Pr.; he dyd se theodorik,. 


‚But foole vnwyt, bat to hym-self doth Iye, 


And whan the woode sothern wynd doth werke.. 
His hele he dop desiren sikerly 

Als well as for to ride 

For all bat evire (rivere) tagus doth yow bede, 
As after bis myn auctour doth pursue, 

Bot thing hat prescience doth provide, 

thogh god pis ping to comen doth provide, 
When resoun doth behalden oght or see, 

Bot pis ymagynacioun doth begynne, 

bat bodies doth to beym enpressen so, 

But knowyng of ymagynacioun 

Menable beestes han, and don it sewe, 

ffufl dyuersly on erthe doth bei glyden, 

Of po pat doth it knowe or comprehende, 

Of alle hat be resoun doth discerne, 

(God)... pat all ping doth benethe hym-seluen see. 


äußeren Form nach könnten die folgenden Fälle- 


zu 1,23 (kausaler Gebrauch) gehören, aber aus dem Zu- 


en 


sammenhang geht mit aller. Deutlichkeit hervor, daß es sich 
auch bei ihnen um das periphrastische do handelt. 


5/4: pogh so hat y of makyng entyrmete, 
Druck Pr.: Though I hys makyng do counterfete, 
65/7: As foles right bei dede hem-self deceyuen, . 
(andere Lesarten: And folisiy ... dede and...) 
168/6: But... errour -— To false good away-ward doth 
| hem lede, 
200/5: To pis, quod I, my resoun doth me bynde, 
| 201/5: Right as his book thimeus dop yow teche, 
(andere Lesarten: so dop yow teche, ... so dob he teche) 
234/6: ... sith blisfülnes — So myche ping doth in 
it-self conteyne, 
235/5: pat som ping ... This blisfulnesse doth fully 
| a-complyse. | Ä 
In-to a perfyt ping substancial. 
237/4: As dyuerse perties doth a ping compoun, 
260/2: The flesshly bondes doth it so oppresse, 
271/7: So pat of nede it doth no ping costreyn, 
278/4: Doth any bing this craftys-men compell, 
343/4: This lyf it doth not vtterly forlete. 


Die Ursache für diese Art des Ausdrucks kann nur in 
'Waltons heimischer Sprechweise zu suchen sein; er hätte die 
Umschreibung mit do kaum angewendet, wenn sie nicht da 
schon alltäglich geworden wäre. — In der zweiten Hälfte und 
gegen Ende des 15. Jahrh. erscheint dieses do immer häufiger, 
so bei den Nachfolgern Chaucers aus verschiedenen Teilen des 
‚Landes, wie George Ashby, Henry Bradshaw (St. Werburgh) 
und anderen bis zum letzten großen Vertreter dieser Richtung 
Stephen Hawes (Passetyme of Pleasure, Perey Soc.); bei 
Caxton, in den Prosa-Schriften John Fishers kann es nicht 
mehr als dialektische Sondererscheinung angesehen werden. 
Feste Regeln lassen sich aber noch nicht geben. 

Hoops (Engl. Sprachkunde S. 95) erklärt diese ungeheure 
Ausbreitting mit dem Bestreben, durch Hinzufügung des Hilfs- 
zeitwortes den Verbalbegriff zu verstärken und damit zugleich 


—, 9] 

die Ausdrucksweise zu beleben. So soll auch die Fügung mit 
gan, die Bildung des Fut. mit shall und will, der Kasus mit 
Präpositionen, der Steigerung durch Adverbia usw., kurz die 
Verwendung solcher verstärkender Formwörter den betreffen- 
den Begriff kräftiger und anschaulicher zur Geltung bringen. 
Mit diesen Tendenzen würde der kausative Ursprung des um- 
schreibenden do wohl übereinstimmen. | 


+ 


IV. Besondere Verwendung von do-Formen. 
(N.E.D. IV: special uses of certain parts of the verb.) 


Diese besonderen Verwendungen sind selbstverständlich 
mit den früheren Gruppen in engem Zusammenhang, die ein- 
zelnen Formen weisen aber doch soviel Charakteristisches auf, 
es liegt soviel Eigenbedeutung in ihnen, daß die Abtrennung 
und Sonderbehandlung im N.E.D. berechtigt erscheint. IV, 32: 
do! Imper. wurde schon erwähnt (S. 83). 

IV, 33: to do, der »dative infinitive« wird prädikativ nach 

dem Verbum to be, attributiv nach einem Substantiv ver- 
wendet und besagt proper, necessary to be done — a thing 
to be done, necessary, needful (mniederl. te doene, mnd. to 
dönde, to dön=notwendig, in den nordengl. Dialekten früher 
at do (ado)=to do beeinflußt von französ, affaire, so R. of 
the Rose: 3036 adoo, 5080 ado). N.E.D. what’s to do= what 
is the matter? 
Für den adverbalen Gebrauch finden sich im Boethius 
folgende Belege: 860/65 (391): what juggestow that be now 
to done? (quidnunc faciendum censes,... Eliz. III Pr. 9/80: 
what now thinkest thou to be don ?), 1455/60 (416): .. stablissith 
many maner gises to thinges that ben to done (.. multiplicem 
regendi modum ..), 1465/70 (416) .... the thinges that ben 
to done (..facienda..Eliz. IV Pr. 6/43 alle thinges to be 
don), 1515/20 (418): The somme of thinges that ben to done 
(..summa rerum regenda). 

Die Stellen für den adnominalen Gebrauch sind: 


525/30 (376): .. matere ofthynges to done (gerendis 
| rebus), 


=, 100 me 


1465/70 (416): .. forme of thinges to doone (gerenda- 
| rum formam rerum). 


Außer 860/65 bildet stets thinges das (indirekte) Subj. der 
ersten, das Substant. der zweiten Gruppe, sodaß sie in Be- 
ziehung zu I,6: to do (a) thing zu bringen sind. Ueberall 
wird das lateinische Gerundivum durch to done wiedergegeben. 
Der engl. flektierte präpositionale Infin. ist der einzige ein- 
heimische und zugleich älteste Ausdruck, der auch dem latein. 
Gerundium an die Seite gestellt werden kann (vgl. Einenkel, 
Hist. Synt. $ 4 S. 14; ferner Deutschbein, Infin. und Gerundium 
— Neuere Sprachen 30/12 fi. [1922]; W. Klöpzig, Der Ursprung 
der to be to-Konstruktion, E. St. 56/378 ff. [1922]. In Mel. 
gibt es nur adverbale Fälle: 2190/95 (93) I noot what to 
doone. - | | 


In M. 2975/80 (116): what best were to doon in this 
nede, und | 
2325/30 (98): som thyng... that is good for to do, 


sind die Inf. wohl von to be abhängig, also adverbal; die beiden 
Objekte good und ‘best ließen auch an adnominale Verwen- 
dung denken. Die sechs adnominalen Beispiele für Parson’s T. 
wurden schon bei Gruppe II (intrans. Gebrauch S. 49) ange- 
führt, da das Adverb wel vor und zu to do tritt. 


Form: Ursprünglich war der Infin. nach to (Richtung, Ziel) 
der Dativ eines Verbalnomens mit dativisch-lokativem Sinn, 
das zeigt im Ae. die Flexion. In der Uebergangszeit streifen 
zuerst die mehrsilbigen Infin. die Endungen ab, aber die ein- 
silbigen bewahrten oft Reste der Biegung und somit die vollere 
Gestalt, unter diesen vor allem to don(n)e. Im Ormulum z.B. 
kommt von den flektierten Infinitiven überhaupt nur to donne 
(dreimal) vor (W. Zenke, Syntaxis und Analysis des Verb. im 
Ormulum). Diese Form bevorzugt auch Chaucer weitaus, wenn- 
gleich daneben einsilbiges to doon zu finden ist (ten Brink, 
Ch. Sprache 3. Auflage $ 187 S. 111). In M. 2325/30 mag die 
Akzentverschiebung durch for to, in den Fällen der Parson’s T. 
überdies die Betonung des vorausgehenden wel die Setzung 


98 — 


des einfachen do bewirkt haben; letztere gehören überhaupt 
nicht ausschließlich in diese Gruppe. 

Syntaktische Funktion: Ueberall steht die Form des ak- 
tiven Infin., jedoch mit passiver Bedeutung. Im Ae, ist nur der 
aktive Infin. mit passivem Sinne möglich, erst im Frühme 
taucht vereinzelt der passive Infin. auf. Chaucer kennt nur 
den aktiven Infin. wie sein Zeitgenosse Langland und sein 
Schüler Hoccleve, gemischt sind die Fälle bei Pecock. Der 
erste, der den Infin. auch in aktiver Bedeutung verwendet, ist 
Wyeliff, daneben erscheint bei ihm des öfteren der neugebil- 
dete passive Infin., vielleicht unter lateinischem Einfluß (nach 
Klöpzig). Im Ne. wird der passive Infin. in aktiver Form 
immer mehr durch die passive Gestalt verdrängt, aber er ist 
so wie hier bei Chaucer noch bei Shakespeare, im 17. Jahrh., 
ja in Ueberbleibseln heutigen Tags vorhanden (Klöpzig gibt 
eine Zusammenstellung S. 387—88; Sweet, N. E. Gr. $ 2325; 
Sanders, Teil II, III B. ££; Deutschbein, $ 72 Anm. 1). — Be 
übernimmt beinahe die Funktion eines primären Verbums; 
der folgende präpositionale Infin. hat nicht nur futurischen, 
sondern auch deutlich ausgeprägten lokativen Charakter; to 
be=da sein, die Präposition to weist auf einen Grundbegriff 
des Zweckes hin; daraus ergeben sich die weiteren Schattie- 
rungen (Tanger, Archiv 105/313). So kommt die Wendung 
dazu, die Möglichkeit, Notwendigkeit der im Infin. näher be- 
zeichneten Tätigkeit auszudrücken. Diese prädikativen Infin. 
behalten etwas von ihrer ursprünglichen »purpose force«< 
(Kenyon, ch. 14); entsprechend dem eigentlichen Sinn des 
gerundialen Infin. sind darin die Begriffe von ÖObliegenheit, 
Verpflichtung usw. enthalten (obligation, fitness, necessity, 
possibility .. futurity). 

N.E.D. W, 33c: To have to do, to have s. th. to dass 
have business or concern. N.E.D.: What has he to do? What 
business has he? ... arch. or dial. In der Prosa ist nur ein 
Beleg vorhanden, B. 1070/75 (400): I trowe that I have litel 
more to done that thou... (parvam mihi restare operam puto, 
ut..). Die Fügung hat ganz ähnlichen Charakter wie die eben 
besprochene Have nimmt den präpositionalen Infin, hier je- 


_- 14 — 


doch in aktiver Bedeutung als Objekt zu sich, die beiden Pro- 
nominalien in der Mitte zwischen den zwei Verben bilden die 
Ergänzung zum Infin. Für das Ne. findet Deutschbein in I have 
to... ein objektives Sollen oder Müssen, bedingt durch außer- 
halb des Sprechenden liegende Umstände, gegenüber dem 
subjektiven „voluntativen“ must (IX S. 112 ff, bes. $ 46, 5 
8 49, 3c). 


'V, Do mit Präpositionen. 
(N.E.D. V.Do with prepositions in special senses), 


In der Prosa V,37: do by — im Sinne von to act towards, 
in respect of, to deal with (by: N.E.D. Nr.26). B.140]45 (358) 
And..yit hadde thilke... senat don by me thurw hir decretes 

. as thoughe it were a synne (ille quidem senatus suis de me 
decretis, ut hoc nefas esset, effecerat).— Von dem ursprüng- 
lichen örtlichen Sinn der Präposition ist-noch etwas zu merken 
(by: in der Nähe von), wenn es sich um ein persönliches 
Verhalten gegen jemand handelt; sie drückt Verhältnis, Be- 
ziehung, Rücksicht aus. In dem vorliegenden Beispiel folgt noch 
_ die Angabe der unmittelbar wirksamen Veranlassung, des Mittels 
mit thurw. 2 | 

V, 40a: do with — in gewöhnlicher Bedeutung: sich abgeben, 
befassen, zu tun haben mit —- wie im Deutschen, P. 760/65 
(295): .. do right so with thy cherl as thou woldest that thy 
Lord dide with thee. Chaucer verbindet do sehr selten mit 
Präpositionen in solchen Sonderbedeutungen. Im ganzen (d.h. 
die Verswerke inbegriffen) mögen es ein Dutzend Fälle sein 
(V, 36: do aftir und V,41: withoute je einmal, V,37: by zweimal 
und V,40: with 8 Beispiele). 

Eigentlich ist.do hier intransitives ae und steht 
infolgedessen dem Abschnitt II (do intrans.) sehr nahe. Der 
absolute Gebrauch ist nur bis zu einem gewissen Grade möglich, 
es muß eine Einschränkung erfolgen. Der Begriff, der durch die 
Präposition angefügt wird, gibt zumeist nur die Richtung der 
Tätigkeit an: das genügt aber nicht (außer bei after und without), 
es würde noch zu viel Spielraum bleiben, deshalb erfolgt die 


=. Op. Ze 
genauere Begrenzung des Tuns öfters in Form eines Modalsatzes. 
(so immer in der Prosa) oder durch Adverbia (z.B. do wel by) 
oder endlich durch Objektsätze (do with... what ye wile), die 
inhaltlich vollkommen Vergleichsätzen entsprechen (as you 
list). Da sie aber doch an Stelle von Akk.-Obj. zu do stehen, 
würde letzteres im Grunde seinen intransitiven Charakter ein- 
büßen. Diese Fälle bilden einen Uebergang zum transitiven. 
Gebrauch (mit Erweiterung des Prädikats, I,6e). | 


VL Do mit Adverbien. 
(N.E.D. VI. Do with adverbs.) 


Diese Verbindungen von don entsprechen den zusammen- 
gesetzten Verben im Deutschen -und anderen Sprachen, z. B. 
do about == lat. circumdare umgeben, do off = lat. exuere aus- 
ziehen etc. War do im vorigen Abschnitt objektlos, ‚so ist es 
hier seinem Wesen nach transitives Hauptverbum, zu welchem: 
ein Adverb als Bestimmung treten kann. Die weitere Entwicklung 
konnte auf zwei Wegen erfolgen: wurde das Verhältnis zwischen 
dem Umstandswort und dem vom Zeitwort abhängigen Obj. 
ein engeres, so bildeten sich die Adverbia zu Präpositionen 
um (do.V), wenn sie aber in nähere Beziehung zum Verbum 
kamen, entstanden die Zusammensetzungen. — In der Prosa 
Chaucers ist diese Großgruppe des N.E.D. nur vertreten durch 
VI, 44: do away,fa (obsol.) trans.: to put away, dismiss, remove: 
wegtun, wegnehmen, -schaffen. — gesteigert in VI,44b: to put 
an end to, abolish, destroy, undo abschaffen, zerstören, vernichten, 
VI,44c: wofür später, vom 18, Jahrh. an das intrans. do away 
with eintritt, endlich VI,44 7 d (obsol.): der Imper. do away! 
zusammen mit do way (V1,53). — In B. sind 16 (in M,P. 
und Astr. keine) Belege, in den Verswerken zusammen 15 Fälle 
zu zählen, darunter 2, die ebenfalls zu 44, und 7, die zum 
verwandten 53: do way gehören. Diese Wendung in der Ueber- 
setzung Chaucers gibt vielerlei Ausdrücke des lateinischen 
Originals wieder (auferre 3X, depellere 4 X, expellere, abolere, 
delere, dimovere, summovere, fugare, premere, tollere je einmal). 
Die Objekte, bezw. Subjekte in den (3) passiven Sätzen, sind. 


22.06 


stets Nomina (9X mit. näheren Bestimmungen). Zumeist be- 
zeichnen sie gemäß dem Inhalt abstrakte Begriffe, philosophische 
Ausdrücke, daher ist es schwierig und bleibt Sache der Auf- 
fassung, in welche Untergruppe man die einzelnen Beispiele 
‘einreihen will, ob in 44a wegschaffen, entfernen, oder 44b 
abschaffen, vernichten, z. B. B. 550/55 (379), 485/90 (374), 1720/25 
(427). Zwischen Verb und Adverb, die als eng zusammengehörig 
empfunden wurden, schieben sie sich nicht ein, außer in 830/35 
(390); wohl des Nachdrucks wegen ist da das Adverb, der 
charakteristische Bestandteil der Verbindung, an den schweren 
Satzschluß gestellt worden: whan he mai nat do tho defautes 
‘ awey, (O,, Ay, H lesen: the defautes). — In 65/70 (354): The 
cloudes of sorwe dissolved and doon away, I took hevene 
‚(haud aliter tristitiae nebulis dissolutis hausi coelum), & 1160/65 
(403): so that, alle tribulacioun I-don away, thou.. shalt 
mowen .. (ut perturbatione depulsa sospes . . . revertaris) liegen 
zwei Fälle (die einzigen in der Prosa) von absoluter Partizip.- 
Konstruktion vor; sie entsprechen einem temporalen Nebensatz 
and sind gebildet. von einem ‚absoluten: (d. h. vom Subj. ver- 
schiedenen) Nominativ und einem Partiz. in verbaler Funktion 
an Stelle des Prädikates, hier beide Male einem Mittelwort der 
Vergangenheit (Sweet, N.E. Gr. $ 2366: its [i.e. part pret.] use... 
nore limited than that of the absolute pres. part... Die Fügung 
ist eine Nachahmung des lateinischen Ablativus absolutus und 
sehr früh in das Englische aufgenommen worden; die Neigung 
hiezu ist gemäß der inneren Sprachform des Englischen stärker 
‚entwickelt als in den übrigen germanischen Idiomen (Wilmanns, 
Deutschbein $ 59,Bb). Im Ae. und auch noch im Frühme. ist 
‚das absolute Partiz. nicht allzu oft anzutreffen, hauptsächlich 
in Uebersetzungen, die sich stark an das Original halten. Später 
wird es häufiger. Jespersen meint, Chaucer verwende die 
Konstruktion nach der parallelen italienischen, nach ihm ver- 
schwinde dieser Einfluß aber wieder. Erst in der Hochblüte 
des Klassizismus (1660) war ihre Zeit gekommen, wurde sie 
heimisch, wenn auch das absolute Partiz. gewiß nicht zu den 
Wendungen der Alltagssprache gehört und sich mehr in den 
gehobenen Stil einfügt. (Jespersen, Growth and Structure of the 


= et 


E. Lang. $ 125, 4. Aufl. S.124, Anm.; Literatur bei M. Callaway 
für das Ae., bei Ch,H.Ross für das Me. und Ne.; dazu Hoops, 
Engl. Sprachk. IX, 2e S. 117.) Auf die Stellen des B. wirkt natürlich 
der lateinische Ablativus absolutus der Vorlage ein. Das Verbum 
simplex ist hier in dieser Verwendung nicht zu finden, wie es 
‚später öfters vorkommt, this done = quo facto; allerdings ist 
die Verbindung (I-) don away lautkräftiger und sinnfälliger. 


B. Doing. 


Doing wird im N.E.D. an drei Stellen behandelt. Als 
present participle ist es unter do IV,34 (special uses) zu finden 
(dazu Fr. Gerike: Das Partizipium Präs. bei Ghaucer, Kieler 
Diss. Potsdam [1911]. Die Untersuchung beschränkt sich jedoch 
auf die poetischen Werke), — ferner in einem eigenen Absatz: 
doing part. active als Adj. meist’ in attributiver Stellung, aber 
erst im Frühne. = that does, acts, performs etc, actively 
engaged, oceupied, busy.— Endlich schließt sich an die Behand- 
"lung des Verbums ein selbständiger Abschnitt an: doing Verbal- 
Substantiv. Als solches kann es bedeuten: 1. den Begriffsinhalt 
des Zeitwortes, das Tun, Handeln selbst, action, proceeding, 
_ conduct, performance, or execution of s. th.; — 2. das, was 
ausgeführt, getan wird, das Ergebnis der Tätigkeit, die Tat, 
a deed, action, act, transaction, piece of business. Nunmehr 
ist nur der ‚Plural doings gebräuchlich (im Sinne von Auf- 
führung, Benehmen: Johnson bemerkt: now only in a ludicrous 
sense, or in low mean language; bei ihm wie auch bei Pope 
ist eine gewisse Abneigung gegen allzu häufige Verwendung 
von do zu bemerken); — 3. endlich wird doing so wie do selbst 
in Verbindung mit Adverbien und adverbialen Bestimmungen 
gebraucht. 


Verbal-Substantiv und Gerundium. 


Die -ing-Formen können grammatisch dreierlei bedeuten: 
das Mittelwort der Gegenwart, das in der Prosa nicht zu be- 
legen ist, das Verbal-Subst. und das Gerundium. Merkwürdiger- 
weise ist in der Einteilung des N.E.D. gar nicht zwischen den 

7 


beiden letzteren unterschieden, das Ger. wird weiter nicht be- 
achtet. Da nür 'wenige- Belegstellen für doing in der Prosa vor- 
kommen, mögen sie einzeln angeführt werden; N.E.D. doing 1, 
Gerund. B. 220/25 (362): ... he that forleteth ... ordenaunce 
of doynge by overthrowynge wey (Sic quod precipiti via 
. deserit ordinem). Verb.-Subst. 535/40 (376) ..... how muchel 

conteneth it in largesse and in greet doynge? (ut quid habeat 
amplum magnificumque gloria...); 1245/50 (407): ... yif 
thei myghten duellen in .the forme and in the doynge of 
good folk (... siin bonorum efficientia manere potuissent). 
N.E.D. doing 2, 1065/70 (400): Ne the certein ordre of na- 
ture ... schulde not brynge forth ... moevynges by places, 
by times, by doynges, by spaces... (Non tam vero certus 
naturae ordo procederat ... motus loci temporibus effici- 
entiä spatüs ...); 1800/05 (431): ... every jugement is the 
dede or the doyng ofhym that... (nam cum omne Judichnin 
judicantis actus existat .... 

In M. zwei Verb.-Subst. von Komposita, 2270/75 (111): 
.. Withouten wrong or harm-doynge to any other persone, 
2895/900 (114): ... and preyseth hym in hys mysdoynge. 
In P. und Astrol. kommt kein Beleg für doing vor, nur für 
das sinnverwandte werkynge, in P. 5X als Verb.-Subst. 
(werkynge,-es), ebenso im Astrol. 1 X (20/25), auch B. 995/1000, 
M. 2590/95, als Ger. Astr. 179/85, B. 1630/35 und öfters. 
| Der lautliche Zusammenfall des Part.-Präs. und des Verb.- 
Subst. ist nicht ohne Einfluß auf letzteres geblieben. Im Laufe 
des Me. nimmt es außer den ursprünglichen normalen auch 
immer mehr verbale Eigenschaften an. So treten Umstands- 
wörter oder -bestimmungen zum Verb.-Subst. N. E.D. doing 3; 
bei einem Nomen ist das für gewöhnlich nicht der Fall; z. B. 
B. 250/55 (363) the boylynge up fro the botme, B. 660/65 (382) 
of hir retornynge ayen to hir nature; P. 385/90 by receyvynge 
worthily of the body, P. 515/20 the lovynge of his neighbour 
as hymself. Auch Dat.-Obj. können sich anschließen wie im 
angeführten Beispiel M. 2770/75 (ebenso C.T. C 587). Schließ- 
lich ist mit der Angliederung von Akk. a der en 
zum EZeEUNGIUN vollzogen. 


— 9 — 
Entstehung. 


Die Bildung von -ing(-ung)-Formen war im Ae. auf be- 
stimmte Nomina beschränkt, dann kam sie bei gleichlautenden 
schwachen Verben und im Anschluß daran bei den schwachen 
Zeitwörtern im allgemeinen auf. . Einige wenige starke Zeit- 
wörter treten ganz gegen Ende der ae. Periode hinzu. Häufiger 
wird -ing bei ihnen im 12. und 13. Jahrh., aber erst zu Be- 
ginn des 15. Jahrh. hat die Form so feste Wurzeln geschlagen, 
daß sie von jedem Verbum gebildet werden konnte (Jespersen, 
Growth and Structure $ 200—204). Im 13. Jahrh., vor allen 
gegen sein Ende wird der starke Einfluß der lateinischen und 
romanischen Konstruktion besonders offenkundig durch die 
zahlreichen Fälle der Anlehnung an das beliebte afr. en+ geron- 
dif (Einenkel, Anglia 38, 39, 40, Syntax $ 3,4; G. O. Curme, 
Anglia 38/491; dazu Fehr, Archiv 136[36]/310). Diesen Ten- 
denzen wirken der Artikel und die Präpositionen entgegen, 
die dem Verb.-Subst. den ursprünglichen nominalen Charakter 
bewahren helfen. Kommen sie aus irgendeinem Grunde in 
Wegfall, z. B. der Artikel vor Abstrakten — oder gegen Ende 
des 12. Jahrh. vor dem Verb.-Subst. überhaupt —, dann wird 
letzteres umso leichter in das nominalverbale Gerundium 
übergehen. z E | | 


Unterscheidung. 


Seiner substantivischen Funktion gemäß kann das Gerun- 
dium gewisse Attribute, so. auch den Artikel, zu sich nehmen. 
Selbst dieser wäre also kein sicheres Kennzeichen für das 
Verb.-Subst.; allerdings wollen manche, so I. Schmidt, Gramm. 
8 364/2, den Artikel nur vor Verb.-Subst., nie vor Grerund. 
gelten lassen. Die Grenze zwischen beiden ist durchaus nicht. 
bestimmt, die syntaktisch-stilistische Unterscheidung ist sehr 
oft kaum mit Sicherheit zu treffen, für den Sinn der: Sätze ist. 
sie im allgemeinen von keiner besonderen Wichtigkeit. Fehlt 
jedes äußere Kennzeichen, so sind die zwei Funktionen schlechter- 


dings nicht auseinander zu halten; die Formen, denen die Merk- 
7r 


=. 100 == 


male des Verb.-Subst. fehlen, werden als Gerundia betrachtet. 
Die vorliegenden Fälle in der Prosa geben doch einige An- 
haltspunkte, um ihre Zugehörigkeit erkennen zu lassen. In 
B. 1245/50, 1800/05 ist der bestimmte Artikel ja noch kein 
sicherer Beweis, wohl aber der von doynge abhängige Gene- 
tiv mit of, eine beim Ger. unmögliche Fügung; B. 535/40, 
M. 2895/900 treten Attribute zu doynge, bezw. mysdoynge; 
B. 1065/70, in der Reihe der Subst. steht der Plural doynges, 
.der vom Gerundium nicht gebildet werden kann. Als Gerund. 
anzusehen ist 220/25: ordenaunce of doynge, es dient als Attri- 
but zur Ergänzung des Nomens. Ebenso gut könnte hier der 
Inf. to do stehen. Sie sind ja enge verwandt; beide sind ihrem 
Wesen nach abstrakte Subst., das Gerund. in nominaler, der 
Inf. in verbaler Form. Gerade in attributiver Funktion sind für 
die Wahl des einen oder des anderen oft weniger syntaktische 
als formal-stilistische Gründe maßgebend. Für diese Fügung 
of doynge ist ein romanisches Vorbild noch nicht aufzufinden 
gewesen. 

Außer Jespersen und Einenkel handelt über das Verb.- 
Subst. und Gerund. auch Sweet, N.E.Gr.$ 2326—30; I. Schmidt, 
Gramm. $ 364 fl; G. Wendt, Syntax I, 11/68; Deutschbein $ 60, 
S. 148, der ausführlich die weitere Entwicklung bis in das Ne. 
gibt; Hoops, Engl. Sprachkunde, IX, 2e, S. 117/118. 

Welchen ausgedehnten Gebrauch Chaucer von den -ing- 
Formen macht, zeigt die stattliche Zahl von ungefähr 600 Fällen 
in B., in M. sind es an 400, in P. mehr als 300, im Astrol. 
immerhin noch 81. Davon sind in B. etwas über ein .Drittel, 
in M. rund 30, etwas mehr in P. und 26 im Astrol. Mittel- 
wörter der Gegenwart, meist in attributiver Verwendung, wenn 
nachgesetzt, des öfteren an Stelle eines Nebensatzes; auch als 
Teil des Prädikats in Verbindung mit to be ist es nicht selten, 
in B. allein sind an zwei Dutzend Belege hiefür zu zählen, 
(zur periphrastischen Form Deutschbein $ 33 ff. auf Gerike ver- 
weisend; bes. auch Sweet, N.E.Gr. 2203, 2211, 2212). Ueber- 
leitung vom partizipialen zum präpositionalen Gebrauch kommt 
‚vereinzelt vor, z. B. touchynge B. 145/50; as t. in M. 4x 
(M. 3835/40 as touchynge that ye seyn... .); savynge M. 2735/40. 


— 101 — 


An Verb.-Subst. sind in B. rund 240, in M. an 100, mehr 
als 200 in P. und 50 im Astrol. vorhanden. Kenntlich sind sie 
vor allem durch die Pluralform (z. B. B. 25/30 2X, 60/65, 
180/90 2X), durch den attributiven Gen. mit of (z.B. B. 25/30, 
80/85 2X, 125/35 2X, 155/65 2X usw.), endlich durch das 
attributive Adj. (z.B. B. 170/80 2X, 185/90 usw.). Ing-Formen 
mit dem Artikel allein sind, wie erwähnt, umstritten und daher 
schwer in die eine oder die andere Gruppe einzuordnen (im 
B. über ein halbes Hundert solcher Fälle; die mit adjekt. 
Possessivum, z. B. B. 65/70 2X, 130/35 u.a.m., sind wohl eher 
zu den Verb.-Subst. zu rechnen). 

‚Als sichere Belege für Gerundia sind -ynge-Formen ohne 
Artikel anzusehen, meist von of oder einer Präposition. ab- 
hängig; es kommen an 80 Stellen in B,, an 40 in M., eben- 
falls 80 in P. und 5 im Astrol. vor (z. B. P. 570/75 by drynkynge 
venemous. herbes, 600/05 forsweryng falsly, sodeynly, 950/55 
slepynge longe in... quiete, 1055/60 in suffrynge paciently 
wronges). 

Gegenüber der großen Zahl der -ing-Formen in sämtlichen 
möglichen Verwendungsarten mit den verschiedensten Er- 
weiterungen, mannigfachen Abweichungen vom Schema, Unter- 
schieden und Uebergängen fällt auf, wie selten Chaucer gerade 
doing, die Ableitung eines sonst so viel- gebrauchten Verbums, 
verwendet. Auch die anderen Formen von do sind im Verhältnis 
weitaus häufiger anzutreffen. Es ist nicht möglich, zu ent- 
scheiden, ob die Gründe hiefür im Wort selbst, in der äußeren 
lautlichen Gestaltung oder in der inneren Bedeutungskraft liegen: 
sie dürften wohl syntaktischer, stilistischer Natur sein. 


C. Doere. 


Neben dem Verb.-Subst. auf -ing tritt noch ein anderes 
auf mit dem germanischen Nominal-Suffix -ere (entsprechend 
dem lat. -or); -ere diente im Ae, zunächst dazu, Subst. von 
anderen Subst. abzuleiten. Doch gleich wie bei -ing ging es 
auch hier. Viele -ere-Formen konnten gerade so gut vom Nomen 
wie vom stammgleichen Verbum herkommen; so wurden Verb.- 


— 12 — 


Substantiva mit. diesem Suffix von jedem .Verbum, auch von 
do gebildet (Jespersen, Growth and Structure of the E. Lang. 
$ 162): ae. doere, me. doere (s. N.E.D.). Sie bezeichnen die 
Person, welche die durch das Zeitwort ausgedrückte Tätigkeit 
vollführt. Das Objekt, welches die Handlung, damit den Han- 
delnden näher bestimmt, wird oft im Gen. mit of hinzugesetzt. 
B. 1395/400 (413) ... the doere of wrong (iniuriae inlator), 
1635/40 (424) ... by the entencioun of the doere, 1920/25 
(436) ... of the power of the doeris (Plur.) (de potestate 
facientium), M. nur ..in Zusammensetzungen : 2620/25 (107) 
evildoers, 2630/35, 2660/65 (107) misdoers, die Subst. stehen 
räumlich nicht weit voperBenger ab. P. und Astrol. haben keine 
Belege. 
Makere, die Ableitung‘ des sinnverwandten make ist (meist 
in der Bedeutung Schöpfer, Erzeuger) weit häufiger anzutreffen, 
in B.. ilmal, (lat.. auctor, conditor, proditor), in M. zweimal, 
in P. und Astrol. je einmal; im letzteren begegnet es als’ ein- 
ziges Beispiel für diese Bildung, die sonst nicht selten ist. So 
sind in B 22, in M. 15 -und in P. 16 Fälle für Nomina auf 
-ere zu zählen (z. B. B. 1395/400 knowere of thinges, 1630/35 
bygynnere of wirkynge, 1935/40 byholdere and forwytere of 
alle thingis u.a. m.). Die Herkunft vom Verbum ist zu ersehen 
an nachgestelltem Adverb, wie B. 1500/05 (417): kepere of gold 
or dryuere awev of yvel e servator bonorum vel  malorum 
un | 


D. Komposita 

Komposita von do kommen ausschließlich in B. und da 
nur zweimal vor (abgesehen von den Verbal-Subst. in M.s. o.) 
B. 595/600 (379)... stryven to fordo the fassoun;; for bezeichnet 
ein Verkehren der ursprünglichen Richtung. der Tätigkeit, ver- 
derben, zerstören, ebenso B. 1915/20 (436) they ne myghte nat 
ben undoon, un- verändert die Bedeutung eines -Wortes in 
das Gegenteil, undo auflösen, rückgängig, ungeschehen machen. 


— 13 — 
E. Zusammenfassung. 


Die vorliegende Zusammenfassung des gesamten Materials 
für do und manche damit eng verknüpfte Fragen in Chaucers 
Prosa zeigen seinen eigenen Sprachgebrauch und darüber hinaus 
den seiner Zeitgenossen, wofür er als Vertreter gelten kann, 
Die nächstliegenden, natürlichen Verwendungsarten sind am 
häufigsten. vertreten, der transitive Gebrauch, N.E.D. do I, hier 
vor allem die Gruppen 4 und 5,.do + Akk. + Dat.-Obj. ohne 
und mit to, dann 6 mit den verschiedenen Unterabteilungen, 
die die größte Anzahl der Fälle in sich vereinigen. — Das 
intransitive do kommt bezeichnenderweise nur in der all- 
gemeinsten Bedeutung vor: 1115. -— Von den causal and 
auxiliary uses, N. E.D. III, kommt nur das begründende und das 
stellvertretende do in Betracht; die Beispiele für die faktitive 
Verwendung sind wenig zahlreich, es trifft sich aber glücklich, 
daß die wichtigsten Fügungen alle belegt erscheinen. Recht 
reichlich sind naturgemäß .die Fälle der Stellvertretung vor- 
handen. Obgleich die Prosa einen einzigen noch dazu sehr 
zweifelhaften Beleg für das umschreibende do bringt, oder 
vielmehr gerade deshalb, mußten auch die Verswerke untersucht 
werden, denn auf diese Weise allein konnte CGhaucers Stellung 
zur Umschreibung mit do erkannt werden. Um aber in der 
verwickelten Frage volle Klarheit zu gewinnen, war das Problem 
über Chaucer hinaus zu verfolgen. So erklärt sich der verhältnis- 
mäßig große Umfang dieses Teiles der Abhandlung. — In N.E.D. 
IV war eigentlich nur 33 to do zu erwähnen. — N.E.D. V, do 
mit Präposition ist die schwächste Gruppe, — VI, do mit 
Adverbia, ist geschlossen vertreten durch 44, do away. Die 
Ableitungen vom Verbalstamm und die Komposita kommen 
nicht oft vor. 

Die weitaus wichtigsten und bedeutsamsten, wenn auch 
nicht meisten Belege bietet die Uebersetzung des Boece. Die 
Verwendung und das Vorkommen des unentbehrlichen Wörtchens 
do gerade in diesem ersten Prosawerk Chaucers läßt erkennen, 
mit welchen Schwierigkeiten er zu kämpfen hatte, um seine 
Sprache als geeignetes Ausdrucksmittel für die Prosa zu ge- 


—ı 0A, ze 


brauchen. An manchen Stellen häufen sich die Beispiele in 
derselben Funktion, oft tritt ein zweites Verbum hinzu, um 
ein einziges lateinisches wiederzugeben, sei es, daß die genaue 
Entsprechung im Englischen fehlte, sei es, daß er verstanden 
und daher besonders deutlich sein wollte, — das und anderes: 
ähnliches machen den Stil nicht selten schwerfällig und breit; 
z.B. B. 1245/50: 13 Fälle mit do, 1 doynge gegenüber 8 posse, 
2 facere, je 1 valere, patrare, exercere, efficientia; 1395/1405: 
8 do, 1 doere gegen 3 facere, 3 inferre, 1 satisfacere, amittere; 
1765/80 bietet die beste Entsprechung, 8 do — 7 fieri, 1 existere; 
1880/95: 4 do — 2 fieri, je 1 gerere, esse; 1917/20: 5 do, 
1 undo, 1 doere — 6 Formen von facere, 1 fieri, existere. 
Weitere Ausführungen über den Stil macht Bern. L. Jefferson, 
Chaucer and the Consol. of Philos. of Boethius, S, 1—46. Trotz- 
dem bleibt die Uebersetzung ein Markstein in der Entwicklung 
der me. Prosa; sie erschloß einen neuen Wortschatz und 
eröffnete neue Verwendungsmöglichkeiten für altes Sprachgut, 
das zeigt ein Vergleich mit Wycliff, John of Trevisa und anderen 
Autoren des 14. Jahrh., das erweisen auch deutlich die Belege 
für do. Chaucer nützt es hier zum ersten Male in ungebundener 
Rede viel reichlicher als die übrige spärliche Prosa des 14. Jahrh,, 
allerdings nicht in solchem Maße, daß er als sprachlicher Neuerer 
erschiene. | | | | | 


Do in Chaneers Boece und anderen englischen 
Uebertragungen. 


Aus den schon S.20 angeführten Gründen soll zunächst. 
don in König Alfreds ae. Bearbeitung der Consolatio kurz: 
betrachtet werden. Er hält sich bei seiner Uebertragung nicht 
streng an das Original, ja seine Freiheit geht so weit, daß er 
aus dem fünften Buche eigentlich bloß etliche Gedanken über- 
nommen hat. Eine eingehende Vergleichung mit der Quelle 
' gibt W.I.Sedgefield in seiner Ausgabe: King Alfred’s O.E. Version 
of Boethius’ De Consol. Philos. (Oxford 1899) im $ IV der Ein- 
leitung, worin er auch Verfasserschaft und die strittige Datierung 
behandelt. (Welches Interesse man der Consol. im Mittelalter 
jederzeit entgegenbrachte, beweist unter anderem, daß eine 
vollständige Abschrift von Alfreds Werk aus den ersten Jahren 
des 12. Jahrh., also schon aus der Uebergangszeit zum Me. 
erhalten ist, Bodl. Ms.180, von Sedgefield mit D bezeichnet.) 

Die folgende Zusammenstellung für Alfred und Chaucer kann 
nicht den Zweck haben, die Zahl der Fälle gegeneinander zu 
halten und daraus Schlüsse zu ziehen, da ja Alfred und Chaucer 
nicht denselben Text bringen. Wohl aber gibt die Verteilung 
der Belege auf die einzelnen Gruppen und ihre Anzahl in einem 
einzelnen Werk wie hier Aufschluß über die Verwendung und 
jeweilige Auffassung des Verbums. Die Beispiele in Alfreds: 
Proem und den Kapitelüberschriften (ohne Entsprechung bei 
Chaucer) werden gesondert angeführt. 


Gruppe: Alfred Cotton Metra _Chaucer 
l,1: | 6 1 = 
4: 7 — 6 


DE: (4) _ 14 


(Proem) 
‚(Kap.-Ueberschr.) 
6b: 


6c: 

Öd: 

be: 

T: 
8: 
(Proem) 

Doppelter Akk. 
4Kap.-Ueberschr.) 


Gesamt: | 


| Gesamt: 
- 10,33: - 
33c: 
Gesamt: 


‚V,37: 


VI44a: 
44b: 
41: 


Gesamt: 
Gesamt: 


— 106 — 


Alfred Cotton Metra 


44 


76+4 


4 


Far 


74 


|lwwunßl | 


Chaucer 


— 
aan 
DD 


— 107 — 


Gruppes:t: Alfred . Coiton Metra .Chaucer 

Komp WEISE Zu ee re, ih 
doing u Nae wie Au Ka D 
doere Er . a a | . 2 


Die Beispiele für 1 1 tun dar, dab die lokale Bee 
bei Alfred noch lebendig empfunden wird und gar.nicht selten 
anzutreffen ist; allerdings ist do hier nicht für: das rein ört- 
liche put, place (I,1a), sondern nur im übertragenen Sinne 
(l, 1b) verwendet; Damit ist die Anmäherung an andere Gruppen 
gegeben; man hat ja nicht mit scharfen Grenzlinien; sondern 
mit Grenzgebieten zu rechnen. In allen diesen Fällen erscheint 
do mit to zusammen, sodaß die ursprüngliche Vorstellung wäre 
put s. o, to, into s. th. (auch passiv). So vollzieht: sich der 
Uebergang zu den folgenden Gruppen 4 und 5 (direktes und 
indirektes Dativ-Obj.), wo die ne to put s, th. to 
8. 0. gewesen zu sein scheint. 


1,4: Das Dat.-Obj., der Hahpizsgensiänd des Interesses für 
diese Gruppe, wird 4X durch ein Pers.-Pron., 1X mit .Gode, 
2X mit men ausgedrückt. Die noch vorhandenen Flexions- 
endungen oder eigenen Formen wie bei men machen den Dativ 
als solchen gleich kenntlich, daher ist die Stellung der Satz- 
glieder frei, wenn auch allgemeine Tendenzen für eine be- 
stimmte Wortfolge merkbar werden, Das Dat.-Obj. steht meist 
vor dem Verbum, das direkte Obj. im Akk. folgt gewöhnlich 
dem Zeitwort. —. (Welchen vielseitigen Gebrauch von don 
Alfred. macht, zeigt die Stelle S. 17 Z. 22, die an 1,4 ange- 
schlossen werden möge: hu. vfele (Adverb) me dod manige 
weoruldmenn ‚mid p& bt ic ne mot wealdan... Das direkte 
Obj. vfel, wie z. B. 38/27, ist durch das Umstandswort ersetzt, 
wodurch größerer Nachdruck auf das Verbum, die Tätigkeit 
‚gelegt wird. So rückt. das. Beispiel nahe an die intrans. Ver- 
‚wendung, II, 5l, heran; mid bsem: würde es zur Gruppe I,6e 
stellen, Erweiterung des Prädikats; der Nachsatz mid pam p:et 
‚bringt es in Beziehung :mit dem kausalen do, Il, 21.) 


— 18 — 


(1,5). Das Dativ-Obj. mit to kommt eigentlich nicht vor, 

daher die Klammer, Die Belegstellen sind aus äußerlich for- 
malen Gründen hier zusammengefaßt worden, da sie durch das 
Auftreten von to+ Dativ ein auffallendes gemeinsames Kenn- 
zeichen aufweisen. Wieder lassen sie die große Freiheit in 
der Behandlung des ae. Verbums erkennen; in 44/27, 110/19, 
110/31 ist don to gode im Grunde eine adverbiale Bestimmung 
gleich dem lateinischen recte facere (.. magon don to gode 
bet..), in 113/14: .. do des lean to.. goodum, ist do soviel 
als add, put to; es leitet über zu I,1 (lokal), auch zu V, 39 
‘ (do mit Präpos.). 
“16 bildet naturgemäß die größte Gruppe; die meisten Obj. 
werden durch Pronomina dargestellt, worunter wieder pt als 
Demonstrativum (1+11) und als Relativum (1-++ 12) überwiegt. 
ping, das bei Ghaucer so oft zu finden war, erscheint nur 2 X 
direkt, 2X (Rel.) indirekt. — An Subst. kommen nur zwei Ab- 
strakta vor (16/7, 131/2). 

1,6b: Der Inhalt des Werkes bietet reichlich Anlaß zu 
Objekten dieser Gruppe, Begriffe moralischen Inhalts; yfel für 
sich allein begegnet 7X, mit attrib. Pronomen 6 X,. indirekt 
(Pron.) 3X, unriht und woh je 1X; auf der positiven Seite 
erscheint good 4X für sich allein, 2X mit attrib. Pron. Von 
beiden Seiten wird das Verbum in Anspruch genommen in don 
swa god swa yfel (zweimal), swa®der (=god or yfel, einmal). 

. 1,6e bringt die verschiedenen Erweiterungen des Prädikats, 
welche die Beziehung der Handlung zu anderen Personen, auf 
andere Dinge als das direkte Obj. ausdrücken und damit den 
Zusammenhang mit 1,5 herstellen; im Ae.- hat das Verbum 
weiten Spielraum, z. B. hier 37/1 .. don ymbe hine . „. 41/2, 
88/13, 99/11, 134/21 don for, purh, 148/31 wid. 

 17b ist durch 75/16 weorädscipe, 143/30 hreowsunge be- 
legt, 1,8 im perfektiven Sinne 2X in der Vorrede, .Proem 
1/2, 1/10. 

_ Nun bleibt noch eine transitive Verwendung zu erwähnen, 
do mit dem .doppelten Akk., eine Fügung, die in Chaucers 
Prosa ausschließlich durch make gegeben wird (s. S. 48). Zu 
do in der Bedeutung „machen“ tritt außer dem direkten Obj. _ 


— ..109 — 


noch ein Akk, in faktitivem Sinne, d. h. er bezeichnet ein Er- 
gebnis der Verbal-Tätigkeit, etwas, was das Obj. durch die 
Verbalhandlung wird, (dazu Deutschein $ 120, 2a). Bei Alfred 
wird der Obj.-Akk. 16+2X (Kap.-Ueberschrift) durch ein 
Nomen, 16X durch ein Pronomen gegeben, der Prädikats- 
Akk. wird wie stets im Ae. ausschließlich durch Adjektiva 
ausgedrückt. 
1,15: Do intransitiv gebraucht kommt bei Alfred ver- 
hältnismäßig viel öfter vor als bei Chaucer; immer wird es 
von einem Umstandswort der Art und: Weise oder einer anderen 
modalen Bestimmung begleitet (z.B. 58/6 ge... don neatum gelice), _ 
die auch die Form eines Modalsatzes annehmen kann (34/25, 
don swa hi dydon, 127/32 u.a.). Die Adverbia (5 swa, 3 wel, je 
1 bet, tela untela, elles) stehen stets unmittelbar vor dem Verbum 
außer in 29/23 Ne do pu swa, 99/25 do swa swa du wille, wo 
es sich um Befehlsformen handelt. 
- ML Auffallend unterscheiden sich Alfred und Chaucer im 
Gebrauche des kausalen do; bei Alfred und in der Zeit nach 
ihm (Evangelienübersetznng, Aelfric) ist das faktitive don meist 
mit einem abhängigen bset-Satz gefügt: III, 21, das hier mit 
10 Belegen. erscheint. Don mit folgender Nennform' (III, 22, 23) 
kommt zwar schon in den P’salterglossen vor (Canterbury, Surtees 
Psalter, Interlinearversion des Lindisfarner Evangeliars), doch 
da ist wohl das lateinische Original nicht ohne Einfluß geblieben; 
häufiger tritt es erst gegen Ende der ae. Periode (um 1100) auf, 
bei Chaucer hat es schon das Uebergewicht gewonnen. — Aber 
auch hier wieder greift der Wortlaut der Stellen im Ae. über 
das einfache Schema don. + bat und Nebensatz oft beträchtlich 
hinaus und vermittelt dann die Verbindung von Ill, 21 mit 
anderen Gruppen, so z.B. 10/3: das Subj. des Nebensatzes ist 
als direktes Obj. im Hauptsatz vorweggenommen: .. pa sunnan 
bu gedest p(zet) heo... adswascd, 29/28 ma&ge seo wyrd be 
gedon fat); 36/15, 36/27 tritt ein. subjektiver Dativ (des 
Interesses) vor das Verbum des Hauptsatzes don, 24/25 Wundrum 
Iytel m&g gedon.. mon p(zt), tritt ein Akk.-Obj. im Sinne 
eines Adverbs hinzu, Die Gruppen 22 und 23 sind bei Alfred 
nicht belegt. 


— 110 — 


III, 24. Schon seit den frühesten Zeiten wird im Ae. irgend ein 
Hauptverbum durch do aufgenommen und vertreten, auch in 
Alfreds Boethius ist das vikarierende do oft zu finden. 

24a. Stellvertretung ohne besondere Konstruktion, also 
eigentlich intransitiv wie in 11,15, meist in Vergleichsätzen 
eingeleitet mit swä (=me.ne.as) 9X, oder durch bonne 3X; 
die Wortstellung ist regelmäßig. Wenn swa (=me.ne.so) an 
die Spitze eines Hauptsatzes tritt, überwiegt die Ihversion, 
4 Fälle gegenüber 49/11 mit .mehreren Subjekten: Swa nu fyr 
ded, & wter & se & eorde &... — In 20/17, 126/11 swa swa .. 
men wenab bt sio sunne do, ist swa, das dem Sinne nach zu 
do gehört, in den übergeordneten Satz herausgezögen worden. — 
Don vertritt nicht nur vorangehende Hauptverba wie 679, 
sondern nimmt auch das folgende vorweg wie 137/9 (schon auf 
S.72 angeführt), der Begriff „tun® wird erst nachher durch die 
beiden Zeitwörter näher erklärt. 

24c: do mit der Konstruktion des vertretenen. Vekınms 
Hauptsätze, die mit swa beginnen, weisen Inversiön auf, (10/5, 
130/6); in den durch swa eingeleiteten Nebensätzen folgt nach 
der ’Konjunktion das Subj., dann aber schiebt sich zumeist (7 X) 
zwischen dasselbe und das Verb. fin. don das Obj. ein, sodaß 
das Zeitwort an den Schluß des Nebensatzes, damit gewöhnlich 
‘ des ganzen Satzgefüges zu stehen kommt, Nur in 34/23, swa 
he nu dyde to... peodrice, and..toNerone..and. ., 34/27 swa 
fyres leg ded drigne ha&dfeld, odde.. und 133/13 swa man ded 
bone zppel on his eagan, erscheint die Wortfolge swa + Subj. 
+ don + Obj.; die beiden ersten Fälle stehen in einem aus- 
gedehnten Satzgefüge, der letzte hat noch eine adverbielle Be- 
stimmung außer dem Obj. So ist es erklärlich, daß der Kern 
des Satzes Subj. und Prädikat straff zusammengehalten und 
ihre Trennung durch das Dazwischentreten von schweren 
Satzteilen vermieden wird. 

24d: Auch im Ae. macht sich da neben der rein stell- 
vertretenden Funktion des Hilfsverbums do der primäre Charakter 
des Hauptverbums do bemerkbar, es steht zwar für ein anderes 
Zeitwort, doch das Tun, das Handeln an und für sich wird 
ebenfalls betont. Zwischen 24a und d ist manchmal schwer 


— 11 — 


zu unterscheiden. Wie früher ist überall swa anzutreffen, 2X 
als Konjunktion (=as), sonst als Adverb. (= so), das auch in: 
den Hauptsatz gezogen werden kann (28/28). Es steht außer 
in 93/16 Swa nu wrsennes ded, unmittelbar vor dem Verbum, 
nur 66/29 and da dyde ınon swa, ist es an den Schluß des- 
Satzes unter Hochton gerückt. Die zahlreichen Varianten inner- 
halb der Grundtypen von III, 24 lassen die Vielseitigkeit und. 
Freiheit in der Verwendung des ae. don beobachten. — Der 
Beleg, welcher im N.E.D. für 25 b in Anspruch genommen wird: 
(14/17), wurde schon S.71 ff. besprochen. 


 W,33: Der „Dativ“ des Infin. to donne ist im Ae. an 
der noch lebendigen Kasusendung zu erkennen; 3X ist er vor 
oder nach einem Verbum, also prädikativ, 2X attributiv ver- 
wendet. Die zu ihm gehörigen direkten Obj. sind meist (4 X). 
in die Gruppe 6b (moralische Begriffe) einzureihen. | 

. V. Do mit Präpositionen in besonderem Sinne ist durch 
47 do off vertreten, a: to put, take off, remove 2X, es hängt 
mit dem lokalen Gebrauch (I, 1d: to do of= to put out) zusammen.. 


An Komposita sind adon 5X (1X als Part.) und fordon 
3X (1X als Part.) belegt. Bei ersterem findet sich oft außer 
dem Akk.-Obj. of, 1X auch from. 


Die Uebertragung dieses Denkmals gehört der bedeut-: 
samsten Periode der ae. Prosa an und gibt somit ein Bild 
der sprachlichen Verhältnisse im allgemeinen, des Gebrauches- 
von don im besonderen. Zusammenfassend sei bemerkt, daß 
die lokale, die Grundbedeutung von do. noch lebendig ist, 1,1; 
to ist noch nicht so geschwächt, daß zur direkten Ergänzung 
im Akk. ein Dat.-Obj. mit to treten kann, I,5. Die häufige An-. 
wendung des doppelten Akk. bei do im ae. Boethius bildet 
einen der Hauptunterschiede zwischen Alfred und Chaucer. — 
Die intransitive Funktion, Il/15, ist im Ae. kräftiger ausge- 
prägt. — Do als kausales Hauptverbum weicht stark vom Me. 
ab, Alfred fügt es mit Nebensatz, bei Chaucer ist die Kon- 
struktion .mit dem Inf. gebräuchlicher. — Auffallend ist der 
weite Bereich, den das stellvertretende do im Ae, gegenüber 
dem Me. einnimmt. — Komposita kommen im ae. Text häufiger 


— 112 — 


vor, aus Me. Chaucers verwendet dafür do mit Adverb, adon = 
do awey. 

Do hat bei Alfred einen viel größeren Ssjöiraim. wird von 
ihm für viel mehr Bedeutungen und Begriffe verwendet als von 
Chaucer, dabei kommt aber das ae, don im Verhältnis nicht 
öfter, ja in diesem Denkmal eher seltener vor als im Me., 
speziell im Boece (1 do in ungefähr 60 Zeilen = 2 Seiten der 
Ausgabe von Sedgefield). 


Das Problem der Verfasserschaft der Cotton Metra ist 
nicht endgültig gelöst; Fehlauer gibt (S. 20—31) eine ausführ- 
liche Darstellung des Standes der Frage .(1909: 5 Gelehrte 
dafür, 8 dagegen, 6 unentschieden, Fehlauer selbst für Alfred; 
dazu Brandl, Ae. Literatur). Hier würde sie nur insoferne in 
Betracht kommen, wenn sich im Gebrauch von do Verschieden- 
heiten zwischen Alfreds Prosa und diesen Versen ergäben. Es 
ist jedoch nichts außergewöhnliches zu bemerken, die Wort- 
stellung wird natürlich durch das Metrum beeinflußt, do 
bietet keine Handhabe für eine Beweisführung auf eprachlicher 
Grundlage. | 


Walton hält sich inhaltlich ebenso wie sprachlich eng” 


' an seinen Meister und sein Vorbild Chaucer; so unterscheidet 


sich auch sein Gebrauch von do weder dem Umfange noch 
der Art nach irgendwie von dem Chaucers außer durch die 
schon S. 89 eingehend besprochene Verwendung des um- 
schreibenden do; bei Walton ist es wohl noch eine ausgesprochen 
dialektische Eigentümlichkeit. 


Ein völlig anderes Bild zeigen die Boethius-Uebertragungen 
des 16. Jahrhunderts. Als Vorläufer Elisabeths ist George 
Colville anzusehen, der, angeregt durch Chaucers Ueber- 
setzung, sich um die Mitte des Jahrhunderts der gleichen 
Aufgabe unterzog (Fehlauer, S. 61, hier S. 19). Schon im 
weitläufigen Untertitel und in den einleitenden Abschnitten — 


— 13 — 


eine vollständige Textausgabe (Bax) war nicht erreichbar — 
erscheint in reichlichem Ausmaße das umschreibende do, das 
in der frühne. Zeit zu einem Hauptcharakteristikum nicht nur 
innerhalb des Verwendungsbereiches des Verbums selbst, son- 
dern des ganzen Sprachgebrauches in dieser Periode überhaupt 
geworden ist, z.B. ... whose disputaciouns do plainly declare 
the Iyfe, ... where the elect... soules do raygne. Stellen aus 
den beiden ersten Büchern (nach Fehlauer): my .... life... 
doth continue in dolour (Ch. myn ... lif draweth along); 
the ioye ... dyd comfort me (Ch. comforten); And she her 
selfe dyd bare in her... hand... bokes (Ch. this woman 
bar ... bokes in her... hand); they that doo dystroye the 
commodytyes of reason (Ch. tho that ... destroyen the 
corne ... of resoun); and dyd behold y® son beames... and 
did se the sterres ... an dyd knowe what sterres dyd kepe 
and use ...courses (Ch. ... and saugh the ligthnesse of the 
sonne and saugh the sterres ... and whiche sterre ... useth 

. courses); fragend: doeste thou holde thy peace for shanmıe 
(Ch. Is it for shame); If then the wynde ... do blowe from 
hys den... putting away the nyght (Ch. yif thanne the wind 
... y-sent out of the caves ... beteth this nyght) Konjunk- 
tiv; andthe son... dothe shyne and stryke (Ch. than shyneth 
Phebus ... and smyteth); whoso ... do wysshe for goodes 
(Ch. But who so ... desireth thyng) Konjunktiv; negativ 
fragend; doth nat thisplace... shewe the? (Ch....sheweth 
it nat ...); persons whom the moste parte of the people do 
feare ... (whiche the peple ... dreden); Randbemerkungen 
und Zusätze im ersten Buch: The poetes do fayne that... 
the sonne and the sterres do ryse ... do go down. Aus dem 
Bruchstück, das Wülker gibt: Thou doist turne the firmament 
(Ch. tornest, Walton turnest, Alfred ymbhweorfest, C. Metra 
ymbwhearfest), ... that the moone ... do lose her Iyght). 


Zwischen Colville und Elisabeth schiebt sich die kunst- 
volle Wiedergabe der ersten 9 Metra durch Sir Thomas 


Challoner 1563 ein (S. 19). Unter den 23 do-Fällen in den 
8 


BEE 


285 längeren und kürzeren Versen und dem prosaischen Nach- 
‘wort sind nicht weniger als 22 do in umschreibender Funk- 
tion (1X im Fragesatz); das einzige Mal in primärer Ver- 
wendung (l,8) kommt es im prosaischen Teil vor. 


Die Uebersetzung der Königin Elisabeth. (E.E.T.S.Or. 
‘Ser. 113 [1899] nach dem einzigen vorhandenen Ms, teilweise 
.von der Hand der Königin selbst, im Public Rec. Office heraus- 
‚gegeben von Miss C, Pemberton) fällt in eine der Glanzperi- 
‘oden der englischen Sprache, in die Zeit Shakespeares (1593); 
in dem Werk wird sich die Ausdrucksweise des damaligen Eng- 
‚land spiegeln. — Gibt auch Chaucer eine genaue Uebertragung 
‚der Consol., so hält er sich doch nicht sklavisch an das Original, 
sondern nimmt sich die Freiheiten eines guten Uebersetzers heraus, 
.das gleiche tut Colville gegenüber seinen Vorlagen, dem latei- 
nischen und Chaucers Text. Anders die Königin; sie übersetzt 
‚ wortgetreu, Ausdruck für Ausdruck. Diese pedantische Genauig- 
keit kann sie aber doch nicht vor fehlerhaften Wiedergaben 
‘bewahren, ja führt oft geradezu mißverständliche, Auffassung 
mancher Stellen herbei (z. B. I,M.4/3). Unter diesen Umständen 
‚ist es nicht verwunderlich, daß ihre Sprache nicht selten unge- 
:lenk, steif.und gezwungen wirkt, an lateinische Konstruktionen 
-anklingt, besonders wenn sie die schwierigen lateinischen Vers- 
maße in englischen derselben Art. nachzuahmen versucht, Die 
Kürze der Arbeitszeit (nach den verschiedenen Angaben von 
Zeitgenossen, die allerdings als Angehörige des Hofstaates nicht 
„ganz unparteiisch sein dürften, 24—26 Stunden in 26 Tagen) 
war für die allgemeine Qualität des Werkes gewiß nicht von 
Vorteil, ließ aber wohl nicht Muße zu langem Feilen, gesuchten 
Wendungen und gekünstelten Konstruktionen. Daher wird auch 
.das zum alltäglichen Wortschatz gehörige do in der natür- 
lichen und dazumal gebräuchlichen Weise von ihr verwendet 
worden sein. Da Chaucer und die Königin den Originaltext 
bringen, können hier die Zahlenverhältnisse der folgenden Zu- 
'sammenstellung miteinander verglichen werden. 


= 115 == 


Chaucer 


6 
14 
4 
28 
5.112 


. Chaucer 
en 


7 


al I III I Ierwrernen| 


CGhaucer 


Elisabeth 


e 45 
7 
1 


60 


NO ST) 


21 


54 


Elisabeth 


‚6 
41 
1 


23. 


. Elisabeth : 


V,37: | 1 _ 
VI, 44: 16 8 
Gesamt: 171 329 
doing 5 3 
don — 1 
(Part. abs.) 

doere 2 3 
Kompos. 2 2 


Zuerst macht sich äußerlich die Massenwirkung geltend, 
den 171 Fällen bei Chaucer stehen fast doppelt so viele bei 
Elisabeth gegenüber. — Als transitives Hauptverbum tritt do 
sehr stark zurück; in den Versen der Metra ist es in diesem 
Sinne nur zweimal zu belegen (B.=Book Ill, M. = Metrum 928: 
l,4b, Dat.-Obj. ohne to, B. IV, M. 2/18: L6 gewöhnl. trans.). 
Doch auch in der Prosa sind Zahl und Art der Obj.-Begriffe 
beschränkt. Außer den Nomina (zu I,4b in B. III, M. 9j28) do 
... them grace, (zu 1,5, Dat.-Obj. mit to inB. II, Pr.=Prosa 
7/37) do profit to many...peple, (zu I,9, Akk.-Obj. s. S. 45, 
in B. II, Pr. 6/44) do his propertie (Chaucer,... maketh), be- 
stehen die Ergänzungen nahezu alle aus verschiedenen Pro- 
nomina und Pronominalien wie all, thing etc. Für 1,6b, Akk.- 
Obj. moral. Inhalts, sind die gewöhnlichen Ausdrücke wie 
wrong, yll, einmal mischeefe zu finden, ebenso in den wenigen 
Fällen von I,6e, Erweiterungen des Präd. 

I. Der intransitive Gebrauch ist gleichfalls beschränkt. 
Es kommen zwar, absolut genommen, gleich viel Beispiele in 
beiden Werken vor, aber es sind die Gesamtzahlen zu berück- 
sichtigen, und da tritt die Abteilung II bei Elisabeth zurück. 
Nicht zu finden ist bei Chaucer II,17: to have done (B. II, 
Pr. 3/7: when these haue don to sounde.... Chaucer: stynten 
for to soune). Die Abweichung ist wohl nur zufällig durch die 
Wortwahl Chaucers bedingt, da diese Wendung schon zu Be- 
ginn des 14. Jahrh. zu belegen ist (Rob. Brunne, Handl, Synne, 
St. Katherine). 


— 17 — 


II. In kausalem Sinne verwendet Elisabeth do mit fol- 
gendem that-Satz nur vereinzelt (B. V, Pr. 6/50). Do mit Inf. in 
faktitiver Bedeutung ist nach Ende des 16. und im 17. Jahrh. 
anzutreffen, hier bei Elisabeth und bei Shakespeare kommt es 
nicht mehr vor (Franz, Sh.-Gramm. 2, Aufl, $ 595, Anm. 1). 
Wie schon S. 109 erwähnt wurde, reichen die Anfänge dieser 
Konstruktion bis in das Ae, zurück, ihre Entwicklung und 
Blütezeit fällt in die me. Periode, zu deren Ausgang sie schon 
verblaßt und über do + Inf. mit noch kausaler Bedeutung in 
das periphrastische do übergeht. — Am wenigsten geändert 
hat sich in der Verwendung von do als stellvertretendem Hilfs- 
verbum; zweimal steht es hier in einem Vergleichsatz ohne 
Inversion. — Völlig und ganz ist do in seine Funktion als 
Hilfszeitwort eingetreten; das zeigt deutlich die in jeder Hin- 
sicht überragende Anzahl der Fälle, die über zwei Drittel der 
Gesamtsumme ausmachen. In Elisabeths Uebertragung sind 
sämtliche mögliche Arten des periphraslischen Gebrauches 
belegt: III, 25 in bejahenden Aussagesätzen, a) mit gewöhnlicher 
Wortordnung, b) mit Inversion, sodaß die normale Stellung 
des Hauptverbums gewahrt bleiben kann, III,26 in Fragesätzen, 
27 in negativen Aussage- und 28 in negativen Fragesätzen, 
endlich auch als Hilfsverb beim Imperativ II, 30. 

Im N.E.D. ist die Fügung do but und Infin, etwas stief- 
mütterlich behandelt; sie wird nämlich nur in Ill,30c als 
Imper. angeführt wie z. B. in der Uebersetzung der Königin 
B. IV, M.6, während sie doch nicht nur bei Elisabeth (weitere 
drei Beispiele), sondern schon bei Ghaucer auch in Aussage- 
sätzen zu finden ist, so B, 1250/55 (407) .. to do oonly but 
goode thinges. Die Natur von but und seine negative Funktion 
behandelt erschöpfend Jespersen in ch. 12 S. 127—139 seiner 
Untersuchung »Negation in English and other Lang.«, Kopenhagen 
1917; die Rolle als Konjunktion und Adv. bei Chaucer im 
bes. bespricht Eitle, $ 77, S. 86b, y, (verkürzter Satz, die 
Negation ist nicht gesetzt).. Die Ansicht Dietzes (S. 37 ff.) ist 
im N,E.D. übernommen worden, daß nämlich do mit but genau 
genommen nur vom ne. Standpunkte aus als umschreibend 
angesehen werden kann, denn eigentlich steckt das primäre 


= ig 


Begriffsverbum do in transitiver Bedeutung drinnen; das Akk.- 
Obj. ist ein nawiht —>naught, nought (> not) gewesen, welches. 
späterhin verschwand. So blieb do but und Infin. in diesem: 
Sinne übrig (N.E.D. but Nr. 6); do but know ist anzusehen 
als eine  Weiterentwicklung von de not (=nihil) but know. 
Die ursprüngliche Funktion dieses do und but: wird deutlich 
erkennbar, wenn nothing an Stelle des alten nawiht tritt; he 
does nothing but, (III Umschreibung mit do zum Ausdruck der 
intellektuellen Einfühlung $ 11). 

Ein Gegensatz zwischen den Prosastücken und den Metren 
ist beim Gebrauch von do nicht zu bemerken, höchstens, daß 
das umschreibende do in den Versen öfter als rhythmisches 
Hilfsmittel benützt wird als in ungebundener Sprache. 

Die damalige und die moderne Fügung des periphrastischen 
do gehen gar nicht besonders auseinander. Nur eines ist auf- 
fallend: im Gegensatz zu heute ist seine Verwendung im posi- 
tiven Aussagesatz (III,25) sehr ausgedehnt, dort tritt es sogar 
zuerst und in Fällen auf, wo die Umschreibung dem jetzigen 
Sprachgefühl nach durchaus gleichwertig neben der nicht um- 
schriebenen Form steht und durch rein mechanisch wirkende 
Kräfte herbeigeführt scheint. Dieses do bildet einen der wesent- 
lichen Unterschiede zwischen dem frühne. und heutigen Sprach- 
gebrauch, der es nur noch kennt zur nachdrücklichen Hervor- 
hebung einer Aussage, zur Betonung der Stärke eines Affektes, 
eines Gegensatzes, zum Ausdruck einer Tatsache, der Wirk- 
lichkeit eines Geschehens. 

Franz gibt zu seiner grundlegenden Darstellung in der 
Shakesp.-Gramm. (Umschreibendes do $ 594 fl.) sehr wertvolle 
Ergänzungen in den Ausführungen über die Arbeit von Hildeg. 
Harz, E. St. 54/297 (1920), desgleichen Ekwall in der Be- 
sprechung derselben Untersuchung, Angl. Beibl. 30/228 (1919). 
Historische Daten bieten Dietze, S. 77 und anderwärts; Deutsch- 
bein $ 35 3.78; SS Deraen, Growth & Struct. 208, un 
in Engl. u. a.m. | 
Die Umschreibung wird durch bestimmte Zwecke bedingt, 
so durch das'Streben nach einer Veränderung der Wortfolge, 
die noch nicht in demselben Maße wie heutzutage durch feste 


— 19 — 


grammatische Normen geregelt. war. Vor allem drehte :es sich 
um .die Stellung des Adverbs und des. direkten (Akk.-)Obj.; für 
das erste strebte man den Platz vor dem Verbum fin. an, sofern. 
es begrifflich zu ihm gehörte, das letztere sollte sich möglichst. 
eng an das Prädikatsverb anschließen. Da konnte do durch: 
seinen Einfluß auf die Wortordnung zur Festigung und Siche-: 
rung dieser Gruppen, zur Klärung des Verständnisses viel bei-. 
tragen. Außerdem ist do ein ausgezeichnetes rhythmisches. 
Hilfsmittel nicht nur als Füll- und Flickwort für die Verse, 
sondern auch für. den Prosa-Rhythmus. Die Sprache war 
solchen. satz-rhythmischen Einwirkungen viel: leichter zugäng- 
lich, da in der frühne. Syntax (daher auch Wortfolge) keines- 
wegs die normierten Verhältnisse von. heute herrschten,. Durch 
Setzung dieses Hilfsverbums konnten Härten besonders am 
Satzschluß vermieden werden, die durch die Aufeinanderfolge: 
von mehreren Hochtönen entstanden wären. Nebenbei ist‘ 
damit eine Erweiterung der Ausdrucksform gewonnen, da es: 
immer auch als stilistisches Steigerungsmittel des Nachdrucks 
dienen kann. Außerdem hatte es eine Menge rein formaler 
Funktionen, man ‚braucht nicht überall gleich eine begriffliche‘ 
Bedeutung hinter ihm zu vermuten. Es dient z. B. dazu, die 
Tempora von Verba, die für Präs. und Präterit. nur eine Form 
haben oder hatten (put, cut, früher lift) auseinander zu halten, 
schwerfällige Präter.-Bildungen zu erleichtern u.a.m. 

‚In der elisabethinischen Zeit, nicht nur in der gebundenen 
Rede, sondern auch in der erzählenden und wissenschaftlichen 
Prosa (Hooker, Bacon) ist das periphrastische do nicht selten: 
in positiven Begründungs- und Relativsätzen zu finden, in welchen: 
dem vorher Gesagten etwas Tatsächliches, Bekanntes, allgemein 
Gültiges hinzugefügt wird; es wird deshalb von Autor und Leser' 
ohne weiteres als selbstverständlich und naheliegend empfunden: 
und aufgefaßt (Franz). Außerdem mögen, da diese Teile oft das: 
Satzgefüge beschließen, die vorher erwähnten .rhythmischen 
Gründe von Einfluß gewesen sein; besonders gut zu beobachten 
ist dies, wenn: das Verb. (umschrieben) direkt dem. Subj. folgt 
oder umschriebene und nicht umschriebene Formen eng neben- 


— 1720 — 


einander stehen. Elisabeth, Boe. B.I, Pr.4/128; Rel. Satz B. II, 
Pr. 5/77, 6/9, 6/41, M. 8/29, B. II, Pr. 1/11, 1/19, 2/60, 5/17 u.ö.Do 
bezeichnet in den positiven Behauptungssätzen nicht allein 
„Einfühlung* in den Standpunkt des Angesprochenen, sondern 
'ganz im allgemeinen eine seelische Beziehung zwischen Sprechen- 
dem und Hörendem, zwischen Autor und Leser. Harz faßt die 
Funktion zu eng, oft genug ist do ein sehr schwacher Gefühls- 
träger, der, wenn er nicht unter Hochton kommt, sich wieder 
' verliert und verschwindet. 

Im negativen Behauptungssatz, N.E.D. III, 27, überwiegt 
noch die nicht umschriebene Form, (Franz, Shak.-Gr. $ 599; 
Stroheker: ebenso bei Marlowe und Kyd; Ziesenis: desgleichen 
bei Lyly, Greene, Peele). Die Beispiele bei Elisabeth sind 
eigentlich auch wenig zahlreich und von diesen ist die Mehr- 
zahl bei Inversion verwendet nach Konjunktionen wie nor, 
neyther, but. Das Bestreben, wie alle anderen Adverbia auch 
die Negationspartikel vor das Hauptverbum zu setzen, macht 
sich hier nicht auffällig bemerkbar. Dabei handelt es sich nicht 
um „negative intellektuelle Einfühlung“, wie Harz annehmen 
möchte, sondern diese Umstellung mit Hilfe von do bezweckt 
Klarheit, indem sie die Zusammengehörigkeit von Negation 
und Hauptverb betont; dadurch verhindert sie das mögliche 
Mißverständnis, die Verneinungspartikel als Wortnegation auf- 
zufassen. Jespersen gibt in Negation in English, ch. I, General 
Tendencies S.4 ff, folgende Erklärung: Der Stand I say not aus 
I ne seye not ist im 15. Jahrh. erreicht. Das Deutsche steht 
noch auf dieser Stufe. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrh. 
wird nun do in allen Arten von Sätzen unterschiedslos als 
Hilfsverb verwendet, aber allmählich beschränkte man sich auf 
die, in welchen es entweder zur Emphase oder zu einem gram- 
matischen Zwecke diente. Der Deutlichkeit halber bemühte man 
sich, die Negation zuerst oder möglichst bald zu setzen, so sehr 
oft unmittelbar vor das verneinende Wort, meist das Verb; 
ermöglicht wird dies durch den Einschub von do, das alle äußer- 
lichen Faktoren (Zeit, Zahl, Person) übernimmt, sodaß not den 
Platz vor dem eigentlich wichtigen Begriffsverbum erhält. Aehnlich 


— 21 — 


wie l will not, cannot say, Ihavenot said, bekommen wir I do not 
say. Eine solche Analogiewirkung ist nicht ausgeschlossen. 

Für die affirmativen Fragesätze, N.E.D. III, 26, gilt, was 
Franz für Shakespeare, Stroheker, Ziesenis für die oben ge- 
nannten elisabethinischen Schriftsteller festellten:: wenn die 
Frage nicht durch ein Interrogativum (Pron. od. Adv.) eingeleitet 
ist, wenn sie eine auf den Gesamtinhalt des Satzes gehende 
Antwort verlangt, so überwiegt weitaus die umschriebene Form ; 
sie ermöglicht, daß doch einerseits die Frageform (Verb- Subj.) 
eingehalten werden kann, andererseits der allgemeinen Neigung 
folgend das Subj. vor dem Begriffsverb zu stehen kommt, Dost 
thou think, know, understand, remember, see wird meist in 
dieser Gestalt verwendet. Die nicht umschriebene Form hat 
den Vorzug, wenn ein Fragewort an der Spitze steht, Bei 
Elisabeth sind aber doch auch recht viele solcher durch Frage- 
wort eingeleiteter Sätze mit do umschrieben, z.B. B.I, M. 5/29, 
Pr. 6/24; B.II, Pr. 2/38, 3/62,4/32, 6/9, 6/15, 6/50, M. 7/7, 7/19; B. III, 
Pr. 11/60, M. 11/13; B.IV,Pr. 2/70; B.V, Pr. 3/58, M.3/10, Pr.4/9, 
4/13, Pr.6/69. Sie machen ungefähr 1, der Gesamtsumme aus; 
das an der Spitze stehende Fragewort kann da eine gewisse 
Rolle spielen, denn von den 18 Sätzen dieser Art sind 12 durch 
why eingeleitet (how 1, when 1, Pron. 3x). — 

Die negativen Fragesätze, N.E.D. II, 28, sind gegenüber 
den affirmativen bedeutend in der Minderheit (9:60). Sie werden 
hier nie mit einem Interrogativum eingeführt, haben also die 
ne. Form, do you not think, do (we) not see (letzteres 4X). 
Der Vorzug der rhythmischen Wortordnung neben dem der 
inneren Klarheit ist gewonnen, ein Moment von großer Wichtig- 
keit, Der Kern des Zeitwortes rückt näher an den Satzschluß, 
das begrifflich bedeutsamste Wort hat nun eher Aussicht, am 
Satzende unter Hochton zu kommen. Auch der unmittelbare 
Anschluß des direkten Obj. an das Verb wird damit ermöglicht 
(Franz). — Beim Imperativ (mit do) und den restlichen Belegen 
sind keine auffallenden Abweichungen vom gewöhnlichen Ge- 
brauch zu bemerken. — 

Elisabeths Uebersetzung von Plutarchs »De curiositate« 
bietet für do dasselbe Bild und zeigt dieselbe Uebereinstimmung 


— 12 — 


mit dem damaligen Sprachgebrauch, der für das umschreibende 
do einen Höhepunkt darstellt. Im Ae, und im Me. bis Chaucer 
einschließlich hat die Erscheinung sich nicht zu entfalten 
vermocht. Zu Beginn des 15. Jahrh. machen sich .die. ersten 
Ansätze der Entwicklung bemerkbar, im Laufe des Jahrh. ge- 
winnt dieses do zusehends an Bedeutungskraft, die größte 
Verbreitung hatte es im 16. und zu Beginn des 17. Jahrh., 
und zwar mehr in der Literatur 'als in der gewöhnlichen 
Umgangssprache. Pepys hat die Umschreibung: in positiven 
Sätzen noch vielfach, Evelyn nicht: mehr, Dryden steht auf 
dem modernen Standpunkt (Deutschbein). Zu Ende des 17., 
Beginn des 18. Jahrh. tritt der Umschwung ein, der im 18. 
fast zu einer Abneigung gegen die Verwendung von do als 
Hilfszeitwort führte (Pope, Johnson). Die Stabilisierung und 
Regelung erfolgte (nach Dietze) in den verschiedenen Satzarten 
nicht gleichzeitig. Zuerst scheint in den negativen Fragesätzen 
noch im 16. Jahrhundert die Umschreibung einheitlich durch- 
geführt worden zu sein, die negativen Aussage- und Auf- 
forderungssätze folgen um 1700, in den positiven Behauptungs- 
und Fragesätzen ist der heutige Stand um die Mitte des 
18. Jahrh. erreicht. | 
Die Gründe für die -weite- Ausbreitung der Kenkteskien 
sind nach Hoops, wie S. 90 erwähnt wurde, das Streben nach 
Hervorhebung des Verbalbegriffes, nach Belebung und Ver- 
deutlichung der Ausdrucksweise. Der Umfang der Verwendung 
wurde dann allzu groß, sodaß dieser verstärkende Charakter des: 
do sich allmählich wieder verlieren mußte. Ueberdies wird im 
18. Jahrh. das Wesen der sprachlichen Aeußerung allgemein 
starrer und zurückhaltender, die regelnde, berechnende und 
ausgleichende Verstandesrichtung hat das Uebergewicht über 
Gefühlswärme und Temperament; diese seelischen : Momente 
konnten die Sprechweise nicht mehr so wie früher beeinflußen. 
Franz lenkt die Aufmerksamkeit auf das „Tun“ im provinziellen 
Deutsch, im Oberdeutschen; über das  modale Tun spricht 
Deutschbein in seinen sprachpsychologischen Studien und 
K. Hentrich, „Modales tun im Nhd.® in den „Vermischten Bei- 
trägen zur Sprachpsychologie“. G.R.M. 9/240 (1921). 


Zusammenfassung. 


Die drei Boethius-Fassungen geben im großen ganzen ein: 
deutliches und anschauliches Bild der Entwicklung für do bis in 
die frühne. Zeit. Als Hauptverbum ist es seltener geworden, seine 
begriffliche Kraft hat seit Chaucer offenkundig sehr nachge- 
lassen. Am auffallendsten ist das vollkommen geänderte Aus- 
sehen von N.E.D. III (causal & auxiliary uses); diese Abteilung 
ist nicht nur die weitaus größte geworden, sonderm auch ganz 
_ neue Gruppen haben in ihr die Herrschaft an sich gerissen, 
die des umschreibenden do, N.E.D. II, 25—28. So steht der 
allmählichen qualitativen Einbuße eine mächtige quantitative 
Zunahme gegenüber, wobei der Unterschied zwischen dem ae. 
und me. Gebrauch nicht derart einschneidend. und merkbar ist 
als der zwischen der me. und frühne. Verwendungsweise. Große 
Ereignisse und gewaltige äußere Umwälzungen, wie sie an 
der Grenze der ae. und me. Zeit vor sich gingen, konnten 
wohl das äußere Sprachbild stark verändern, prägten sich. 
aber in ihr Leben, ihren organischen Bau, in die Syntax weniger 
ein, das läßt schon dieses eng umgrenzte Problem, dieser kleine 
Ausschnitt aus dem Sprachleben erkennen. Veränderungen. 
solch tief greifender Art, die das innere Wesen, den Aufbau 
der Sprache treffen, sind die Ergebnisse eines langen, allmäh- 
lichen, natürlichen Werdens, das in der Hauptsache durch 
psychologische Momente, durch die Wandlung des Volks-, damit 
des Sprachgeistes bestimmt wird. 


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AUTOREN-VERZEICHNIS. 


Abbot S.6 


Baur 17 

Bax 19, 113 

Bell 17 

Beschorner 82 (2X) 

Bihl 5, 31, 34, 35, 37, 
38, 44, 59, 63, 83 

Blades 12 

Bonaparte 87 

Borst 5, 10, 14, 35, 51 

Brandl 50, 58, 59, 88, 112 

ten Brink 3, 4, 14, 15 
(2X), 17, 19, 92 

Brinkmann 22 

Burghardt 74 


Callaway 96 

Chambers 14, 16 

Collitz 1 

Cossack 18, 19, 88 

 Courmont 5, 75 (2X), 
86 (2X) 

Craik 13 

Curme 99 


Dahlstedt 39 

Deussen 18 

Deutschbein 2, 3,5(3X), 
6 (2X), 9, 10, 22, 23 
(2X), 24, 25, 49, 55, 
56, 71, 74 (2X), 75 
(2X), 76, 77, 82, 83 
(2X), 92, 93, 94, 96, 
100 (2X), 109, 118, 
122 (2X) 


Dibelius 4 

Dietze 6, 70 (4X), 71 
(2X), 85, 117, 118, 
122 

Dölle 4 

van Draat, Fijn 59, 63, 
64, (2X) 


Ebert 18 

Einenkel 5, 52, 58, 59, 
64 (3X), 82, 86, 92,, 
99, 100 

Eitle 37, 51, 52, 117 

Ekwall 6, 44, 74, 118 

Elworthy 88 


Fansler 42, 80 

Fehlauer 17 (2X), 18 
2X) 

Fehr 5, 58, 59 (2 X), 99 

Flasdieck 3/4,4 (3 X), 12 

Franz 6 (2X), 59, 60, 
83, 117,118, 119, 120, 
121 (2X), 122 

Fraser 17 

Frieshammer4, 11 (3X), 
12 (2X), 13 

Funke 9, 38, 82 

Fumivall 15 (4X) 


Gerike 96, 100 - 
Godefroy 42 
Guest 16 (2X) 


Hammond 13, 15, 16 
(8X), 17, 80 


Harz 6,83, 118,120 (2X): 

Hentrich 122 

Hertzberg 15 

Heusler 66 

Hoops 4, 6, 90, 96, 100;. 
122 

Horn 1 

Holthausen 59 

Hüttinger 18 


Jefferson 17 (2X), 19,. 
104 

Jespersen 2, 10, 75, 96- 
(2X), 99, 100, 102, 
117, 118, 120 


Kaluza 80 (2X) 

Keilmann 34 

Keller 6 

Kellner 5, 12, 60 

Kenyon 6, 58 (2X), 59,. 
63, 74, 75, 77 (2X), 
79 (aX), 80 (2X), 
81, 83, 84 (2X), 93- 

Ker 13 

Klingner 18 

Klöpzig 92, 93 (2X) 

Koch F. 5 

Koch J. 13, 14,15 (2X), 
17 (2X), 18, 19, 82: 


’Koeppel 15, 17, 42 


Krüger 6 


Lange 82 (2X) 
Lekebusch 4 
Lichtsinn 58 


‚Liddell 15 (2X), 17, 19 

Lounsbury 5, 71, 73, 80 
3X) 

Lowes 15 (2X) 

Luick 6, 42 


Mätzner 5, 55, 57, 59, 
69, 72, 84 

Manitius 18 (2X) 

(Mather 14, 15 

Moore 6, 61, 70, 85, 86 
EX), 87 (2X), 88 

Morris 12, 18, 19, 64 

‘Morsbach 3 (2X), 4, 11 

Murray 8, 27, 36, 37, 87 


Nietzsch 18. 


Paul 24, 37, 58, 59 
'Pemberton 114 

‚Pollak 9 

'Pollard 14, 15 (2X), 27 
'Poutsma 6 


Remus 44 
Ries 24, 29 
Rohde 6 


Root 15 

Ross 96 

Royster 5, 6, 64, 68, 70, 
74, 76, 80, 82, 85 
(2 X), 86 (4 X), 87, 88 


Sanders 58, 59 (2X), 


61, 62, 93 
Schick 86 
Schmidt 99, 100 
Schröer 4 (2X) 
Schümmer 18 (2X), 88 
(2X) 
Science 19 
'Sedgefield 69, 105 (2X) 
Shearin 59 (2X) 
Skeat14(2X),15(3X), 
16, 17 (2 X), 77,79, 84 
Sommer 24 
Stewart 17 (2X), 18 
Stroheker 5, 120, 121 
Sunden 50°. 
Sverdrup 1 
Sweet 5, 24 (2X), 29, 
70, 1 (EX) 72, 78, 
83, 93, 96, 100 (2X) 
Swoboda 6 j 


Tanger 93 
Tatlock 14 
Thomas 16 
Tyrwhitt 16, 75 


Ury 16 


Ward 13, 15 (2X) 

Warton 18 

Wendt 5, 23, 49, 100 

Western 2, 3, 5, 24, 25, 
26 

Weyel 59 | 

Wild 11, 12 (AX), 13, 
42, 46, 78, 79 

Wilmanns 96 

Wright 87, 88 

Wülfing 5, 71, 72 

Wülker 18, 19, 113 

Wwyld 10 


Zenke 9 

Ziesenis 5, 120, 121 

Zilling 6, 64, 80, 81, 83, 
85 (3X) 


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